Der Einsatz der Berliner Polizei im Vorfeld des Spiels Türkei gegen Niederlande bei der Fußball-EM 2024 war nicht einfach. Die Stimmung war aufgeheizt, zu Beginn des Fan-Marsches zeigten die türkischen Fans rechtsextreme Wolfsgrüße und schwenkten Fahnen der „Grauen Wölfe“. Die Geste, die der türkische Nationalspieler Merih Demiral bei seinem Torjubel gegen Österreich zeigte, war am Samstag omnipräsent – so sehr, dass die Polizei den Aufzug letztlich als politische Versammlung wertete und beendete. In der Folge blieb es allerdings ruhig. Eine Polizeisprecherin sprach am Abend in einer ersten Bewertung von einem aus Polizeisicht größtenteils friedlichen Verlauf. Nun veröffentlichte die Polizei die Abschlussbilanz des Einsatzes.

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Dieser hatte bereits in der Nacht zu Samstag begonnen. Laut Berliner Polizei nahmen Polizisten gegen 1 Uhr zwei Männer im Alter von 21 und 28 Jahren an der S-Bahn-Unterführung in der Heilsberger Allee im Ortsteil Westend fest. Die Einsatzkräfte hatten beobachtet, wie die Männer die Unterführung mit Graffiti beschmierten. An den Mauern fanden die Polizisten diverse Schriftzüge mit Bezug zur anstehenden Spielbegegnung. Die Einsatzkräfte machten die Schmierereien unkenntlich. Nachdem die Beamten die Personalien festgestellt hatten, entließen sie den 28-Jährigen wieder. Der jüngere Mann hingegen kam zur Überprüfung der Personalien in einen Polizeigewahrsam. Aktuell ermittelt der Staatsschutz des Landeskriminalamts wegen Sachbeschädigung mit politischem Hintergrund.

Vorläufige Festnahmen bei Fan-Marsch der türkischen Anhänger

Am Nachmittag gegen 15.30 Uhr versammelten sich rund 5000 türkische Fans am Breitscheidplatz. Dabei zeigten die Fans immer wieder den Wolfsgruß, zudem brannten sie Pyrotechnik ab. Gegen 16 Uhr setzte sich der Aufzug in Bewegung. Die türkischen Anhänger liefen über die Kantstraße in Richtung S-Bahnhof Charlottenburg. In der Spitze beteiligten sich nach Angaben der Polizei rund 8.000 Personen. Am Anfang, insbesondere im Nahbereich des Busses des türkischen Verbandes, wurden nach weiteren Angaben vermehrt Wolfsgrüße gezeigt. Einsatzkräfte hielten den Fan-Marsch daraufhin an und teilten den Veranstaltern mit, dass das Zeigen des Grußes nicht geduldet werde, da dieser Gruß eine politische Meinungskundgabe darstelle. Die Veranstalter forderten die Teilnehmenden des Zuges daraufhin per Lautsprecher auf, das Zeigen politischer Botschaften zu unterlassen.

Allerdings half das wenig. Im weiteren Verlauf zeigten die Teilnehmer immer wieder Wolfsgrüße. Neben Fahnen war auch ein großes Banner zu sehen, dass einen Wolf zeigte. Der Bus wurde dann gegen 17 Uhr in Höhe der Leibnizstraße gestoppt. Anschließend beendete die Polizei den Aufzug. Sie wurden aufgefordert, mit der S-Bahn zum Stadion weiterzufahren. Das stieß zunächst auf Unmut bei den türkischen Anhängern, sie quittierten Lautsprecherdurchsagen der Polizei mit Pfiffen und weiteren Wolfsgrüßen. Auch wurde vereinzelt Pyrotechnik abgebrannt, woraufhin Einsatzkräfte mehrere Personen vorläufig festnahmen und entsprechende Ermittlungsverfahren einleiteten.

Fanmarsch der Niederländer ohne „größere Vorkommnisse“

Am Fan-Marsch der niederländischen Fans nahmen nach Angaben der Polizei in der Spitze 19.000 Fans teil. Dieser startete am späten Nachmittag am Hammarskjöldplatz. Auch dabei wurde Pyrotechnik abgebrannt. Insgesamt habe es aber keine größeren Vorkommnisse gegeben, so die Berliner Polizei. Der Fan-Aufzug traf gegen 18 Uhr am Olympiastadion ein.

An den Eingängen zum Olympiastadion brannten Fans immer wieder Bengalos ab. Auch waren Einsatzkräfte zu sehen, die Fans kontrollierten und ihnen Pyrotechnik abnahmen. Dennoch kam es während des Spiels, das um 21 Uhr begann, im Stadion wiederholt zum Abbrennen von Pyrotechnik, insbesondere – so die Polizei – bei spielentscheidenden Situationen.

In der Fan Zone vor dem Brandenburger Tor kam es während des Spiels im Bereich der Bühne zwischen Fans der türkischen und niederländischen Mannschaft zu körperlichen Auseinandersetzungen. Das war, als die Niederlande das 2:1-Siegtor erzielte. Ein Video zeigte, wie Ordner eingriffen und die Fanlager trennten. Eine Sprecherin der Polizei sagte am Samstagabend, dass die Lage sich noch vor dem Eintreffen der Einsatzkräfte der Polizei beruhigt hatte.

Breitscheidplatz: Arbeit von Journalisten behindert

Nach dem Ende des Spiels, das die Türkei eben verloren hatte, fanden sich etwa 800 Menschen im Bereich der City West ein. Außerdem wurden dort 30 Fahrzeuge festgestellt, die jedoch keinem Jubelkorso zuzuordnen waren. Gegen 23.30 Uhr versammelten sich dutzende Fans auf dem Breitscheidplatz. Dabei behinderten einzelne Anhänger die Arbeit von Journalisten. Einsatzkräfte der Polizei unterbanden dies durch kurzfristige Zwangsmaßnahmen in Form von Drücken und Schieben.

Die Polizei leitete 64 Strafermittlungsverfahren ein

Am Breitscheidplatz mischten sich auch pro-palästinensische Aktivisten unter die türkischen Fans. Sie riefen pro-türkische und pro-palästinensische Parolen, allerdings ohne strafbaren Inhalt. Darüber hinaus wurde laut Polizei vereinzelt der Wolfsgruß gezeigt. Einsatzkräfte führten Beweissicherungsmaßnahmen durch. Konkreten Personen konnten die Ausrufe vor Ort nicht zugeordnet werden. Die Beamten forderten die Personengruppe auf, politische Äußerungen im Rahmen ihrer Feierlichkeiten zu unterlassen. Gegen 0.45 Uhr fanden sich keine Fußballanhänger mehr vor Ort.

Insgesamt nahm die Polizei im Verlauf des Samstags 54 mindestens vorläufig fest. 64 Strafermittlungsverfahren wurden unter anderem wegen einfacher und gefährlicher Körperverletzung, wegen Hausfriedensbruchs, Beleidigung, Erschleichens von Leistungen und Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz eingeleitet. Zwei Einsatzkräfte wurden verletzt, konnten aber im Dienst bleiben. Rund 3.200 Polizisten waren im Einsatz, darunter auch Einsatzkräfte aus Brandenburg, Bayern, Hessen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Thüringen und von der Bundespolizei.