Israelische Flaggen und ein Meer aus tausenden bunten Regenschirmen inmitten des Nieselregens: Dieses Bild bot sich am zweiten Advent ab 13 Uhr auf der Straße des 17. Juni in Berlin. Grund dafür war die „Nie wieder ist jetzt“-Demonstration, die sich mit einem breiten Bündnis aus Politik, Sport, Kunst und Kultur sowie der Gesellschaft Antisemitismus und Hass entgegenstellte.

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„Es geht nicht nur darum, heute ein Zeichen gegen Antisemitismus zu setzen, sondern wir müssen auch danach weitermachen, immer wieder das Gespräch suchen und Konflikte thematisieren, mit denen wir hier in Deutschland zu kämpfen haben“, erklärte die Bundestagspräsidentin und Schirmfrau der Veranstaltung, Bärbel Bas (SPD), bevor der Demozug hinter dem Banner „Nie wieder ist jetzt – Deutschland steht auf“ vom Großen Stern in Richtung Brandenburger Tor zog. Genau darum schien es auch den Demonstrierenden zu gehen, die mit „We stand with Israel“-Schildern ihre Solidarität ausdrückten. „Ich erhoffe mir hiervon, ein Zeichen gegen Antisemitismus zu setzen,“ sagt etwa Teilnehmerin Gabi Riedel der Berliner Morgenpost.

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Hubertus Heil (SPD) bei der Demonstration in Berlin: „Damit muss endlich Schluss sein“

Das war schließlich auch das erklärte Ziel der Veranstaltung, denn im Demonstrationsaufruf wurden vorab „alle Bürgerinnen und Bürger“ dazu aufgerufen, „mitten in Berlin Gesicht zu zeigen für ein friedliches und respektvolles Miteinander und sich Antisemitismus, Hass, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit entgegenzustellen“. Die vom Berliner Immobilienunternehmer Nicolai Schwarzer organisierte Kundgebung wurde unter anderem von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) unterstützt. „Jede und jeder Einzelne kann im Alltag ein Zeichen gegen Antisemitismus, Rassismus, Hass und Hetze setzen und die Stimme erheben. Je mehr Stimmen laut werden, desto wirksamer steht unsere Gesellschaft gegen alles zusammen, was unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt gefährdet. Das ist die wichtige Botschaft von „Nie wieder ist jetzt!”, sagte der Kanzler laut Veranstalter. Dahinter standen außerdem andere Politikerinnen und Politiker fast aller Parteien, ebenso Künstler wie Herbert Grönemeyer, Roland Kaiser, Iris Berben und Hape Kerkeling, die Moderatoren Günther Jauch und Sandra Maischberger und der Ex-Fußballer Arne Friedrich.

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Einige dieser Unterstützerinnen und Unterstützer trotzten daher am Sonntag dem Regen und liefen nicht nur mit den Demonstrierenden zum Brandenburger Tor, sondern machten in anschließenden Reden deutlich, was zu tun sei. So erklärte Hubertus Heil (SPD), Bundesminister für Arbeit und Soziales, dass Menschenfeindlichkeit „aus welcher Ecke auch immer“ in diesem Land nicht toleriert werde. Er forderte eine „anständige, laute Mehrheit“, statt einer schweigenden Mehrheit, die Antisemitismus „einfach toleriert“, so der Minister. „Damit muss endlich Schluss sein“ , erklärte er unter großem Applaus.

Deutschland steht auf - Nie wieder ist jetzt!
Die Demonstrierenden zogen vom Großen Stern zum Brandenburger Tor. Mit dabei hatten sie zahlreiche Israel-Flaggen.© Funke Foto Services | Reto Klar

„Nie wieder ist jetzt“-Demo mit Bärbel Bas, Roland Kaiser und Kai Wegner

Ähnliche Worte fanden auch die anderen Rednerinnen und Redner. „Hier sind wir“, sagte Bas und fügte hinzu: „Wir alle stehen auf gegen Antisemitismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit.“ Seit dem Überfall der Hamas auf Israel habe auch in Deutschland Antisemitismus massiv zugenommen, auf durchschnittlich 29 Fälle pro Tag. Dagegen setze diese Demonstration ein kraftvolles, sichtbares und lautes Zeichen, betonte die Bundestagspräsidentin. „Nie wieder“ sei keine abstrakte Formel, sondern ein konkreter Auftrag, betonte sie. Jeder Einzelne müsse sich fragen, was „Nie wieder“ für ihn persönlich bedeute.

Auch Schlagersänger Roland Kaiser zeigte sich beschämt über Antisemitismus in Deutschland. Jüdinnen und Juden hätten erlebten wieder Angst und Hass. Für Antisemitismus gebe es keine Rechtfertigung, betonte der Sänger. Der Schutz jüdischen Lebens sei der Auftrag aller. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) unterstrich: „Israelfeindlichkeit, Hass und Hetze gehören nicht zu unserem Berlin.“ Jüdinnen und Juden in dieser Stadt seien nicht allein, Berlinerinnen und Berliner sollten in dieser Zeit zusammenstehen. Jüdisches Leben in der Hauptstadt sei ein „großes Geschenk“, dessen Schutz eine gemeinsame Verpflichtung aller Berlinerinnen und Berliner.

Deutschland steht auf - Nie wieder ist jetzt!
Auch Kai Wegner (4.v.l.) und andere Prominente nahmen an der „Nie wieder ist jetzt“-Demo in Berlin teil.© Funke Foto Services | Reto Klar

Pro-palästinensische Demonstranten ziehen parallel durch Berlin

Bei den späteren Kundgebungen nahm die Menschenmenge zusehends ab. Der ebenfalls anwesende Publizist Michel Friedman sagte mit Blick auf die Teilnehmerzahl unter Beifall: „Es sind zu wenige, die gekommen sind“. Die Berliner Polizei sprach am Ende von nur noch rund 300 Demonstrierenden, zwischenzeitlich seien es jedoch 3.200 Teilnehmende gewesen, wie eine Pressesprecherin der Polizei auf Anfrage mitteilte.

Ähnlich viele Menschen nahmen an einem Demonstrationszug teil, der parallel zu der „Nie wieder ist jetzt“-Veranstaltung unter dem Motto „Solidarität mit Palästina – Keine Waffen für Genozid“ stattfand. Die Polizei sprach von etwa 2500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Vor dem Hintergrund des Nahost-Konflikts forderten die Demonstrierenden unter anderem einen Stopp von Waffenlieferungen an Israel. Auch Rüstungs- und Geheimdienstkooperationen mit dem Land sollten beendet werden.

Neben Fahnen mit den palästinensischen Farben war unter anderem auch die Buchstabenkombination BDS zu sehen. BDS steht für „Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen“. Die Kampagne ruft zum Boykott des Staates Israel und israelischer Produkte wegen des Vorgehens gegen Palästinenser auf. Zu den skandierten Parolen gehörten Sätze wie „Deutschland finanziert, Israel bombardiert“, „Viva, Viva Palästina“ oder „Deutsche Medien lügen. Lasst euch nicht betrügen“.

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