Der Mord an Christin R. aus dem Pferdehalter-Milieu im Norden Berlins machte bundesweit Schlagzeilen. Die Erkenntnisse aus den Ermittlungen schockieren bis heute. Nach Einschätzung der Polizei gingen die insgesamt fünf Beteiligten mit außergewöhnlicher Brutalität und Heimtücke vor. In unserer True-Crime-Serie „Das dunkle Berlin“ zeigen wir, was im Sommer 2012 in Lübars passiert ist.
Alles begann im Frühjahr 2012 in Lübars, einer ländlich geprägten Gegend im Berliner Bezirk Reinickendorf. Eine Mutter schloss dort mit ihrem Sohn im Zeitraum von wenigen Tagen gleich sieben Lebensversicherungen auf den Namen der Freundin des Sohnes ab, sechs mit gefälschten Unterschriften. Die Versicherungssumme: 2,5 Millionen Euro. Der Begünstigte: der Sohn.
Die Unterschriften waren kaum trocken, als die Mutter versuchte, mit einem Messer in ihrer Küche die Freundin, deren Leben nun Millionen wert war, zu erstechen. Die junge Frau überlebte – trotz mehrerer tiefer Stichwunden. Wochen später gelang der Mord schließlich aber doch. Die Mutter ging daraufhin zur Versicherung, wollte für ihren Sohn das Geld kassieren. Doch der Plan flog auf, die Täter wurden schnell gefasst.
Mord in Lübars: Die Fakten zum Fall im Überblick
| Fall | Mord in Lübars |
| Tatzeit | Sommer 2012 |
| Tatort | Parkplatz vor dem Freibad Lübars |
| Status | Aufgeklärt, Täterverurteilt |
| Besonderheit | Mord, um Lebensversicherung zu erhalten |
True Crime Berlin: Ein Plan, der scheitern musste
Man wundert sich im Nachhinein über die Dummheit, die der Tat zugrunde lag. Es war ein Plan, der schlicht scheitern musste. Doch im Vordergrund steht der Schrecken über die Raffgier, die Brutalität, die Heimtücke und Gefühlskälte junger Menschen und der Mutter. Aber auch über die Leichtgläubigkeit des Opfers, der jungen Pferdewirtin Christin R.
Seit dem Frühjahr 2011 führten die 21-Jährige und der zwei Jahre ältere Springreiter Robin H. eine Beziehung. Beide wollten heiraten und mit der Pferdezucht wohlhabend werden. Robins Mutter Cornelia, eine Versicherungsmaklerin, pachtete für beide einen Reiterhof. Doch schon bald geriet sie in finanzielle Schwierigkeiten, konnte die Pacht nicht mehr zahlen. Christin R. und Robin H. mussten den Hof räumen. Der Traum schien vorbei, nur die Hochzeit stand noch im Raum. Mutter und Sohn überredeten die Braut, eine Lebensversicherung für sie abzuschließen. Der Begünstigte sollte Robin H. sein. Christin R. willigte ein – eine Entscheidung mit Folgen.
Die Beziehung hielt nicht lange: Robin trennte sich Ende 2011 von seiner Braut, hatte schnell eine neue Freundin, die 27-jährige Tanja L., ebenfalls Pferdewirtin. Er versprach ihr, sie zu heiraten. Mutter Cornelia und Robin schlossen schließlich im Frühjahr 2012 weitere Lebensversicherungen auf Christin R. ab und fälschten dafür ihre Unterschrift. Christin ahnte nichts von den neuen Verträgen, die ihren Tod besiegeln sollten.

Das dunkle Berlin: True Crime aus der Hauptstadt
In ihrer Anfangszeit sorgte die Berliner Morgenpost mit der Erfolgsserie „Über das dunkle Berlin“ für Aufsehen. Nun knüpfen wir daran an – und berichten über die aufsehenerregendsten Verbrechen der Stadt. Unsere True-Crime-Serie: Das dunkle Berlin.
Mord in Lübars: Plötzlich stach Cornelia H. auf Christin ein
Anfang April 2012 verkehrte Christin trotz der Trennung noch im Hause H. in Lübars. Die gemeinsame Pferdeliebe schweißte zusammen. Es kam zum ersten Mordversuch. Robin wollte es geschickt anstellen. Er fuhr zu einer Tankstelle mit Videoüberwachung, trieb sich dort für eine Weile herum. Ein einwandfreies Alibi, dachte er offenbar. Unterdessen ließ er Christin mit seiner Mutter in deren Wohnung allein. Plötzlich stach Cornelia H. ohne Vorwarnung zu. Das Küchenmesser drang fünf Zentimeter tief in Christins Rücken ein.
Christin wehrte sich. Sie war kräftiger als Cornelia H., entwendete ihr das Messer. Robins Mutter täuschte gegenüber Christin einen Blackout vor, stammelte, für einige Sekunden von Sinnen gewesen zu sein. Als Robin zurückkehrte, fuhr er seine Ex-Freundin ins Krankenhaus, wo sie ein paar Tage auf der Intensivstation lag. Christin erstattete Anzeige. Doch die Ermittlungen wegen gefährlicher Körperverletzung wurden aufgrund einer vermeintlichen psychischen Störung von Cornelia H. eingestellt. Den Kontakt zu Robin brach Christin trotz der Messerattacke seiner Mutter nicht ab.

Der nächste Mordversuch: Ein vergifteter Sekt vor dem Fastfood-Restaurant
Anfang Juni wurde Robins neue Freundin Tanja in den perfiden Plan eingeweiht. Robin versprach ihr 50.000 Euro aus dem Erlös der Versicherungen – und eine gemeinsame Zukunft. Die Polizei ermittelte später, dass in den Tagen zuvor Robin wie auch seine Mutter im Internet nach Giften recherchiert hatten. Sie besorgten sich Kaliumchlorid und schickten Tanja damit zu einem Treffen mit Christin vor einem Fastfood-Restaurant in Reinickendorf. Angeblich sollte es um den Kauf eines Pferdes gehen. Beide tranken Sekt aus mitgebrachten Plastikbechern. Tanja mixte Christin Gift ins Getränk. Sie nahm einen kräftigen Schluck – und weiter passierte nichts. Das Trio hatte übersehen, dass Kaliumchlorid nur in die Blutbahn gespritzt wirkt, nicht aber, wenn man es schluckt.
Nun bat Tanja L. ihren Bruder Sven, nach einem Auftragskiller zu suchen. Sven, wegen kleinerer Delikte vorbestraft, kontaktierte seinen Freund Steven M., Der versprach, Christin R. zu strangulieren. Dafür verlangte er die lächerliche Summe von 500 Euro. Sven sollte ebenfalls 500 Euro erhalten. Als Courtage für die Vermittlung.
Aus unserer True-Crime-Serie „Das dunkle Berlin“
Erst beim zweiten Mal kam Christin allein
Am Abend des 20. Juni sollte der Plan dann umgesetzt werden. Die Nacht davor verbrachte Robin mit seiner Ex-Freundin. Am Morgen verschickte er eine SMS an Tanja. „Kein Fehlschlag bitte, ein drittes Mal ist unmöglich.“ Robin hatte sich mit Christin auf dem Parkplatz vor dem Freibad Lübars verabredet, wartete im Auto auf sie. Steven ebenso, versteckt im Hinterhalt. Christin kam aber mit einer Freundin, was den Mord unmöglich machte. Kurz darauf rief Robin Christin an. Sie möge noch einmal kommen, Tanja sei auch da und freue sich auf ein Wiedersehen. Ach ja, er wolle ihr Geld geben, einen größeren Betrag, den er ihr noch schuldete.

Christin kehrte gegen 22 Uhr zurück, diesmal allein. Steven sprang aus dem Hinterhalt mit einem Seil hervor, schlang es ihr um den Hals und zog zu, bis das Opfer kein Lebenszeichen mehr von sich gab. Robin und Tanja sahen zu, hörten, wie Steven fluchte, weil es ihm zu lange dauerte.
Die Polizei nahm Robin noch am selben Tag fest
Am nächsten Morgen entdeckte eine Spaziergängerin Christins Leiche. Die Polizei ging zunächst von einer Beziehungstat aus und nahm Robin noch am selben Tag fest. Seine Mutter rief derweil bei der Lebensversicherung an. Sie wollte für ihren Sohn die Millionen ausbezahlt bekommen. Steven M. wurde eine Woche später in Dortmund verhaftet, nachdem er dort gegenüber Dritten mit der Tat geprahlt haben soll.
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Tanja L., die den Mörder beauftragt hatte, war die einzige Geständige. Die anderen stritten ihre Beteiligung ab, belasteten sich gegenseitig. Doch die Beweislage war nach Durchsicht der Handynachrichten und der Funkzellenauswertung erdrückend. Die Urteile: lebenslang mit besonderer Schwere der Schuld für Robin und seine Mutter. Steven M. und Sven L. wurden ebenfalls zu lebenslanger Haft verurteilt. Tanja L. erhielt eine Haftstrafe von 14 Jahren.








