• Das Deutsche Herzzentrum der Charité warnt vor dem Süßstoff Xylit
  • Xylit ist auch als „Birkenzucker“ bekannt und wird unter anderem in Desserts oder Milchprodukten verwendet
  • Gefährlich ist Xylit laut Studie vor allem für Menschen mit Herzkreislauferkrankungen oder Diabetes

Der Konsum des Süßstoffes Xylit kann das Risiko für schwerwiegende Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall erhöhen, zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Cleveland Clinic in den USA, an der Marco Witkowski, Kardiologe am Deutschen Herzzentrum der Charité (DHZC), als Erstautor beteiligt war. Konkret wurde festgestellt, dass das Risiko für schwerwiegende kardiale Ereignisse bei erhöhten Xylit-Werten im Blut um 57 Prozent erhöht war.

Xylit, häufig auch als „Birkenzucker“ bezeichnet, ist ein sogenannter „Zuckeralkohol“, der als kalorienarmer Süßstoff in verschiedenen Lebensmitteln und Getränken verwendet wird. Xylit steckt unter anderem in Desserts, Milchprodukten, Backwaren, Süßigkeiten, Kakao- und Schokoladenprodukten, Konfitüren und Brotaufstrichen, Soßen, Senf und diätischen und glutenfreien Lebensmitteln. Der Süßstoff wird in der Lebensmittelindustrie sehr geschätzt, weil es die Textur, Feuchtigkeit und Haltbarkeit von Produkten verbessert, ohne einen Nachgeschmack wie andere Süßstoffe zu hinterlassen. Es wird daher in großen Mengen verkauft und als „natürlicher Süßstoff“ beworben, da es in geringen Mengen auch in Obst oder Gemüse vorkommt und vom Körper produziert werden kann. „Wird Xylit aber als Zuckerersatz verwendet, ist die Konzentration um ein Vielfaches höher als in Obst oder Gemüse“, sagte Mediziner Witkowski der Berliner Morgenpost. Genau hier liege die Gefahr. „Die Dosis erhöht die potenzielle Gefahr“, so der Mediziner.

Gefahr für Menschen mit bestehenden Herz-Kreislauferkrankungen

Vor allem Menschen mit bereits bestehenden Herzkreislauferkrankungen, Diabetes oder Übergewicht seien durch Xylit gefährdet. „Unsere Forschung weist auf mögliche Risiken von Xylit hin und zeigt, dass Süßstoffe nicht unbedingt die harmlose Zuckeralternative sind, für die sie oft gehalten werden“, sagte Witkowski. „Es ist wichtig, dass Verbraucher sich dieser Risiken bewusst sind und ihren Konsum dieser Süßstoffe überdenken. Bei Unsicherheiten sollten sie sich an ihren Arzt oder Ernährungsberater wenden.“

Marco Witkowski ist Kardiologe am Deutschen Herzzentrum der Charité und Autor der Studie zum Süßstoff Xylit.
Marco Witkowski ist Kardiologe am Deutschen Herzzentrum der Charité und Autor der Studie zum Süßstoff Xylit.© Deutsches Herzzentrum Berlin | Deutsches Herzzentrum

Künstliche Süßstoffe wie Xylit werden von Gesundheitsbehörden der USA und der Europäischen Union als „Generally Recognized as Safe“ (GRAS), also als „im Allgemeinen sicher“, eingestuft. Ihr Einsatz werde deshalb auch von mehreren Leitlinienorganisationen für Personen empfohlen, die an Übergewicht, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden – doch nach den Ergebnissen der neuen Studie, sollten gerade diese Menschen Xylit nicht unbedingt in größeren Mengen zu sich nehmen, um Kalorien zu sparen.

Xylit soll Karies hemmen

Außerdem soll Xylit einigen Untersuchungen zufolge auch eine karieshemmende Wirkung haben. Daher wird der Süßstoff auch als zusätzliches Mittel gegen Karies vermarktet, etwa als Zusatz von Zahncremes, Lutschtabletten oder Kaugummis. Auch wenn die Dosis in diesen Produkten gering ist, sind sie für Hunde bereits eine Gefahr. Selbst kleinste Mengen an Xylit können beim Hund eine tödliche Unterzuckerung, Krämpfe oder Leberversagen verursachen. Bei einem 20 Kilogramm schweren Hund genügten zwei Stücke Kaugummi, um eine schwere Vergiftung zu verursachen, an der der Hund sterben könne, erläutert das Gesundheitszentrum für Kleintiere in Lüdinghausen.

Witkowski hat sich während eines mehrjährigen Forschungsaufenthaltes an der Cleveland Clinic in Ohio intensiv mit den längerfristigen Folgen von Xylit beschäftigt. Dazu wurden zunächst Blutproben von insgesamt mehr als 3.300 Herz-Kreislauf-Patientinnen und -Patienten analysiert. Diese Patienten wurden daraufhin über einen Zeitraum von drei Jahren beobachtet. In diesem Zeitraum kam es bei Patient:innen mit hohen Xylit-Konzentrationen im Blut signifikant häufiger zu Schlaganfällen, sogenannten „kardialen Ereignissen“ wie einem Herzinfarkt oder zu einem Todesfall.

Weitere Forschung zu Langzeitfolgen

Dieser Zusammenhang konnte in der Folge weiter erhärtet werden: In Laborversuchen wie auch bei Tests mit gesunden Studienteilnehmern zeigte sich, dass Xylit die Reaktivität von Blutplättchen erhöht, was die Bildung von Blutgerinnseln fördert und somit das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigern kann. Konkret wurde in der Studie festgestellt, dass das Risiko für schwerwiegende kardiale Ereignisse bei erhöhten Xylit-Werten im Blut um 57 Prozent erhöht war.

Angesichts der weit verbreiteten Verwendung von Xylit in Lebensmitteln und Zahnpflegeprodukten halten es die Autorinnen und Autoren der Studie für wichtig, die potenziellen Gesundheitsrisiken weiter zu untersuchen. „Wir forschen auf jeden Fall weiter an dem Thema, um die längerfristigen Folgen besser einschätzen zu können“, sagt Witkowski.