Der Warnstreik von Beschäftigten der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) hält noch bis Freitagnachmittag an. Bis 14 Uhr stehen U-Bahnen, Busse und Straßenbahnen in Berlin größtenteils still. Allerdings muss sich die Stadt auf weitere Verkehrsbeeinträchtigungen einstellen – insbesondere in der Innenstadt. Der Grund dafür ist der bundesweite Klimastreik unter dem Motto „#WirFahrenZusammen“. Hierzu hatte die Klimaschutzbewegung Fridays for Future aufgerufen, sie will zusammen mit den Streikenden der BVG für bessere Arbeitsbedingungen im öffentlichen Personennahverkehr demonstrieren sowie für eine sozial-ökologische Verkehrswende. Lesen Sie auch:BVG-Streik – So kommen Sie trotzdem durch die Stadt
Bereits für Freitagmorgen sind etliche Zubringer-Demonstrationen angemeldet. Ab 8.30 Uhr starten allein drei Fahrrad-Demonstrationen: Vom Bundesplatz sind es 50 Teilnehmer, die in Richtung Invalidenpark fahren. Weitere 15 Personen wollen vom Helene-Weigel-Platz in Marzahn über die Landsberger Allee in Richtung Mitte. Und 100 Personen fahren von der Stadthausstraße in Lichtenberg unter anderen über die Karl-Marx-Allee zum Invalidenpark.
Bundesweiter Klimastreik: 1000 Teilnehmer in Berlin angemeldet
Um 8.45 Uhr gibt es noch zwei weitere Zubringer: Einer startet vom Leopoldplatz mit rund 500 Personen, der andere vom Herrmannplatz mit 100 Radfahrern. Um 10 Uhr wollen sich die Demonstranten und Streikenden dann auf dem Invalidenpark in Berlin-Mitte einfinden, wo die Hauptkundgebung des bundesweiten Klimastreiks stattfinden soll. Nach Angaben der Polizei sind 1000 Menschen für diese Versammlung angemeldet. Wie aus dem Versammlungsverzeichnis des Landes Berlin hervorgeht, planen die Demonstranten dann, einmal im Kreis zu laufen – über die Dorotheenstraße, die Paul-Löbe-Allee und die Kronprinzenbrücke zurück zum Invalidenpark. Auch interessant:Das sagen die Fahrgäste zum BVG-Streik
Schon am Donnerstag, dem ersten Tag des Warnstreiks von Verdi bei der BVG, mussten Berliner mit Beeinträchtigung im Verkehr zurechtkommen. Der Ausstand sei mit Betriebsbeginn wie geplant angelaufen, sagte der Berliner Verdi-Vertreter Gordon Günther am Donnerstag. Am Morgen blieben Rolltore und -gitter zahlreicher U-Bahnhöfe geschlossen. Am Alexanderplatz war das BVG-Büro hinter dem Gitter verwaist und auch am Hauptbahnhof blieben die Bahnsteige leer. Nur vereinzelt wurden Fahrgäste überrascht, tippten dann eilig auf ihren Smartphones und suchten nach Alternativen.
200 zusätzliche Fahrten der S-Bahn
Viele stiegen auf die S-Bahn um, überfüllte Züge blieben aber aus. Womöglich auch, weil die S-Bahn gerade entlang der parallel zur U5 verlaufenden S5 den Takt erhöht hatte. Nach Angaben eines S-Bahn-Sprechers bietet das Unternehmen rund 200 zusätzliche Fahrten an. Ohnehin biete die S-Bahn seit dem Fahrplanwechsel im Dezember mehr Kapazitäten durch längere Züge und dichtere Takte auf einigen Linien.
Auch auf den Radwegen der Stadt war es am Morgen voll, wobei die Menschen nicht immer aufs eigene Fahrrad, sondern auch auf Leih-Scooter und -E-Bikes setzten. Vom Streik profitierten so auch die Anbieter von Sharing-Angeboten wie Bolt. Im Falle des aktuellen Streiks sehe man, „dass bisher dreimal so viele Fahrten mit E-Scootern und E-Bikes gebucht wurden wie vor einer Woche“, schilderte eine Sprecherin. Durch die frühzeitige Streik-Ankündigung sowie Erfahrungen bei vorherigen Arbeitskämpfen habe sich Bolt auf die Situation vorbereitet und die Flotten- und Servicekapazitäten in der Stadt angepasst, hieß es weiter.
Die Streikenden versammelten sich am Donnerstag gegen 9 Uhr zu einer Kundgebung vor der Zentrale der BVG an der Holzmarktstraße. Die wiederum kritisierte den Streik erneut als „völlig unnötig“. „Zugunsten der bundesweiten Dramaturgie verspielt die Gewerkschaft die Chance auf schnelle und gute Ergebnisse für die Mitarbeitenden – und das auf dem Rücken der Berliner Fahrgäste“, teilte das Unternehmen mit.
Nächste Verhandlungstermine für 11. und 12. März angesetzt
Mit dem laufenden Ausstand will die Gewerkschaft den Druck auf die BVG im laufenden Tarifkonflikt über bessere Arbeitsbedingungen erhöhen. Als Knackpunkt gilt die Forderung nach einer Verlängerung der sogenannten Wendezeiten auf allen Linien. Verdi will diese Zeit zwischen dem Erreichen der Endhaltestelle und der Umkehr in die Gegenrichtung auf zehn Minuten erhöhen. Die BVG hält das jedoch für nicht realistisch und sieht keinen Verhandlungsspielraum.
Die eigentlich für diesen Freitag geplante dritte Verhandlungsrunde hat die BVG mit Verweis auf den Arbeitskampf abgesagt. Das Treffen sollte am Vormittag starten, also noch während des Streiks. Auch nach dessen Ende ist laut BVG noch für mehrere Stunden noch mit Unregelmäßigkeiten im Verkehr zu rechnen. Der nächste reguläre Verhandlungstermin ist für den 11. und 12. März angesetzt.


