Sogar über konkrete Nutzer war schon gesprochen worden. Der Bezirk Mitte wollte auf der Karl-Marx-Allee zwischen Schillingstraße und Alexanderplatz eigentlich sechs Pavillons errichten, um die überbreite Straße zu beleben. Dieser Plan steht in Zusammenhang mit dem Ziel, die einstige sozialistische Prachtmeile als Weltkulturerbe anerkennen zu lassen.

Denn schon zu DDR-Zeiten waren neben den bestehenden Pavillons wie dem Café Moskau weitere Funktionsbauten vorgesehen. Die Heinrich-Böll-Stiftung, das Museum der Dinge und die Neue Gesellschaft für bildende Kunst sollten die neuen Räume bespielen, hieß es schon 2020 auf der Internetseite des Bezirks zur Umgestaltung der Karl-Marx-Allee.

Die Pavillons sollten „dringende Flächenbedarfe für Kunst, Kultur und Bildung“ bedienen

Gut drei Jahre später sind diese Pläne geplatzt. Der Senat hat den Bau der ersten zwei Pavillons von der Agenda genommen. Dabei war vorgesehen, mit den Neubauten „drängende Flächenbedarfe für Kunst, Kultur und Bildung“ zu bedienen und „zwei dauerhafte Standorte in innerstädtischer Lage mit einer langfristig günstigen Miete für kulturelle Zwecke zu sichern und um die Weltkulturerbe-Bewerbung Berlins maßgeblich zu unterstützen“, wie es in einer aktuellen Information der Senatskulturverwaltung an den Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses heißt.

Die Kosten für die beiden Pavillons, für die international renommierte Architekturbüros bereits Pläne gezeichnet hatten, wurden zu Beginn der Debatte 2019 mit jeweils acht Millionen Euro kalkuliert. „Zu diesem Zeitpunkt wurde von einer schnellen Projektdurchführung ausgegangen und entsprechende Jahrestranchen in den Haushalt eingestellt“, schreibt Oliver Friederici, Staatssekretär von Kultursenator Joe Chialo, an die Volksvertreter.

Für zwei Pavillons standen schon mehr als zehn Millionen Euro in mehreren Haushalten

Beabsichtigt war, dass die Kulturverwaltung die Investitionsmittel dem Bezirk Mitte zahlt und der sie an die Wohnungsbaugesellschaft Mitte weiterreicht, der die Flächen gehören und diese als Bauherrin fungieren sollte. Das Land hätte dann die Flächen über 30 Jahre zu einem günstigen Preis angemietet, der verhindern sollte, dass die Subventionen bei der WBM verbleiben würden. Schließlich sollten die Flächen an die ausgesuchten Kulturinstitutionen untervermietet werden.

Von den 10,5 Millionen Euro, die zwischen 2021 und 2023 für das Projekt im Etat standen, wurden aber nur 290.000 Euro für Planungen ausgegeben. Die Verwaltung erklärt das so: Die zeitaufwändige Projektentwicklung und „nachzuholende Versäumnisse bei der Einhaltung der vorgeschriebenen Regelverfahren investiver Landesbaumaßnahmen und verzögerte Planungsabläufe“ hätten zu einem Verzug geführt. 2022 wurde dann das Bedarfsprogramm nochmals geprüft. Die Kosten wären von 16 auf mehr als 19 Millionen Euro gestiegen. Die beiden Pavillons wären wohl erst 2028 fertig geworden, was wohl heißt, dass es nochmals teurer geworden wäre.

Nur ein Bruchteil des bereitstehenden Geldes wurde abgerufen

Bereits im Doppelhaushalt 2022/23 hatte die damalige rot-grün-rote Koalition die Mittel um die Hälfte gekürzt. Aber wieder wurde kein Geld abgerufen. Der neue CDU/SPD-Senat hatte in seinem Haushaltsentwurf für 2024/25 nur noch Planungsmittel von 1,5 Millionen Euro vorgesehen. Im Abgeordnetenhaus wurde dieses Geld dann weitgehend unbemerkt auch noch eingesammelt. „Es ist daher weder eine Weiterführung der Planung noch eine Umsetzung des Projekts möglich“, schlussfolgert Friederici.