Bei der Deutschen Bahn laufen die Tarifverhandlungen bereits, im Januar folgen dann auch die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG): Ab Anfang 2024 verhandelt die Gewerkschaft Verdi mit der BVG sowie deren Tochtergesellschaft Berlin Transport über bessere Arbeitsbedingungen für die rund 16.000 Beschäftigten. Für die Berlinerinnen und Berliner heißt das, dass ab diesem Zeitpunkt auch Warnstreiks bei U- und Straßenbahnen sowie Bussen drohen – im schlimmsten Fall gleichzeitig mit Einschränkungen bei S- und Regionalbahn, sofern es nicht vorher zu einer Einigung zwischen der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) und der Deutschen Bahn kommt. Parallele Streiks könne er nicht ausschließen, sagte Jeremy Arndt, Verdi-Fachbereichsleiter für den Bereich Verkehr in Berlin-Brandenburg, am Dienstag. „Wir sind aber nicht in Gesprächen mit der GDL, um da irgendetwas zu synchronisieren. Wir konzentrieren uns auf unsere eigene Tarifrunde.“

Am Dienstag haben Verdi-Vertreter ihre Forderungen für den neuen Tarifvertrag in Berlin an die BVG übergeben. Ab 24. Januar 2024 soll verhandelt werden. Arndt betonte, dass es um eine Entlastung der Mitarbeitenden gehe. Alles, was den Fahrdienst unmittelbar betreffe, werde Bestandteil der Tarifrunde sein. „Das bedeutet, wir müssen zum Beispiel die Ruhezeiten verlängern, wir brauchen mehr Tage Urlaub und wir müssen uns die Pausenzeiten angucken“, so Arndt.

Verdi fordert mehr Urlaub, Urlaubsgeld und höhere Zulagen

Konkret fordert Verdi beispielsweise 33 Tage Urlaub für alle Beschäftigten sowie 500 Euro Urlaubsgeld im Jahr. Bislang variiert die Zahl der Urlaubstage, abhängig von der Dauer der Betriebszugehörigkeit, zwischen 28 und 30 Tagen. Ein Urlaubsgeld wird noch nicht gezahlt. Ruhezeiten im Fahrdienst sollen von bisher elf auf zwölf Stunden erhöht werden, dazu soll auch ein Urlaubstag pro 100 Nachtarbeitsstunden gewährt werden, insgesamt bis zu sechs. Außerdem werden höhere Zulagen gefordert: Bei geteilten Diensten sollen es 20 Euro sein, an Sonn- und Feiertagen 30 Euro.

Arndt betonte, Verdi gehe mit „sehr hohen Erwartungen“ an die Tarifverhandlungen. Die BVG habe bereits ein „massives Problem“, weil Arbeitskräfte fehlen. Der Personalmangel im Busbereich führt etwa dazu, dass der Fahrplan ab 10. Dezember weiter gekürzt werden muss. Insgesamt finden dann sechs Prozent weniger Fahrten statt als eigentlich vorgesehen. „Um diesem Problem Herr zu werden, müssen wir bei den Arbeitsbedingungen etwas tun“, so der Gewerkschafter.

Forderungen machen auch mehr Personal bei der BVG nötig

Klar ist aber auch, dass mehr Urlaubstage oder verlängerte Ruhezeiten zur Folge haben, dass noch mehr Personal bei der BVG benötigt wird, um den Fahrplan zu leisten. Jeremy Arndt setzt dafür auf den Effekt, dass das Verkehrsunternehmen attraktiver für Arbeitnehmer wird. „Wir wollen über die Verbesserung der Arbeitsbedingungen erreichen, dass sich viel mehr Kolleginnen und Kollegen bei der BVG bewerben“, erklärte er. „Wenn wir die Arbeitsbedingungen nicht verändern, wird das nur dazu führen, dass noch mehr Kolleginnen und Kollegen das Unternehmen verlassen und den derzeitigen Ist-Zustand noch schlimmer machen.“

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Die BVG kämpft seit geraumer Zeit mit einem massiven Fahrermangel und versucht dagegenzusteuern. Allerdings hat sie dabei mit einem neuen Phänomen zu kämpfen: Viele neu eingestellte Mitarbeiter hören nach einem oder zwei Jahren wieder auf und wechseln in einen anderen Betrieb – oder den Beruf. Im vergangenen Jahr stellte sie 400 neue Fahrer ein, in diesem Jahr rund 600 und im kommenden sollen es über 900 sein. Insgesamt sollen in den kommenden fünf Jahren 10.000 neue Mitarbeiter gewonnen werden.

BVG setzt auf flexiblere Arbeitszeitmodelle

In den anstehenden Verhandlungen setzt das Unternehmen daher vor allem auf Verbesserungen, die den Personalbedarf nicht weiter erhöhen. Dazu könnte die Flexibilisierung der Gehaltseinstufung neuer Mitarbeiter gehören – die dann mit einem höheren Anfangsgehalt rechnen könnten. Auch die Höhergruppierung in andere Erfahrungsstufen könnte schneller als bislang erfolgen. Bei den Arbeitszeitmodellen gibt es bereits Bewegung. Ab dem 1. Juli kommenden Jahres wird es sieben unterschiedliche Modelle geben, deutlich mehr als bislang.

Im kommenden Jahr wird allerdings nicht nur über den neuen Manteltarifvertrag für die BVG verhandelt. Bundesweit laufen parallel die Verhandlungen für den Tarifvertrag Nahverkehr. In Brandenburg fallen gilt dieser etwa für 15 Verkehrsunternehmen mit 3500 Beschäftigten. „Die Probleme, mit denen wir hier in Berlin zu kämpfen haben, das sind Probleme, die haben alle Nahverkehrsunternehmen bundesweit“, so Arndt. Die Verkehrswende werde oft mit Dekarbonisierung verbunden, es brauche aber auch das Personal, dass die Fahrzeuge bewege. Bei dem Thema brenne es „an allen Ecken und Enden“.