Das Interesse am Musical der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) war groß: Innerhalb von rund 24 Stunden waren die etwa 2600 verfügbaren Tickets ausverkauft; am Montagabend, kurz vor der Premiere im Admiralspalast, suchten Menschen mit Schildern nach Karten für die Aufführung. Unter dem Titel „Tarifzone Liebe – die Gefühle fahren Straßenbahn“ erzählte das Musical eine Liebesgeschichte. Im Vorhinein wurde eine „kultig-kitschige Romanze mit großem Augenzwinkern, unerwarteten Wendungen und originellen Charakteren“ angekündigt. Tatsächlich hat die BVG ein aufwendiges, unterhaltsames Stück kreiert, das vom Publikum im Admiralspalast mit Standing Ovations gefeiert wurde.
Protagonisten des BVG-Musicals sind die Straßenbahn Tramara – dargestellt von der Schweizer Schauspielerin Jeannine Wacker – und Fahrgast Alexander, gespielt von Jendrik Sigwart, der Deutschland 2021 beim Eurovision Songcontest vertrat, zwischen denen sich die Liebesgeschichte entwickelt. Aber auch die Bahn „U-Laf“ und der Bus „Bus-tav“ sind Teil des Stücks – deren Namen bereits erahnen lassen, dass während der einstündigen Aufführung kaum ein Wortspiel ausgelassen wird. Positiv fallen die kreativen Kostüme auf, Hauptdarstellerin Wacker verleiht dem Stück durch ihren Auftritt auf Inlineskates einen Hauch von „Starlight Express“.
BVG-Musical soll für respektvolles Miteinander werben
Die Aufführung im Admiralspalast wie auch der Livestream auf Youtube sind professionell gestaltet; das gilt auch für die Lichteffekte, das Bühnenbild und die Musik. Neun Lieder – zwischen Techno, Rap und typischen Musicalsongs – wurden extra getextet und komponiert, die Vorbereitungen gingen über Monate. Dazu waren an der Produktion erfahrene Musical-Größen beteiligt, etwa Regisseur Christoph Drewitz, der unter anderem die Stücke „Ku’damm 56“ und „Romeo und Julia“ in Berlin inszenierte sowie Drehbuchautor Tom van Hasselt.

Als Erklärung für die Inszenierung eines eigenen Musicals führte die BVG auf, noch mehr Menschen vom öffentlichen Nahverkehr überzeugen zu wollen. Dazu wolle man sich mit der Geschichte für ein respektvolles und offenes Miteinander aussprechen, denn: „Der Ton in Berlin ist deutlich rauer geworden in den letzten Jahren“, sagte Christine Wolburg, Leiterin Vertrieb und Marketing bei der BVG, auf der Bühne, kurz vor Beginn der Premiere. „Das Musical ist eine Hommage an diese Stadt und die Menschen, die hier leben.“ In Berlin leben, heiße auch, das Gute ineinander zu sehen, so Wolburg.
Mehr als 3000 Menschen verfolgen BVG-Musical im Livestream
Also geht es auch in dem Musical nicht nur um die Beziehung zwischen Tramara und Alexander, die Darsteller singen – als es auf einmal keinen öffentlichen Nahverkehr mehr in Berlin gibt – auch: „Die Stadt steht still, denn sie will ein bisschen Liebe.“ Und am Ende setzt sich die Liebe dann natürlich durch.
Das Musical ist aber nicht nur ernsthaft, sondern bringt die Zuschauer an vielen Stellen zum Lachen, auch weil einem als BVG-Fahrgast einiges bekannt vorkommt, etwa die thematisierten „Verzögerungen im Betriebsablauf“ oder die Charaktere, die einem so ähnlich wirklich in Berlin begegnen könnten. Manches ist etwas überdreht, Wortwitze werden bis ans Limit ausgereizt – hier schließt das Stück nahtlos an andere Kampagnen der BVG an. Auch der angekündigte Kitsch fehlt nicht, dafür bleiben die Lieder im Gedächtnis. Und das Publikum im Saal sowie, den Kommentaren nach zu urteilen, die Mehrheit der über 3000 Zuschauenden im Livestream hat die Show überzeugt.
Wer die Premiere verpasst hat, kann das Musical auf dem Youtube-Kanal der BVG auch noch nachträglich ansehen. Die Songs sind außerdem auf der Plattform Spotify verfügbar.



