Bombensprengung

Bombe in Berlin-Moabit gesprengt: So lief der Großeinsatz

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Nach der Sprengung einer Weltkriegsbombe in Moabit können 9000 Menschen zurück in ihre Wohnungen. Ärger gab es bei der S-Bahn.

Berlin.  Es war wenige Minuten nach 15 Uhr am Montagnachmittag als ein dumpfer Knall zu hören war. Windböen des herannahenden Tiefdruckgebiets, das in den kommenden Tagen Herbstwetter in die Stadt bringen wird, hatten die Signaltöne und die Sprengung einer Weltkriegsbombe in Moabit kaum hörbar gemacht. Erst als die Durchsage per Funkgerät die Beamtinnen und Beamten am Sperrkreis auf der Sickingenbrücke erreichte, wurde Entwarnung gegeben. „Die Bombe wurde erfolgreich gesprengt“, sagte ein Polizeisprecher.

Die amerikanische Weltkriegsbombe, die am Anfang der vergangenen Woche bei Bauarbeiten auf dem Gelände von Siemens Energy an der Sickingenstraße gefunden wurde, wurde kontrolliert gesprengt. Weil der 50 Kilogramm schwere Sprengkörper deformiert und Zünder beschädigt waren, konnte sie nicht abtransportiert werden. Sie musste vor Ort gesprengt werden.

Nach der Sprengung durchsuchten die Spezialisten des Landeskriminalamtes noch den Bombenkrater und das Erdreich und gaben schließlich gegen 16 Uhr Entwarnung. Der ab 8 Uhr eingerichtete Sperrkreis wurde aufgehoben und auch die S-Bahn nahm den Verkehr wieder auf. Dieser war seit kurz nach 11 Uhr auf dem nördlichen S-Bahn-Ring (S41/S42) unterbrochen. Früher als ursprünglich geplant konnten die Menschen wieder zurück in ihre Wohnungen. Etwa 270 Polizistinnen und Polizisten, Mitglieder der Feuerwehr und von Hilfsdiensten waren im Einsatz. Die Feuerwehr brachte hilfebedürftige Personen in die Sammelunterkünfte und füllte die Säcke mit Wasser, die später auf die Bombe gelegt wurden.

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Bombensprengung in Berlin-Moabit: 9000 Menschen mussten den Sperrkreis verlassen

Die Aktion setzte zuvor eine große Organisierungsmaschinerie in Gang, schließlich mussten in dem Sperrkreis mit einem Radius von etwa 500 Metern um den Fundort ungefähr 9000 Menschen evakuiert werden – darunter auch mehrere Kitas, ein Seniorenwohnheim, zahlreiche Gewerbe und das Jobcenter Berlin. Die Absperrung verlief im Westen vom Neuen Ufer, im Osten an der Beusselstraße und im Süden entlang des Gewerbegebietes Kaiserin-Augusta-Straße sowie im Norden durch den Großmarkt.

Angefangen mit dem Großmarkt, dessen Einfahrt um 6 Uhr von der Polizei gesperrt wurde, wurden ab 8 Uhr alle Anwohner per Lautsprecher aufgefordert, ihre Wohnungen zu verlassen. „Eine Evakuierung in dieser Größenordnung dauert in der Regel drei bis vier Stunden“, sagte ein Sprecher der Polizei vorab. Und er sollte recht behalten: Gegen 12 Uhr war man sich sicher, dass sich niemand mehr in Gebäuden befindet, die Sprengung konnte eingeleitet werden.

S-Bahn-Fahrgäste reagierten gereizt auf Sperrung

Während es innerhalb des Sperrkreises sehr ruhig zuging, war es am S-Bahnhof Beusselstraße umso lauter. Ab 11 Uhr fuhr die S42 nur noch bis zur Haltestelle Beusselstraße, und dann wieder zurück nach Westend. Viele Fahrgäste wussten nichts von der Sperrung, waren verzweifelt, teils wütend, kaum einer hatte Verständnis.

Ein Mitarbeiter der DB Sicherheit bekam den Frust ab. „Das prallt aber mittlerweile ab.“ Er lächelte kurz, ließ sich seine gute Laune nicht verderben und half mit einer Kollegin jedem, doch noch das gewünschte Ziel zu erreichen. Nicht immer einfach. „Viele sprechen kein Deutsch. Wie soll ich erklären, dass sie zweimal umsteigen müssen?“, sagte der Mann von der DB Sicherheit. Allen anderen rief er entgegen: „Alle, die nach Westend müssen, fahren wieder zurück und einmal rum.“ Das dauerte ungefähr eine Stunde.

Sammelunterkunft im SOS-Kinderdorf

Währenddessen saßen einige Anwohner schon in der nahe gelegenen Notunterkunft in der Waldstraße. Alle, die nicht ohnehin im Büro arbeiten mussten oder bei Familienmitgliedern oder Freunden unterkommen konnten, konnten im SOS-Kinderdorf die Zeit überbrücken – Busse hatten die Anwohner dorthin gebracht.

Regina Winkler nutzte dieses Angebot mit circa 80 weiteren Erwachsenen und fünfzehn Kindern. Die 65-Jährige nahm die Situation gelassen: „Man muss ja alles mal im Leben mitgemacht haben. Und jetzt habe ich wieder was zu erzählen“. Auch wenn die Sammelstelle etwas eng sei, für Alleinstehende sei sie super. Man würde schnell neue Menschen kennenlernen. Bei Sonnenschein tauscht sich Regina Winkler mit Nachbarn aus.

Ersatzunterkunft auch in einer Turnhalle

Das Bezirksamt Mitte und das Deutsche Rote Kreuz betreuten die Menschen, es gab Frühstück, Mittagessen und Getränke. Bevor sie in das Gebäude durften, wurden sie auf das Coronavirus getestet und registriert. „Hier dürfen sich nur 199 Menschen aufhalten. Ist diese Grenze erreicht, werden weitere Menschen in eine Turnhalle an der Turmstraße untergebracht“, sagte Ingo Zühlke vom Amt für Soziales und Einsatzleiter für die Notunterkunft.