Umfrage

Franziska Giffey verliert massiv an Zustimmung

| Lesedauer: 9 Minuten
Joachim Fahrun
In der Umfrage von Infratest dimap ist der Anteil derjenigen, die mit der Arbeit von Franziska Giffey zufrieden sind, im Vergleich zur letzten Ausgabe im März massiv gesunken.

In der Umfrage von Infratest dimap ist der Anteil derjenigen, die mit der Arbeit von Franziska Giffey zufrieden sind, im Vergleich zur letzten Ausgabe im März massiv gesunken.

Foto: Michael Kappeler/dpa/Archivbild

Bei Jungen kam die Regierende Bürgermeisterin noch nie gut an, jetzt büßte sie im Berlin Trend bei Frauen und Älteren Sympathien ein.

Berlin. 
  • Nur 31 Prozent der Befragten einer aktuellen Umfrage sind mit der Arbeit von Franziska Giffey zufrieden.
  • Die Berliner SPD kommt in der Sonntagsfrage nur noch auf 17 Prozent.
  • Wäre am Sonntag Wahl zum Abgeordnetenhaus, könnten die Grünen mit ihrer Spitzenfrau und Verkehrssenatorin Bettina Jarasch ins Rote Rathaus einziehen.
  • Noch nie war das Ansehen der Berliner Landesregierung niedriger als derzeit.

Berlin. Die Sozialdemokratin Franziska Giffey war zu den Wahlen im September 2021 angetreten, um als Regierende Bürgermeisterin in der Hauptstadt eine Identifikationsfigur zu werden, wie es etwa ihre Parteifreundin Malu Dreyer in Rheinland-Pfalz ist. Nach einem Jahr im Roten Rathaus zeigen die Zahlen des neuen Berlin Trends der Berliner Morgenpost und der RBB-Abendschau, dass dieses Ziel für die 44-Jährige weiter entfernt ist denn je.

In der Umfrage von Infratest dimap ist der Anteil derjenigen, die mit Giffeys Arbeit zufrieden sind, im Vergleich zur letzten Ausgabe im März massiv gesunken. Mit 31 Prozent ist nur noch ein knappes Drittel zufrieden oder sehr zufrieden mit der früheren Bundesfamilienministerin, die die Koalition aus SPD, Grünen und Linken anführt. Vor einem halben Jahr waren es noch 39 Prozent. Auch das waren schon weniger als kurz vor den Wahlen im September letzten Jahres.

Berlin Trend: SPD kommt auf 17 Prozent, die Grünen auf 22, die CDU auf 21 Prozent

Giffeys negativer Lauf bei den persönlichen Werten geht einher mit der Schwäche ihrer Partei. Berlins SPD kommt nach Verlusten von drei Punkten nur noch auf 17 Prozent. Bei den Wahlen 2021 hatte Giffey ihre SPD noch mit 21,4 Prozent knapp vor den Grünen auf Platz eins geführt. Vorne liegen derzeit nach Zugewinn von jeweils einem Punkt die Grünen mit 22 Prozent und die CDU mit 21 Prozent.

Nach der SPD folgt die Linke mit trotz der internen Turbulenzen um die Haltung zu Russland und den Sanktionen unverändert zwölf Prozent. Die AfD legt um zwei Punkte zu auf zehn Prozent. Die FDP verliert zwei Punkte und läuft bei sechs Prozent ein. Die anderen Parteien kommen zusammen auf zwölf Prozent (plus eins).

Infratest dimap befragte für den repräsentativen Berlin Trend zwischen dem 13. und 17. September 1173 Wahlberechtigte online und am Telefon.

Wenn am Sonntag Wahl zum Abgeordnetenhaus wäre, könnten die Grünen mit ihrer Spitzenfrau und Verkehrssenatorin Bettina Jarasch demnach ins Rote Rathaus einziehen. Ein Bündnis mit SPD und Linken könnte eine knappe Mehrheit behaupten. Aber auch für eine Regierung aus Grünen, CDU und FDP würde es reichen.

Giffey kann mit ihren persönlichen Werten den Abwärtstrend der SPD nicht stoppen

Die SPD, belastet durch den negativen Bundestrend, müsste bei möglichen Neuwahlen in Folge des Wahlchaos vom vergangenen September um die Spitzenposition fürchten. Franziska Giffey ist bislang nicht in der Lage, die Schwäche ihrer Partei durch persönliche Beliebtheit zu kompensieren.

Bei den jungen Berlinern konnte die einstige Bezirksbürgermeisterin von Neukölln, die in Rudow ihren Wahlkreis zum Abgeordnetenhaus direkt gewonnen hatte, von jeher kaum punkten. Daran hat sich nichts geändert: Nach wie vor sehen sie nur ein Viertel der Befragten zwischen 18 und 34 Jahren positiv. Gleichzeitig verlor Giffey aber deutlich Sympathien in anderen Bevölkerungsgruppen. Bei den 50- bis 64-Jährigen gab es ein Minus von elf Punkten. Nur noch 29 Prozent sind mit ihr zufrieden oder sehr zufrieden.

Unter den Menschen über 65 genießt die SPD-Landesvorsitzende zwar noch mehr Rückhalt, 43 Prozent bewerten ihre Arbeit positiv. Aber auch unter ihren treuesten Wählerinnen und Wählern sackten Giffeys persönliche Werte um zehn Punkte ab. Ebenso stark sanken die Zustimmungswerte für die seit Jahrzehnten erste Regierende Bürgermeisterin der Stadt bei den Frauen. Auch weniger gebildete Befragte mit Haupt- oder mittlerem Schulabschluss sehen die Sozialdemokratin deutlich kritischer als vor einem halben Jahr.

Nur SPD-Anhänger sehen Giffey überwiegend positiv: Zwei Drittel sind mit ihr zufrieden

Stützen kann sich Franziska Giffey noch auf die Anhänger der SPD. Zwei Drittel (67 Prozent) sind mit ihr zufrieden, die Werte haben kaum nachgegeben im Vergleich zum März. Aber weil die Gruppe ihrer Unterstützer eben kleiner geworden ist, fällt das insgesamt weniger ins Gewicht.

Deutlich an Ansehen verloren hat die Senatschefin im Lager der Grünen. Im März war noch fast jeder zweite Sympathisant der Öko-Partei mit Giffeys Arbeit zufrieden. Nach Verlusten von neun Punkten ist es aktuell mit 38 Prozent nur noch etwas mehr als jeder Dritte.

Auch die Unterstützer des zweiten Koalitionspartners von den Linken haben keine gute Meinung von der Spitzenfrau des Regierungsbündnisses. Nur 26 Prozent stellen ihr eine gute Note aus. Damit ist das ohnehin niedrige Niveau der Unterstützung für Giffey im Lager des Koalitionspartners abermals um drei Punkte abgesackt. Unter Sympathisanten der CDU wird Giffey persönlich mit 34 Prozent sogar besser eingeschätzt als unter Linken-Anhängern.

Giffey ist die am wenigsten beliebte Regierungschefin in den deutschen Bundesländern

Mit ihren Zufriedenheitswerten von nur noch 31 Prozent ist Giffey die am wenigsten beliebte Regierungschefin in den deutschen Bundesländern. Ihre Werte liegen noch unter jenen ihres ebenfalls nicht besonders hoch eingeschätzten Vorgängers Michael Müller. Hoch angesehene Ministerpräsidenten wie der CDU-Mann Daniel Günther aus Schleswig-Holstein kommen in Umfragen von Infratest dimap auf Zustimmungswerte von 75 Prozent. Der Bremer Sozialdemokrat Andreas Bovenschulte erreichte zuletzt 72 Prozent, Malu Dreyer aus Rheinland-Pfalz 66 Prozent. Der einzige Regierungschef, der ebenso schlecht abschneidet wie Franziska Giffey ist auch ein Sozialdemokrat. Mit der Arbeit von Bundeskanzler Olaf Scholz waren im aktuellen Deutschlandtrend des Instituts für die ARD nur 35 Prozent der Befragten zufrieden.

Die Berliner sehen traditionell ihre Regierenden kritischer als die Bürger in anderen Bundesländern. Die anderen Mitglieder des Senats können den Abfall der Regierungschefin nicht kompensieren. In der Folge sind auch mit der Arbeit des Senats insgesamt nur weniger als ein Drittel (31 Prozent) der Befragten zufrieden oder sehr zufrieden, der gleiche Wert wie für Giffey persönlich. 64 Prozent sagten, sie seien weniger oder gar nicht zufrieden mit dem Senat.

Der Berliner Senat insgesamt hat vor allem bei Älteren massiv an Vertrauen verloren

Mit keiner Landesregierung in Deutschland sind die jeweiligen Bürger weniger zufrieden als die Berliner mit ihrem Senat, nur die Ampel-Bundesregierung bekommt eine ebenso schlechte Note.

Noch nie war das Ansehen der Berliner Landesregierung niedriger als derzeit. Noch im März lag der Wert mit 39 Prozent deutlich höher als jetzt. Seit 2001 kamen die Senate jedweder Couleur stets auf Zufriedenheitswerte von 40 Prozent oder knapp darunter.

Vor allem die älteren Berliner sind vom Senat enttäuscht. In den Altersgruppen über 50 ist die Zufriedenheit massiv gesunken. Nur noch gut jeder vierte Befragte bewertet den Senat positiv. Unter den Menschen über 65 brach der Wert um 14 Punkte ein. Auch die weniger gebildeten Befragten mit Haupt- oder mittlerem Schulabschluss haben vertrauen in das Regierungsteam um Giffey verloren.

Betrachtet man die politischen Präferenzen, fallen erhebliche Unterschiede auf. Dass Freunde der Oppositionspartei CDU den rot-grün-roten Senat kritisch einschätzen, überrascht kaum. Aber ein Minus von 15 Punkten ist schon signifikant. Bemerkenswert ist, dass der Abfall unter Anhängern der Linkspartei noch drastischer ausfällt. Nur noch 31 Prozent in dieser Gruppe sind zufrieden mit dem Senat, dem Politiker ihrer Partei angehören. Im März waren es noch fast jeder zweite Linken-Wähler. Im Lager der SPD sank die Zufriedenheit mit dem Senat um sechs Punkte auf 58 Prozent, 38 Prozent sind unzufrieden. Allein die Anhänger der Grünen sehen den Senat derzeit positiver als vor einem halben Jahr. Der Wert stieg seit März um vier Punkte auf nun 61 Prozent.