Berlin Trend

Berliner wollen mehr Klimaschutz

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Joachim Fahrun
 58 Prozent der Befragten sagten im Berlin Trend der Berliner Morgenpost und der RBB-„Abendschau“, sie unterstützten stark oder sehr stark das Ziel, in 24 Jahren so gut wie keine Treibhausgase mehr durch Industrie, Verkehr, Wohnen und Energieerzeugung auszustoßen.

58 Prozent der Befragten sagten im Berlin Trend der Berliner Morgenpost und der RBB-„Abendschau“, sie unterstützten stark oder sehr stark das Ziel, in 24 Jahren so gut wie keine Treibhausgase mehr durch Industrie, Verkehr, Wohnen und Energieerzeugung auszustoßen.

Foto: Michael Kappeler / dpa

Berlin Trend: Vor allem Jüngere fordern die Nutzung alternativer Energien. Fahrverbote in der Innenstadt sind umstritten.

Berlin. Die Berlinerinnen und Berliner stehen in der Mehrheit hinter den Plänen von Senat und Abgeordnetenhaus, die Stadt bis zum Jahr 2045 klimaneutral zu machen. 58 Prozent der Befragten sagten im Berlin Trend der Berliner Morgenpost und der RBB-„Abendschau“, sie unterstützten stark oder sehr stark das Ziel, in 24 Jahren so gut wie keine Treibhausgase mehr durch Industrie, Verkehr, Wohnen und Energieerzeugung auszustoßen. 23 Prozent gaben an, das Thema sei ihnen weniger wichtig. 14 Prozent wollen gar nichts für den Klimaschutz tun.

Es sind die jüngeren Menschen, die besonders stark auf ein fossilfreies Leben und Wirtschaften dringen. In der Altersgruppe der 18- bis 39-Jährigen unterstützen zwei Drittel der Wahlberechtigten das in Berlin und ganz Deutschland geltende Zieljahr stark oder sehr stark. Aber auch in dieser Generation will jeder Dritte nichts vom Klimaschutz wissen.

In der ,mittleren“ Altersgruppe der 40- bis 64-Jährigen unterstützen die Klimaschutzziele zu 55, die Älteren über 65 zu 57 Prozent. Frauen (60 Prozent) sind etwas stärker dafür als Männer (57 Prozent). Die besser gebildeten Menschen sind zu 70 Prozent für eine konsequente Klimapolitik, Personen mit Hauptschulabschluss zu 53 Prozent. Nur unter Berlinern mit einem mittleren Schulabschluss sind mit 47 zu 46 Prozent diejenigen in der Mehrheit, die eine Reduktion von Treibhausgasen für nicht so wichtig halten.

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Klimaschutz in Berlin: 93 Prozent der Grünen-Anhänger sind dafür

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Sortiert nach politischen Präferenzen findet der Klimaschutz vor allem unter Anhängern der Grünen (93 Prozent) und Linken (86 Prozent) die meiste Zustimmung. Schon im Lager der SPD findet sich mit 39 Prozent eine starke Minderheit, für die das Klimathema nur eine geringe oder keine Bedeutung hat. Aber 58 Prozent der SPD-Wähler halten das 2045-Ziel für wichtig.

Befragte, die es mit der CDU halten, sind zu 52 Prozent am Klimaschutz interessiert, 46 Prozent sind das weniger oder gar nicht. Unter FDP-Anhängern ist die Mehrheit von 55 Prozent nicht oder nur wenig an einer Reduktion der Treibhausgase interessiert. In den Reihen der AfD-Unterstützer steigt dieser Anteil auf 77 Prozent an. Wähler der anderen Parteien, die im Berlin Trend immerhin zehn Prozent zusammenbringen, unterstützen mehrheitlich (52 Prozent) stark oder sehr stark am Kampf gegen die Erderwärmung auch in Berlin.

Nur 41 Prozent sehen eine „Zero Emission Zone“ positiv

Während also im Grundsatz eine Mehrheit in Berlin das Klimaschutzziel unterstützt, sieht es bei einer derzeit diskutierten konkreten Maßnahme anders aus. Die vor allem von den Grünen vorgetragene und im Grundsatz vom rot-rot-grünen Senat unterstützte Forderung, in rund zehn Jahren Fahrzeugen mit klimaschädlichem Verbrennungsmotoren die Zufahrt in die Innenstadt zu verwehren, wird von einer Mehrheit von 55 Prozent weniger oder gar nicht unterstützt.

41 Prozent gaben an, die Idee einer so genannte „Zero Emission Zone“ positiv zu sehen. Auch die sonst so klima-schutzaffinen jungen Menschen halten mehrheitlich wenig davon, Benzin- und Dieselfahrzeuge aus dem Raum innerhalb des Innenstadtrings auszusperren, auch wenn die Unterstützung mit 47 Prozent bei 50 Prozent Ablehnung stärker ausfällt als im Durchschnitt aller Befragten. Besonders vehement sind mit 61 Prozent Personen aus der mittleren Altersgruppe (40 bis 64 Jahre) dagegen.

Männer fänden das Aus für die Verbrenner mit 61 Prozent deutlich schlimmer als Frauen (50 Prozent). Eine hauchdünne Mehrheit von 49 zu 48 Prozent hat die emissionsfreie Zone nur unter den besser gebildeten Befragten mit mindestens Abitur.

Weite Teile der Linken-Wählerschaft zeigen sich ökologisch bewegt

Politisch gesehen versammelt sich hinter dem Plan vor allem die Anhängerschaft der Grünen. 83 Prozent unterstützen die Idee stark oder sehr stark, nur 15 Prozent dieser Gruppe hält das Stopp-Schild für Verbrennungsmotoren für weniger wichtig. Auch im Lager der Linken ist das Bild eindeutig. 64 Prozent sehen die Idee positiv, wobei 40 Prozent das Verbrennerverbot sogar sehr stark unterstützen, das sind fast so viele wie bei den Grünen (45 Prozent). Weite Teile der Linken-Wählerschaft ist also inzwischen stark ökologisch bewegt. Aber für ein Drittel gilt das nicht, 35 Prozent der Linken-Anhänger sind nicht für eine Fahrverbotszone für Diesel und Benziner.

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Unter den Wählerinnen und Wählern der SPD gibt es viele Anhänger, elf Prozent unterstützen das Konzept sehr stark, 34 Prozent stark. Aber eine Mehrheit von 53 Prozent derjenigen, die für die SPD stimmen wollen, hält weniger oder gar nichts von der Absicht, nur noch Autos mit sauberen Antrieben in die Stadt hineinzulassen.

Anhänger der Opposition gegen abgasfreie City

Wer die derzeitige Opposition in Berlin unterstützt, ist in der Mehrheit noch klarer in seiner Ablehnung. Bei der CDU sind 56 Prozent total und weitere 19 Prozent eher dagegen. Nur jeder fünfte CDU-Anhänger (22 Prozent) unterstützt eine abgasfreie Innenstadt. Bei der FDP sieht das Bild fast genauso aus wie im Lager der Union.

Fast keine Unterstützer hat die Zero Emission Zone unter AfD-Sympathisanten. 85 Prozent dieser Gruppe halten wenig oder nichts von dem Plan, der Autokäufer animieren soll, sich bei der Anschaffung des nächsten Fahrzeugs für einen Elektrowagen oder einen anderen sauberen Antrieb zu entscheiden.

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