Am Ende ging alles ganz schnell. „Jetzt wird es ein wenig kalt“, sagte Fatmir Dalladaku. Der Arzt desinfizierte zunächst den Oberarm von Gertrud Haase. Dann setzte Dalladaku zur Impfung an. Wenige Sekunden später war es auch schon vorbei. Haase, die 101-jährige Bewohnerin des Pflegeheims Agaplesion Bethanien in Steglitz war am Sonntag die erste Berlinerin, die gegen das Virus geimpft wurde. „Ich habe den Pieks gar nicht gemerkt. Ganz toll“, sagte Haase, die seit 2011 in dem Heim lebt. Allerdings sei sie in den Tagen zuvor sehr nervös gewesen. Sie habe gehört und gelesen, dass es viele Tote in anderen Heimen durch das gefährliche Virus gegeben habe. Deshalb sei die Impfung ein großer Vorteil, so die Seniorin. Sie gehe jeden Tag spazieren und werde das auch am Sonntag nach der Impfung machen. Die zweite Dosis des Impfstoffs, die dann erst die volle Immunität entfaltet, soll sie Mitte Januar erhalten.
Für den Start hat Berlin nach Angaben der Gesundheitsverwaltung zunächst 9750 Impfdosen erhalten. Der tiefgekühlte Stoff war am Sonnabend eingetroffen. Weitere 19.500 Dosen sollen am heutigen Montag zur Verfügung stehen, zwei Tage später erwartet die Verwaltung 29.250 zusätzliche Impfeinheiten. 93 Prozent der Bewohner des Steglitzer Altenheims haben sich wie Gertrud Haase bereit erklärt, sich gegen das Virus impfen zu lassen. Mannschaftswagen der Polizei standen vor der Einrichtung, um Schaulustige abzuhalten. Das mobile Impf-Team war um 7.45 Uhr in einem Transporter vorgefahren. Am Steuer saß ein Bundeswehrsoldat. Das Impfteam versorgte am Vormittag dann die weiteren Bewohner des Heims.
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60 mobile Impfteams fahren die Plegeheime in der Stadt an
Zuerst werden berlinweit Bewohner von Pflegeheimen geimpft werden. Sie gelten als besonders gefährdete Gruppe. Insgesamt 60 mobile Impfteams sollen dazu im Einsatz sein und die Pflegeheime in der ganzen Stadt anfahren – wenn ausreichend Impfstoff zur Verfügung steht. Pro Team und Tag sind 50 Impfungen geplant. Die Gesundheitssenatorin rechnet damit, dass die Impfungen für Bewohner in den Pflegeheimen bis Anfang Februar dauern werden, für das Pflegepersonal bis Mitte Februar. Verabreicht werden müssen jeweils zwei Dosen. Rund 29 000 Menschen leben aktuell in Berlin in Pflegeheimen.

Am Nachmittag öffnete dann auch das erste Impfzentrum in der Arena in Treptow. Es ist mit 80 Impfkabinen das größte der sechs geplanten Zentren in Berlin. Schnell bildete sich eine lange Schlange mit wartenden Pflegekräften, die die ersten Einladungen erhalten hatten. 800 bis 900 Pflegekräfte sollen hier zunächst täglich geimpft werden, sagte Berlins Präsident des Roten Kreuzes, Mario Czaja „Wir können die Kapazität auf täglich 2500 bis 3000 erhöhen“, so Czaja weiter, der zwischen 2011 und 2016 selbst Berliner Gesundheitssenator war. Das Rote Kreuz betreibt das Impfzentrum in Treptow. 25 ehrenamtliche Mitarbeiter halfen am ersten Tag, die Pflegekräfte zu empfangen und zu betreuen. Dazu kamen 70 Bundeswehrsoldaten und 15 Ärzte.

Kalayci: "Das ist ein großer Tag für Berlin"
„Das ist ein großer Tag für Berlin“, sagte Kalayci. „Nach dem Pflegepersonal sollen zügig die über 80-Jährigen und das Personal in den Krankenhäusern eingeladen werden.“ Das soll in den kommenden Tagen und Wochen per Post geschehen. Noch nicht geklärt ist allerdings, wie ältere Menschen, die nicht mehr mobil sind, aber noch zu Hause wohnen, zu den Zentren gelangen sollen. Ein Fahrdienst ist bislang nicht vorgesehen. Im Lauf des neuen Jahres sollen die Impfungen dann auch von den Hausärzten vorgenommen werden.
Insgesamt arbeiten der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) zufolge in Berlin bis zum 30. Dezember täglich 90 Ärztinnen und Ärzte in den mobilen Impfteams und im Treptower Impfzentrum. Bis Mitte Januar sind die Dienstpläne besetzt. „Wir sind unter den Ärzten auf eine große Welle der Hilfsbereitschaft gestoßen“, sagte Berlins stellvertretender KV-Chef, Burkhard Ruppert. Wann genau und in welcher Reihenfolge die übrigen fünf Impfzentren starten, ist noch nicht klar. Das hänge von der Anzahl zur Verfügung stehender Impfdosen ab, sagte Kalayci.
Regierender Bürgermeister zu Impfstart: Licht am Ende des Tunnels
Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) begrüßte den Start der Impfungen. "Das ist ein Licht am Ende des Tunnels nach diesem schweren Jahr der Corona-Pandemie", sagte Müller laut Mitteilung am Sonntag. Dass die Wissenschaft schon nach knapp einem Jahr einen Impfstoff entwickeln konnte, sei eine beeindruckende Leistung.
"Auch wenn wir noch eine gewisse Zeit mit der Corona-Pandemie leben müssen, ist es wichtig, dass wir jetzt schon die gefährdetsten Gruppen unserer Gesellschaft schützen können", so Müller. Die Impfungen seien ein elementarer Baustein zur Bekämpfung der Pandemie, unterstrich der SPD-Politiker. Er hoffe, dass möglichst viele Berlinerinnen und Berliner dieses kostenfreie und freiwillige Angebot nutzten, sobald der Impfstoff zur Verfügung steht.
Personen werden gestaffelt zu den Impfterminen geladen
Ziel ist es, die zu impfenden Personen so kurz wie möglich in den Zentren warten zu lassen. Dazu werden sie nach Angaben Czajas gestaffelt zu den Terminen eingeladen. Nach einer kurzen Vorbesprechung, die fünf bis sieben Minuten dauern soll und in der die Betreffenden über Risiken informiert und mögliche Vorerkrankungen befragt werden, sollen sie unverzüglich in eine der Impfkabinen gebracht werden. Danach besteht die Möglichkeit, sich in einem Ruheraum auszuruhen.
An der Organisation der größten Impfaktion in der Geschichte der Stadt sind neben dem Roten Kreuz auch weitere Hilfsorganisationen, wie die Malteser und die Johanniter beteiligt. Insgesamt stehen 450 Bundeswehsoldaten bereit, dazu kommen mehrere Hundert Ärzte und medizinische Fachkräfte.





