Pandemie

Corona: Clubs in drei Bezirken werden stärker kontrolliert

Der Senat geht von einem weiteren Anstieg der Infektionszahlen in Berlin aus, will einen zweiten Lockdown aber vermeiden.

Clubs und ihre Besucher in drei Berliner Innenstadtbezirken müssen sich wegen der verschärften Corona-Lage auf Kontrollen einstellen.

Clubs und ihre Besucher in drei Berliner Innenstadtbezirken müssen sich wegen der verschärften Corona-Lage auf Kontrollen einstellen.

Foto: pa

Berlin. Der Senat rechnet damit, dass die Zahl der Covid-19-Infizierten in den kommenden Tagen weiter steigt und eine der drei Corona-Ampeln auf Rot springt. Demnach erwartet die Gesundheitsverwaltung einen stadtweiten Anstieg der Infektionen auf mehr als 30 Fälle pro 100.000 Einwohner. Gegenwärtig liegt die Zahl bei 21,9. „Wir müssen jetzt gezielt Antworten finden“, sagte Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) am Dienstag nach der Senatssitzung. „Wir wollen keinen neuen Lockdown, und es darf auch keinen weiteren Lockdown geben.“

Seit Montagabend zeigt das Berliner Corona-Ampelsystem erstmals doppelt Gelb. Das bedeutet Beratungsbedarf, bei Doppel-Rot sieht der Senat Handlungsbedarf. Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, die nun das Umspringen der zweiten Ampel auf Gelb ausgelöst hat, stieg auf 1,52. Die Zahl besagt, wie viele Menschen ein Infizierter im Mittel ansteckt. Angestrebt werden Werte unter 1,0, um die Pandemie zu bremsen.

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Corona-Infektionen in Berlin: Friedrichshain-Kreuzberg mit ähnlich hohem Wert wie München

Bereits seit Tagen verzeichnet Berlin die höchsten Infektionszahlen je 100.000 Einwohner in Deutschland. Allerdings müsse dabei die Sonderrolle als Stadtstaat berücksichtigt werden, sagte Pop. Im Vergleich zu anderen Großstädten bewegen sich die Berliner Zahlen im unteren Drittel. In Frankfurt/M. liegt die Zahl nach Pops Angaben bei 20,3 je 100.000 Einwohner, in Köln bei 34,7 und in München sogar bei 56. In Berlin weist nur Friedrichshain-Kreuzberg mit 52 einen ähnlich hohen Wert auf wie die bayerische Landeshauptstadt.

Dennoch sei es sehr unwahrscheinlich, dass es in einzelnen Bezirken eigene Regelungen zum Kampf gegen Corona gebe. „Bislang haben wir Berlin als Einheitsgemeinde betrachtet“, sagte Pop. Einzelmaßnahmen in unterschiedlichen Bezirken seien noch schwerer zu kontrollieren als für Gesamt-Berlin.

Dilek Kalayci: Kontroll-Aktionen in Clubs mit drei Bezirken verabredet

Bei einem Treffen mit den Bürgermeistern der besonders betroffenen Bezirke Friedrichshain-Kreuzberg, Neukölln und Mitte am Dienstag hat Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) dennoch konzentrierte Kontrollaktionen in den Clubs verabredet. "Wir, das heißt, die drei Bezirke und ich, haben uns zu einer konzertierten Kontroll-Aktion zu den Clubs verabredet, wo manches illegal läuft", erklärte sie. Diese weisen berlinweit derzeit die höchsten Neuinfektionszahlen im Verhältnis zur Einwohnerzahl auf. „Zudem haben wir über eine Obergrenze für private Feiern beraten“, sagte Kalayci nach dem Treffen. Die Gespräche sollen Freitag fortgesetzt werden.

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Senat will neue Vorschriften beschließen - Kommt ein Alkoholverbot?

Am kommenden Dienstag wird der Senat deshalb über eine Verschärfung der Corona-Verordnung beraten. Nach Informationen der Berliner Morgenpost wird auch diskutiert, ein Alkoholverbot in Stadtquartieren anzuordnen, in denen besonders häufig Straßenpartys gefeiert werden.

Gastronomiebetriebe sind nach Angaben von Wirtschaftssenatorin Pop derzeit kein Infektionshotspot. Demnach verzeichneten die Gesundheitsämter in den vergangenen Tagen dort lediglich einen Ausbruch mit fünf Infizierten. „Dennoch müssen sich alle an die Regeln halten“, so Pop. Zuvor hatte die Gesundheitsverwaltung dringend an die Wirte und deren Gäste appelliert, die Gästelisten korrekt auszufüllen, um eine Nachverfolgung möglicher Infizierter zu ermöglichen.

Am Freitag soll über die Gastronomie beraten werden

Bereits am Freitag will sich Wirtschaftssenatorin Pop mit Vertretern der Industrie- und Handelskammer Berlin und der Gastronomie treffen, um über mögliche Erleichterungen für die Gastwirte im Herbst und Winter zu verhandeln. Gäste sollen länger als es die Temperaturen erlauben im Freien bewirtet werden können. Pop hatte angeregt, das Aufstellen von Heizpilzen zu ermöglichen, wenn Berlin sich im Gegenzug auf einen autofreien Sonntag verständigen kann, um den Ausstoß zusätzlicher klimaschädlicher Stoffe zu kompensieren. An dem Treffen nehmen auch alle Bezirksbürgermeister teil, die für die konkreten Regelungen verantwortlich sind.

Dabei soll auch über Trennwände aus Plexiglas gesprochen werden, die in Lokalen aufgestellt werden könnten, die wegen der räumlichen Enge den Mindestabstand nicht einhalten können. Auch der Einbau von modernen Luftfiltern soll Thema sein.

Noch keine Regelung für Hallensportarten beschlossen

Noch unklar ist, welche Regelung künftig für Zuschauer bei Hallensportarten gelten. Sportsenator Andreas Geisel (SPD) will mehr als 5000 Zuschauer erlauben, wenn für die betreffende Halle ein Luftqualitätskonzept genehmigt wird. Vor dem Hintergrund der aktuell steigenden Infektionszahlen dämpfte Wirtschaftssenatorin Pop jedoch die Erwartungen. „In der momentanen Situation ist es schwierig, Ausnahmen zu rechtfertigen“, sagte sie. vielmehr gehe es darum, die jetzigen Vorgaben zu konsolidieren.

Insgesamt geht es dem Senat nach Angaben Pops darum, gezielte Maßnahmen zu beschließen, um nicht erneut flächendeckende Verbote aussprechen zu müssen. Um das zu erreichen, gelte es, weiter Zahlen und Fakten zu sammeln und zu analysieren. Am Montag kommender Woche findet dazu eine Videokonferenz von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidenten statt.

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