Pergamon-Sanierung

Die Museumsinsel bekommt ein neues Ausstellungshaus

Das Pergamon-Museum ist während der Sanierung geschlossen. Der Interimsbau soll 2018 öffnen und Besuchern etwas der Atmosphäre bieten.

Die neue Ausstellungshalle ist mittlerweile verkleidet – das Innere sieht wie ein Gasometer aus

Die neue Ausstellungshalle ist mittlerweile verkleidet – das Innere sieht wie ein Gasometer aus

Foto: jörg Krauthöfer

Berlin. Besucher der Museumsinsel wundern sich: Wieso bloß wird auf der anderen Seite der Museumsinsel, schräg gegenüber vom Weltkulturerbe Pergamonmuseum, ein Gasometer gebaut? Doch was aussieht wie ein technisches Bauwerk zur Gasspeicherung, dient einem gänzlich anderen Zweck – und ist mittlerweile verkleidet. Hier entsteht ein temporäres Ausstellungshaus, um den Besuchern wenigstens wieder etwas Pergamon-Atmosphäre zu bieten, während das Museum geschlossen bleibt.

Vor fast genau drei Jahren war der Pergamonaltar auf der Museumsinsel ein vorerst letztes Mal zu sehen. Dann begann die Sanierung des Pergamonmuseums bei laufendem Betrieb, die sich schnell zum kosten- und zeitintensiven Desaster auswuchs. Geplant war, dass im März 2019 der erste von zwei Bauabschnitten und damit auch der Pergamonsaal fertig sein sollte. Doch aufgrund von „Störungen im Planungs- und Bauablauf“, wie das Bundesbauministerium dann vor einem Jahr mitteilte, verzögere sich die Sanierung um vier Jahre, die Bausumme verdoppelte sich von geplanten 261 auf nunmehr für realistisch gehaltene 477 Millionen Euro. Die Fertigstellung des ersten Bauabschnittes ist jetzt Mitte 2023 geplant.

Immerhin: „Wir können Ihnen bestätigen, dass die Errichtung des temporären Ausstellungsgebäudes gut vorangeht“, teilt Stefanie Heinlein, Sprecherin der Stiftung Preußischer Kulturbesitz auf Nachfrage der Berliner Morgenpost mit. Der Eröffnungstermin liege noch nicht exakt fest, es werde aber auf jeden Fall im Frühjahr, spätestens Sommer 2018 sein. Der vom Büro Spreeformat Architekten geplante Interimsbau wird von der Stuttgarter Wolff Gruppe errichtet und finanziert.

17 Millionen für eine goldene Rotunde

17 Millionen Euro soll das 115 Meter lange Gebäude, aus dem sich eine 32 Meter hohe goldglänzende Rotunde erhebt, kosten. Damit sich das Leichtbau-Provisorium rechnet, darf es bis zu 15 Jahre stehen bleiben – und einen üppigen Eintrittspreis verlangen. Das Kombiticket für das Pergamonmuseum und das temporäre Ausstellungsgebäude kostet 19 Euro (ermäßigt 9,50 Euro).

„In Anbetracht der hohen Attraktivität der neuen Präsentation halten wir den Aufschlag von nur sieben, ermäßigt 3,50 Euro gegenüber dem aktuellem Ticketpreis allein für das Pergamonmuseum (12/erm.6 Euro) für durchaus angemessen“, so die Sprecherin. Außerdem gelte auch hier der kostenfreie Eintritt für Besucher bis 18 Jahren und für Transferleistungsempfänger – wie in allen anderen Häusern der Staatlichen Museen zu Berlin. „Der Ticket-Vorverkauf startet im Frühjahr 2018“, so Heinlein weiter.

Im Inneren des Ersatzmuseums erwartet den Besucher dann nicht etwa der Pergamonaltar – der steht, von Sensoren gespickt, die jede noch so kleine Erschütterung während der Bauphase registrieren, unangetastet im Museum. Dafür sollen nach Auskunft der Stiftung rund 80 Spitzenstücke aus der Antikensammlung präsentiert werden, darunter die wichtigsten Reliefplatten des kleinen Frieses (Telephos-Frieses) des Pergamonaltars.

Höhepunkt der Ausstellung soll aber das vollständig überarbeitete Pergamon-Panorama von Yadegar Asisi sein. Das 360-Grad-Panorama, das in der goldenen Rotunde Platz finden soll, war 2011/2012 bereits im Ehrenhof des Museums zu sehen gewesen. In Verbindung mit den antiken Originalen sowie neuen multimedialen Visualisierungen des Pergamonaltars werde es einen einzigartigen Gesamteindruck von der antiken Metropole Pergamon bieten, verspricht die Stiftungssprecherin. Die Ausstellungsinszenierung werde sich über rund 1000 Quadratmeter erstrecken.

Grundwasserabdichtung des Museums ist fertig

Unterdessen schreiten die Bauarbeiten im „richtigen“ Pergamonmuseum störungsfrei voran, wie das zuständige Bundesamt für Bauordnung und Raumwesen (BBR) auf Nachfrage der Berliner Morgenpost mitteilt. Die Kostenermittlung in Höhe von 477 Millionen Euro inklusive Risikovorsorge gelte nach wie vor. Aktuell sei man mit der Herstellung des großen Treppenhauses, das später neben der großzügigen Treppe auch neue Aufzüge beherbergen wird, beschäftigt. Rückbauarbeiten fänden noch in der Hauptausstellungsebene im Nordflügel statt.

Die Spezialtiefbauarbeiten zur Ertüchtigung der Gründung und zur Tieferlegung der Gebäudesohle seien nahezu abgeschlossen. Auch die sogenannten „weißen Wannen“, welche das Gebäude gegen das Grundwasser abdichten, seien fertig. Die Arbeiten am Dach schritten ebenfalls voran. Parallel hierzu werde die Fassade weiter saniert: „Inzwischen sind rund 60 Prozent der Natursteinflächen und 20 Prozent der Putzflächen fertig“, so eine Sprecherin. Die historischen Außenfenster würden in einer Werkstatt restauriert.

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