Kultur

Warum das Pergamonmuseum deutlich teurer wird als geplant

Das Bauministerium erklärt am Pergamonmuseum die Kostensteigerungen von 216 Millionen Euro. Schuld daran sind Pumpenhäuser.

Auf der Museums-Baustelle

Auf der Museums-Baustelle

Foto: Reto Klar

Schlechte Nachrichten zu überbringen, ist unangenehm – besonders, wenn man für deren Inhalt die Verantwortung trägt.

So erklärt sich wohl auch, dass es ein halbes Jahr dauerte, bis sich Staatssekretär Florian Pronold (SPD) und Petra Wesseler, die Präsidentin des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung (BBR), dazu durchgerungen hatten, zu erläutern, wieso sich die Bauarbeiten am Pergamonmuseum um Jahre verzögern und 216 Millionen Euro teurer werden. Am Donnerstag war es nun endlich so weit.

Vor der düsteren Kulisse des um sein Eingangsportal beraubten Museums und mit Blick auf eine unter Wasser stehende Baugrube direkt vor dem Hauptgebäude versuchten Pronold und Wesseler, das eigentlich Unerklärliche zu erklären.

Im Frühjahr sei man bei Tiefbauarbeiten unglücklicherweise genau dort, wo im Untergrund künftig die Archäologische Promenade die Museen auf der Insel miteinander verbinden soll, auf zwei historische Pumpenhäuser gestoßen.

Diese massiven Bauwerke, die bei der Errichtung des Museums vor gut 100 Jahren den Wasserspiegel niedrig halten sollten, seien offenbar in späteren Bauphasen nicht abgebrochen, aber in den Bauunterlagen auch nicht vermerkt worden.

Leider ließen sie sich nun auch nicht einfach mit schwerem Gerät entfernen. Denn die Bauarbeiten am Museum glichen einer „Operation am offenen Herzen und auf Zehenspitzen“, wie der Staatssekretär die Arbeiten am Weltkulturerbe Pergamonmuseum beschrieb.

Denn Umbau und Sanierung müssten völlig erschütterungsfrei geschehen, und das auch noch bei laufendem Museumsbetrieb in den angrenzenden Bereichen. Andernfalls drohten Kostbarkeiten wie der Pergamonaltar oder das Markttor von Milet Schaden zu nehmen.

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Damit dies nicht geschieht, seien umfangreiche Umplanungen und Sicherungsmaßnahmen nötig, sagte Pronold weiter und verwies im Inneren des Gebäudes auf die vielen massiven Stahlträger, die eingezogen wurden, um das Gebäude zu stabilisieren.

Zudem wurden die antiken Großskulpturen mit Mess-Sensoren verbunden, die bei Erschütterungen Alarm schlagen. „Solche Alarme wurden bereits knapp 40-mal ausgelöst“, sagte Wesseler. Auch das, sowie die mangelhafte Arbeit eines Planungsbüros für die Gebäudeausrüstung habe zu Verzögerungen geführt.

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Doch wieso wurden die Pumpenhäuser nicht bei Voruntersuchungen entdeckt? Auf ausgedehnte Rammbohrungen noch vor Beginn der auf 20 Jahre angesetzten Komplettsanierung habe man aus Rücksicht auf den Museumsbetrieb verzichtet, sagte Wesseler.

In der Summe haben diese Störungen dazu geführt, dass statt der ursprünglich auf 261 Millionen Euro bezifferten Kosten aktuell mit 477 Millionen Euro gerechnet wird. Darin enthalten sei eine Risikovorsorge (45 Millionen Euro) und die Baukostensteigerung von rund 60 Millionen Euro, die der langen Bauzeit geschuldet sei.

Die Kostenexplosion war vor gut zwei Wochen bekannt geworden – allerdings nicht durch das Bauministerium, sondern Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU). Dass man so lange geschwiegen habe, habe nichts mit mangelnder Transparenz zu tun, versicherte der Baustaatssekretär.

„Wir möchten nicht den Eindruck entstehen lassen, die öffentliche Hand ist zu blöd zum Bauen“

Da es sich aber um ein sehr komplexes Bauvorhaben handele, habe man zunächst einmal verlässliche Aussagen über den weiteren Kosten- und Zeitrahmen erarbeiten wollen.

„Wir möchten nicht den Eindruck entstehen lassen, die öffentliche Hand ist zu blöd zum Bauen“, so der Politiker weiter. Genau dieser Eindruck ist jedoch entstanden. Nach der Kostenexplosion beim Pergamonmuseum und anderen Bauten des Bundes in Berlin, die zusammen eine Schadenssumme von einer Milliarde Euro erbracht haben – die Berliner Morgenpost berichtete –, steht das verantwortliche Ministerium nun unter Druck.

Bevölkerung soll künftig regelmäßig informiert werden

Man habe nichts zu verbergen und werde künftig bei jedem größeren Projekt regelmäßig über die Einhaltung des Kosten- und Zeitplans berichten, versicherte der Staatssekretär. Diese Unterlagen sollen nicht nur dem Haushaltsausschuss des Bundestags, sondern auch der interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Ziel sei, künftig von Anfang an auch die erwarteten Baupreissteigerungen und eine Risikovorsorge mit einzuplanen. Dies sei nach den bisherigen Vorschriften nicht möglich. „Aber das werden wir ändern“, versprach Pronold, der am Donnerstag in Vertretung von Bau- und Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) ins Museum gekommen war, weil diese im Bundestag zur bevorstehenden Weltklimakonferenz in Marokko Stellung nehmen musste.

Die Fertigstellung des ersten Bauabschnitts am Pergamonmuseum soll nun erst Mitte 2023 , vier Jahre später als geplant, erfolgen. Ob es dabei bleibt, ist ungewiss: „Aufgrund der bisherigen Erfahrungen sind weitere Terminrisiken nicht auszuschließen“. räumte die Bundesamtspräsidentin ein. Aber wenigstens sollen diese künftig transparent sein.