Museen der Zukunft

So ist die Lage auf den Berliner Kultur-Baustellen

Drei Gebäude sollen 2018 öffnen: die James-Simon-Galerie, das Interim für das Pergamon und das Haus Bastian. Ein Baustellen-Überblick.

Das zentrale Eingangsgebäude der Museumsinsel: Im Jahr 2018 soll die James-Simon-Galerie eröffnet werden

Das zentrale Eingangsgebäude der Museumsinsel: Im Jahr 2018 soll die James-Simon-Galerie eröffnet werden

Foto: Christian Kielmann

Gebaut wird eigentlich immer in Berlin. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit ihrem Museumsbetrieb blickt auf zahlreiche Baustellen, im Fokus steht das „Schmuckstück“ Museumsinsel und der Neubau des Museums der Moderne am Kulturforum. Der Bauetat der Stiftung erhöhte sich in diesem Jahr auf 136,2 Millionen Euro. 30 Millionen Euro bekommt das Pergamonmuseum zusätzlich, damit die Sanierung planmäßig läuft. Die Eröffnung hat sich mittlerweile auf 2023 verschoben, die Kosten stiegen auf 477 Millionen Euro. Doch was geschieht rund um das Pergamonmuseum und wann eröffnet welches Haus neu – ein Überblick über weitere Häuser und Projekte der Stiftung.

Interimsbau Pergamonmuseum: Seitdem das Pergamonmuseum teilweise geschlossen, der Pergamonaltar nicht zu sehen ist, verliert das Haus Besucher. Deshalb soll ein temporäres Ausstellungshaus – gegenüber des Bode-Museums – Abhilfe schaffen. Ostern 2018, so die Planung, wird das Ausweichquartier in Industriebauweise eröffnet. Gerade wird die Baustelle dort beräumt. Gezeigt werden soll all das, was der Besucher derzeit nicht sehen kann. Alles rund um das Thema Pergamon: Bildnisse der Könige und Königinnen von Pergamon, ihre Paläste mit den wundervollen Ausstattungen, Architekturteile des Telephos-Frieses und 3-D-Visualisierungen. Höhepunkt wird in der 36 Meter hohen Rotunde das überarbeitete 360-Grad-Panorama der antiken Metropole, realisiert durch den Künstler Yadegar Asisi sein. Refinanzieren muss sich das Gebäude durch den Eintritt: Das Kombiticket für die Übergangsschau und den noch offenstehenden Museumsteil ist mit 19 Euro kalkuliert, nicht gerade preiswert. Zehn bis 15 Jahre soll das Pergamon-light-Ausweichquartier seine Stellung halten.

James-Simon-Galerie: 2018 soll die James-Simon-Galerie, das zentrale Eingangsgebäude der Museumsinsel eröffnen, so die Pläne der Stiftung. Genauer mag man sich nicht festlegen, verständlich, das Bauvorhaben lief alles andere als gut, verzögerte sich um fast vier Jahre. Taucher mussten in dem schwierigen Baugrund mit der nicht tragfähigen Mudde den Aushub vorbereiten, Firmen gingen Pleite, zuletzt stieg die Bausumme auf 134 Millionen Euro. Mittlerweile sind die Säulen zum Kupfergraben hin hochgezogen. An der Planung für die Ersteinrichtung des Baus wird gearbeitet. Im Sommer darf die Öffentlichkeit schauen – beim Tag der Offenen Baustelle. Das Chipperfield-Gebäude, das mit den Säulen an den Klassizismus anschließt, hat die Funktion, mehr als drei Millionen Besucher jährlich in die einzelnen Häuser zu schleusen. Café auf der Terrasse, Kassen, Garderoben, Vortragsräume – alles ist dort untergebracht. Zugleich ist hier der Startpunkt der Archäologischen Promenade, wo eine Dauerausstellung geplant ist.

Haus Bastian: Das private Chipperfield-Gebäude liegt vis-à-vis der James-Simon-Galerie und ist der überraschende Neuzugang für die Stiftung. Die Kunsthändler-Familie Bastian hat sich überraschend entschlossen, das minimalistische Galerienhaus der Stiftung als Geschenk zu übereignen. Der Schenkungsvertrag soll demnächst unterschrieben werden, im Beisein der Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU). Mäzenatentum soll gefeiert werden. Das Haus hat künftig eine neue Funktion – als „Zentrum für Bildung und Vermittlung“. Eröffnung wird im Frühjahr 2018 sein. Die beiden dort ansässigen Galerien, Haus-Galerie Bastian und Contemporary Fine Arts (CFA) bespielen das Haus noch bis Sommer.

Neue Nationalgalerie: Wer dieser Tage an der Neuen Nationalgalerie vorbeifährt, sieht erst einmal – nichts. Bauzäune versperren den Blick. Bis 2020 wird dort keine Ausstellung mehr zu sehen sein. Zum 100. Bauhaus-Jubiläum 2019 soll der Mies-Bau baufertig sein, allerdings noch nicht museumsfein eingerichtet. Immerhin kann die Architektur-Ikone dann von außen in neuem Glanz strahlen. „Das ist momentan eine richtige Baustelle“, sagt Martin Reichert, Partner vom Büro Chipperfield. Das heißt, vom Museum steht nur noch der Rohbau. Holztüren, Garderoben, Metallbauteile und Natursteinbeläge von „hohem Denkmalschutz“ sind längst eingelagert. Diese Teile befinden sich in einem Depot, von hier gehen sie in verschiedene Restaurierungswerkstätten. Für den Herbst angesetzt ist das Auswechseln der gigantischen Glasfassade. Für die Generalsanierung sind 101 Millionen Euro veranschlagt – ein Risikozuschlag ist darin allerdings nicht enthalten.Wer sehen möchte, wie das entkernte Museum derzeit aussieht, schaut auf den Blog: http://blog.smb.museum.

Museum der Moderne: Der Spatenstich für das Museum der Moderne, „M20“, könnte 2018/2919 stattfinden. Der Siegerentwurf des Architekturbüro Herzog & de Meuron ist heftig umstritten, „Lager“ nennen ihn die einen, andere „Pferdestall“. Derzeit sitzt das Schweizer Duo an der „Überarbeitung“, beispielsweise liegt der Neubau zu nah an der St. Matthäus-Kirche. Auch die Feinabstimmung mit den Bedürfnissen der Museumsleute läuft. „Selten wird ein Wettbewerbsentwurf“, sagte Jacques Herzog kürzlich, „dann genau so gebaut.“ Auf dem Eröffnungstermin am Kulturforum mochte sich die Stiftung gestern jedenfalls noch nicht festlegen.