Übergriff in Neukölln

U-Bahn-Treter Svetoslav S. könnte noch in Deutschland sein

Die bulgarischen Behörden dementieren, dass sich Svetoslav S. im Land befindet. Gegen ihn wurde in Berlin Haftbefehl erlassen.

Nach der Identifizierung des U-Bahn-Treters vom Hermannplatz in Neukölln hat das Amtsgericht Tiergarten jetzt Haftbefehl erlassen. Vollstreckt werden konnte dieser allerdings noch nicht, denn Svetoslav S., so der Name des aus Bulgarien stammenden Täters, bleibt nach wie vor verschwunden. „Wir wissen nicht wo er ist, also können wir auch nicht sagen, ob er sich noch in Berlin aufhält oder sich ins Ausland abgesetzt hat“, sagte ein Ermittler am Donnerstag.

Inzwischen ist auch die Polizei in Bulgarien mit dem Fall befasst. Ein ranghoher Beamter sagte am Donnerstag im bulgarischen Staatsfernsehen, man arbeite bereits eng mit den Behörden in Berlin zusammen, habe aber derzeit keine Hinweise, wonach sich der Gesuchte in seinem Heimatland aufhalte. Nach Informationen aus dem Familienkreis von Svetoslav S. soll er sich nicht in Bulgarien aufhalten. „Er sagte (am Telefon), er wäre in Deutschland“, sagte die Mutter seiner Lebensgefährtin dem bulgarischen Privatsender Nowa Telewisija.

Reporter des Senders hatten sich auf die Spur von Svetoslav S. begeben und in einer Sendung darüber berichtet. Demnach kommt der 27-Jährige aus einer Kleinstadt im Nordosten des Landes wo er bereits wegen diverser Delikt wie Diebstahl und Raub verurteilt wurde. In Bulgarien soll S. zuletzt mit seiner Frau und seinen drei Kindern in einem Roma-Viertel der Großstadt Varna gelebt haben, bevor er im vergangenen Jahr mit seiner Familie zu Verwandten nach Berlin zog. Dem Sender zufolge soll die Ehefrau von Svetoslaw S. dort in einem Restaurant gearbeitet haben. Über eine Tätigkeit des 27-Jährigen selbst weiß man hingegen bisher nichts. Die Schwiegereltern kümmerten sich um die Kinder des Paars.

Täter könnte sich noch in Berlin aufhalten

Die Berliner Polizei hält es durchaus für möglich, dass sich S. inzwischen wieder in seiner bulgarischen Heimat aufhält. Aber auch in Berlin wird weiterhin nach dem Mann gesucht, der im U-Bahnhof Herrmanplatz in Neukölln eine Frau durch einen brutalen Tritt in den Rücken eine Treppe hinuntergestoßen hatte. Die 26-Jährige brach sich bei dem Sturz einen Arm.

Nach Angaben des Bundesjustizministeriums ist ein europäischer Haftbefehl notwendig, damit bulgarische Behörden in ihrem Land nach Verdächtigen fahnden können. Das gelte für Taten, die in beiden Ländern strafbar sind. Die deutsche Staatsanwaltschaft könne im Fall einer Festnahme die Auslieferung beantragen. Bulgarien habe aber noch keinen europäischen Haftbefehl erhalten - deswegen werde dort auch noch nicht breit gefahndet, sagte Polizeichef Hristo Tersijski.

Mittlerweile wurde bekannt, dass es sich bei dem zwischenzeitlich festgenommenen Begleiter von S. um dessen Halbbruder handelt. In seinen Vernehmungen hatte der Mann zwar Hinweise auf die Identität von S. gegeben, allerdings auch behauptet, er kenne ihn nur flüchtig. Eine Beteiligung an einer gefährlichen Körperverletzung konnte ihm nicht nachgewiesen werden, es wird aber weiter ermittelt. Möglich ist ein Verfahren wegen unterlassener Hilfeleistung.

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(mit dpa)