Flüchtlinge in Berlin

Sport-Chef wütend wegen Flüchtlingen in Turnhallen

In Berlin leben zur Zeit rund 3300 Flüchtlinge in 38 Turnhallen. Viele Vereine hätten Mitglieder eingebüßt, so Sport-Chef Böger.

Betten für Flüchtlinge in einer Sporthalle in Charlottenburg

Betten für Flüchtlinge in einer Sporthalle in Charlottenburg

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Das Debakel um die mit Notunterkünften belegten Turnhallen sorgt im Berliner Sport nach wie vor für immensen Frust. Am Sonnabend holte der Präsident des Landessportbundes (LSB) zum Rundumschlag aus. „Die ganze Sache ist an Peinlichkeit nicht mehr zu überbieten“, sagte Klaus Böger der Berliner Morgenpost.

Dass eine Vielzahl der durch Flüchtlinge belegten Hallen trotz aller Versprechen nicht freigeräumt sei, zeige das ganze Bürokratieversagen der Hauptstadt. „In Hamburg wurde keine einzige Halle in Anspruch genommen. Berlin hat mit Brandenburg die Übernahme von 900 Flüchtlingen vereinbart, aber bislang ist dort kaum einer angekommen“, so Böger weiter. „Ich könnte platzen“, rief Böger am Freitagabend bei der LSB-Mitgliederversammlung.

Juristen stoppen den Auszug von Flüchtlingen aus Turnhallen

Die Kritik des ehemaligen SPD-Schulsenators richtet sich dabei vor allem gegen die noch von der CDU geführten Senatsverwaltungen für Soziales und Gesundheit sowie Inneres und Sport. Das Interesse des scheidenden Innensenators Frank Henkel beim Thema Sport sei offenbar nicht vorhanden, so Böger.

Dabei sei der Zustand nicht nur unhaltbar für die Geflüchteten. „Zahlreiche Sportvereine haben Mitglieder eingebüßt und können ihre Trainer nicht mehr bezahlen.“ Er erwarte von der künftigen rot-rot-grünen Koalition, eine Arbeitsgruppe einzurichten.

Aktuell leben noch 3300 Flüchtlinge in 38 von zeitweise 62 belegten Turnhallen. Eigentlich sollte der Auszug noch in diesem Jahr vollzogen werden. Der Plan scheiterte an fehlenden Ersatzquartieren und der fehlerhaften Ausschreibung für deren Betrieb. Laut Böger ist sogar die angekündigte Wiederinbetriebnahme der Hallen zum kommenden Schuljahr im September fraglich.