Container-Unterkunft

Hellersdorf: 250 Flüchtlinge müssen umziehen - nur wohin?

Die Container an der Zossener Straße müssen wegen Baumängeln für mindestens drei Monate schließen. 250 Bewohner sind betroffen.

Das Containerdorf für Flüchtlinge an der Zosssener Straße wurde im Oktober eröffnet

Das Containerdorf für Flüchtlinge an der Zosssener Straße wurde im Oktober eröffnet

Foto: Sergej Glanze / Glanze/Berliner Morgenpost

Die schlechten Nachrichten zur Unterbringung der Flüchtlinge in Berlin reißen nicht ab. Bislang sind erst zwei von ursprünglich 30 geplanten Containerquartieren eröffnet worden. Nun muss eines vorübergehend wieder geschlossen werden – voraussichtlich für drei Monate, möglicherweise länger. Betroffen ist das mit rund 250 Flüchtlingen voll belegte Heim an der Zossener Straße in Hellersdorf. Dort wurden nach Informationen der Berliner Morgenpost schwere Mängel an der elektrischen Anlage festgestellt. Um die Menschen in der Unterkunft nicht zu gefährden, müssten die Schäden zeitnah beseitigt werden, bestätigten Senatssozialverwaltung und Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) übereinstimmend.

Die Bewohner müssen umziehen, wohin ist noch unklar

Weil dazu in jedem Container gearbeitet werden muss, könne die Mängelbeseitigung nicht erfolgen, wenn die Container bewohnt sind, erklärten das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) und die BIM. Die Bewohner müssen also für mehrere Monate umziehen – wohin, ist noch nicht endgültig entschieden. Aussichtsreichster Ersatzstandort ist ein Containerquartier an der Siverstorpstraße in Pankow, für das am 2. Dezember die Bauabnahme erfolgen soll. Dort sollten aber eigentlich Flüchtlinge einziehen, die derzeit in Turnhallen in Pankow und Reinickendorf untergebracht sind. Deren Umzüge verzögern sich nun weiter.

Elektrokabel um scharfe Kanten herumgelegt

Bei den Mängeln handelt es sich vor allem um eine nicht überall sachgerechte Stromverteilung und mangelhaft verlegte Elektroleitungen. Diese seien zum Beispiel um scharfe Kanten herumgeführt worden, erklärte BIM-Sprecher Christian Breitkreutz. Es sei nur eine Frage der Zeit, dass dort Schäden auftreten und Kabel freigelegt werden. In einem Schreiben der BIM an die Sozialverwaltung heißt es zudem, dass innen liegende Regenwasserführungen nicht bündig an die Abflussrohre anschlössen. Dadurch könne es zum Austritt von Stauwasser und auch zum Schädlingsbefall kommen. Es liege derzeit zwar keine konkrete oder akute Gefahr für Bewohner und Betriebspersonal vor, dennoch sei eine umgehende Schadensbeseitigung notwendig. Bei einem Aufschub erhöhe sich die Gefahr von Kriechströmen und Folgeschäden.

Die landeseigene Immobilienmanagement GmbH ist bei der Senatsfinanzverwaltung angesiedelt und für die Errichtung der Containerquartiere zuständig. Verantwortlich für die Schäden ist jedoch die Firma, die die Container aufgestellt hat. Nach Informationen der Berliner Morgenpost handelt es sich um ein spanisches Unternehmen. Die Leitungen seien in den Containerwänden hinter Dämmmaterial verborgen, sagte BIM-Sprecher Breitkreutz der Morgenpost. Es handele sich um verdeckte Mängel, die nicht erkennbar gewesen seien, da die Container bereits mit den Abdeckungen errichtet worden seien.

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Baugleiche Container stellt dieselbe Firma auch in Spandau auf. Dort sei aber die Abdeckung noch nicht aufgebracht. Bei einer Kontrolle seien Mitarbeitern die mangelhaft verlegten Elektroleitungen aufgefallen. Daraufhin hätten sie Stichproben an der Zossener Straße veranlasst. Diese hätten den Verdacht bestätigt.

Der Betreiber des Hellersdorfer Tempohomes reagierte bestürzt

Der Betreiber des Hellersdorfer Tempohomes, das Evangelische Jugend- und Fürsorgewerk (EJF), reagierte bestürzt auf die Nachricht. „Wir haben von Anfang an darauf hingewiesen, dass Mängel festzustellen sind. Nun wurde festgestellt, dass sie gravierender sind“, sagte EJF-Sprecherin Katrin Wilcken der Berliner Morgenpost. Das Jugend- und Fürsorgewerk sei sehr daran interessiert, die von ihm betreuten Flüchtlinge auch weiterhin zu betreuen. Man habe zwar von einem Freizugsplan gehört. „Was im Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten konkret geplant ist, entzieht sich aber unserer Kenntnis“, so Wilcken.

Derzeit nicht konkret geplant sei, dass die Flüchtlinge aus der Zossener Straße befristet nach Wünsdorf in Brandenburg ziehen, sagte Sozialsenator Mario Czaja (CDU) der Morgenpost. Wie berichtet, darf Berlin in der dortigen Erstaufnahme 995 Asylbewerber unterbringen, kann aber bisher nur 40 Plätze belegen. Die meisten in Berlin lebenden Flüchtlinge erfüllen die zwischen Senat und Brandenburger Regierung vereinbarten Kriterien nicht. Czaja will nun nachverhandeln und sieht große Bereitschaft bei Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD), eine Lösung zu finden.

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