Leihräder in Berlin

Bahn und Lidl starten in Berlin neues Fahrradverleihsystem

Ab Frühjahr sollen 3500 Fahrräder innerhalb des Berliner S-Bahn-Rings ohne feste Stationen ausgeliehen und zurückgegeben werden können.

Das Verleihsystem soll im Frühjahr 2017 starten

Das Verleihsystem soll im Frühjahr 2017 starten

Foto: Lidl-Bike

Nur noch bis Mitte November können Kunden von „Call a Bike“ in Berlin Räder ausleihen. Spätestens bis dahin will das zum Bahnkonzern gehörende Unternehmen seine festen Ausleihstationen im Stadtgebiet abgebaut haben. Doch es wird kein Abschied für immer sein. Ganz im Gegenteil: Im kommenden Frühjahr will „Call a Bike“ mit moderneren Rädern und einem geänderten Verleihsystem in der Hauptstadt groß durchstarten. Zugleich bekommt der Anbieter Nextbike, der gerade erst die Ausschreibung für das öffentlich geförderte Leihfahrradsystem in Berlin gewonnen hat, einen starken Konkurrenten.

Vermarktet werden die rot-silberfarbenen Leihräder von „Call a Bike“ künftig unter dem Namen „Lidl-Bike“ – eine Referenz an den neuen Sponsor. Mit welchem Betrag der Lebensmitteldiscounter das Projekt finanziell unterstützt, blieb bei der Vorstellung am Donnerstag offen. Es dürfte aber ein Millionenbetrag sein. „Nur über die Verleihgebühren lassen sich Mietfahrradsysteme in Deutschland bislang nicht kostendeckend betreiben“, begründete Sylvia Lier, Geschäftsführerin der Bahntochter DB Rent, die ungewöhnliche Partnerschaft. Lidl-Geschäftsführer Wolf Tiedemann wiederum verwies auf das Unternehmensziel, „nachhaltigster Discounter in Deutschland“ zu werden. So gebe es bereits zwei Märkte mit Ladesäulen für Elektroautos und E-Bikes. Weitere sollen folgen.

„Lidl-Bike“ will im nächsten Frühjahr mit 3500 Rädern starten. Aktuell ist „Call a Bike“ in Berlin mit 1500 Rädern präsent. Anders als bisher werden die Leihräder nicht an festen Stationen, sondern im Stadtgebiet innerhalb des S-Bahnrings aufgestellt. Wer also ein „Lidl-Rad“ ausleiht, kann es später an jeder Straßenecke abstellen. Pikant: Dieses System hatte „Call a Bike“ – sehr zum Ärger vieler Nutzer – erst vor einigen Jahren aufgegeben. Begründet wurde der Schritt damals unter anderem mit der hohen Verlustquote bei den Rädern. DB-Rent-Chefin Sylvia Lier verweist nun jedoch auf die guten Erfahrungen, die das Unternehmen beim Car-Sharing macht. „Wir können da unterschiedliche Zielgruppen erreichen“, sagt Lier. Die einfache Rechnung: Umso besser und flächendeckender das Angebot, desto attraktiver ist es für Fußgänger oder Autofahrer, auf das Rad umzusteigen. Dies, so Lier, sei eine Erfahrung aus Hamburg, wo die Bahn das Leihsystem „StadtRad“ betreibt.

„Die Bahn soll sich auf die Schiene konzentrieren“

Beim Leipziger Anbieter Nextbike, der erst im Sommer vom Senat den Auftrag für den Aufbau eines Leihfahrradsystems in Berlin erhalten hat, kommt die Angebotsoffensive der Deutschen Bahn nicht gut an. „Call a Bike zeigt sich da von seiner schlechtesten Verliererseite“, sagte Nextbike-Sprecherin Mareike Rauchhaus der Berliner Morgenpost. Der Hintergrund: Die Bahntochter hatte sich gleichfalls an der Senatsausschreibung beteiligt, unterlag jedoch selbst mit einem Einspruch bei der Vergabekammer gegen Nextbike. Das in Leipzig beheimatet Unternehmen will sein Angebot in Berlin ebenfalls im Frühjahr starten: Mit zunächst 2000 Rädern, die an 200 festen Standorten angeboten werden. Bis Ende 2018 soll das Angebot auf 5000 Leihräder steigen, die an 700 Stationen ausgeliehen werden können. Der Senat fördert das Vorhaben mit insgesamt 7,5 Millionen Euro.

Bei Nextbike wird nun offenbar befürchtet, dass der Markt nicht für zwei große Anbieter ausreicht und sie am Ende gegen den finanzstarken Bahnkonzern den Kürzeren zieht. „Die Bahn soll sich auf die Schiene konzentrieren und sich nicht ständig auf privatwirtschaftlichen Märkten tummeln“, fordert Nextbike-Sprecherin Rauchhaus.

„Lidl-Bike“ will seine Räder zu zwei Tarifen anbieten: Beim „Basistarif“ (Grundgebühr: drei Euro) kostet die erste halbe Stunde 1,50 Euro, jede weitere halbe Stunde ein Euro (maximal 15 Euro pro Tag). Im „Komforttarif“ (49 Euro Jahresgebühr) kostet die erste halbe Stunde 50 Cent, jede weitere halbe Stunde ein Euro (maximal 12 Euro am Tag). In beiden Fällen ist eine Anmeldung notwendig. Gebucht wird das Rad mit der Smartphone-App von „Call a Bike“, die einen Freischaltcode anzeigt.

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