Nahverkehr

VBB-Kunden bekommen Leihräder bald kostenlos

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Markus Falkner

Foto: dpa / DPA

Mit dem Fahrschein aufs Leihrrad: Ab Herbst sollen in Mitte 1250 zusätzliche Leihrräder der Deutschen Bahn stehen. Und Bus- und Bahnkunden sollen sie bald 30 Minuten lang kostenlos nutzen können. Wer länger fahren will, soll mit Kredit- oder EC-Karte zahlen können - zusätzlich zur bisherigen Handy-Zahlung.

Raus aus dem Bahnhof, rauf aufs Leihfahrrad, bequem, unbürokratisch und für Nutzer von Bussen und Bahnen bei Fahrten bis zu 30 Minuten kostenlos. In Berlin soll diese Vision Wirklichkeit werden. Gefördert mit zwei Millionen Euro vom Bund, startet im Herbst ein Pilotprojekt mit 1250 zusätzlichen Leihrädern der Deutschen Bahn. An mindestens 50 Stationen in Mitte sollen die Räder stehen und zunächst mit Kredit- oder EC-Karte, später auch mit dem Nahverkehrsfahrschein des Verkehrsverbundes VBB entliehen werden können.

Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) und Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) stellten das Projekt zum Auftakt des 1. Nationalen Radverkehrskongresses in Berlin vor. Der Pilotversuch läuft bis 2011. Nehmen die Kunden das neue System an, soll es nach Angaben der Bahn auf andere deutsche Städte ausgeweitet werden.

Bislang müssen sich Nutzer der rot-silbernen Call-a-Bike-Räder der Bahn per Handy registrieren lassen. Vorteil dieses Systems: Wer ein Rad leiht, kann es an jedem beliebigen Ort wieder abstellen. Nachteil: Vor allem Touristen können das System bislang oft nicht nutzen, weil ausländische Mobiltelefone für die Buchung und Abrechnung nicht akzeptiert werden. Das neue Mietfahrradsystem soll dieses Manko beheben, wie Guido Zielke, Radverkehrsbeauftragter im Bundesverkehrsministerium, betont. Mit jeder EC- oder Kreditkarte können die Räder an speziell entwickelten Säulen freigeschaltet werden. Der Nachteil, dass die Räder anschließend auch wieder an einer der Stationen abgegeben werden müssen, soll durch ein eng geknüpftes Netz ausgeglichen werden. In der Regel sollen die Stationen nicht weiter als 300 Meter auseinanderliegen. Vor allem an belebten Orten wie Bahnhöfen, aber auch vor Museen oder großen Firmenzentralen sollen die Räder samt Terminalsäulen stehen. Auch deshalb haben sich die Projektplaner den Bezirk Mitte als Testgebiet ausgesucht.

Und die Pläne gehen noch weiter, wie Senatorin Junge-Reyer bekräftigt. Bis zum Projektende soll das Fahrradleihsystem in die Tarifstrukturen des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) eingebunden sein. Entsprechende Gespräche mit VBB, S-Bahn und BVG laufen nach Angaben der Senatorin bereits. Das Ziel: Wer ein VBB-Ticket besitzt, soll mindestens 30 Minuten kostenlos mit den Bahn-Rädern fahren dürfen. Das Fahrrad als "integrierter Bestandteil" des Nahverkehrsangebots - das wäre nach Angaben der Senatorin weltweit einmalig.

Unschlagbares Team

Schon jetzt, so die Erfahrung der Senatorin, würden sich beide Fortbewegungsmittel bestens ergänzen. "Das Fahrrad und der öffentliche Nahverkehr sind ein unschlagbares Team", sagt Junge-Reyer. Der ÖPNV sei das "schnelle und zuverlässige Verkehrsmittel für lange Distanzen", das Rad biete die Möglichkeit, die "individuelle erste Meile" vom Wohnort zum Bahnhof ohne Umwege zu bewältigen.

In Berlin werden nach Angaben der Senatorin inzwischen zwölf Prozent aller Wege mit dem Fahrrad zurückgelegt, doppelt so viele wie noch 1998. Tendenz steigend. Auch Bundesverkehrsminister Tiefensee sieht eine "Trendwende zum Fahrrad". 70 Millionen Räder gibt es nach seinen Angaben in deutschen Haushalten. Die Zahl der Fahrradfahrten sei bundesweit seit 2002 um zehn Prozent auf 28 Millionen täglich gestiegen. Mit Projekten wie dem Leihsystem in Berlin soll dieser Boom unterstützt werden. Ziel sei ein "umweltfreundlicher und bezahlbarer Stadtverkehr für alle", so Tiefensee. Allein durch die Verlagerung von 30 Prozent aller innerstädtischen Autofahrten bis sechs Kilometer auf das Fahrrad ließen sich jährlich 7,5 Millionen Tonnen CO2 einsparen.

In einem Ideen-Wettbewerb sucht sein Ministerium derzeit weitere "innovative öffentliche Fahrradleihsysteme". Bis zum 17. Juni können Vorschläge für Projekte eingereicht werden. Informationen gibt es auf der Internet-Seite des Ministeriums ( www.bmvbs.de ). Innerhalb der nächsten drei Jahre stehen dafür zusätzliche zehn Millionen Euro zur Verfügung.