Freizeit

Berlins Bäder kämpfen mit Besucherschwund

Im Vergleich zum Vorjahr kamen eine halbe Million Badegäste weniger. Die Bäderbetriebe erwarten ein Minus von 1,4 Millionen Euro.

Die Misere ist hausgemacht, sagen Kritiker

Die Misere ist hausgemacht, sagen Kritiker

Foto: Joerg Krauthoefer

Berlin.  Die Lage der Berliner Bäderbetriebe (BBB) ist deutlich schlechter, als das bisher von der Geschäftsführung eingeräumt wurde. Das 2015 vom Senat beschlossene Bäderkonzept 2025 greift nicht. Das legen interne Zahlen der Anstalt öffentlichen Rechts nahe, die der Morgenpost vorliegen.

Unregelmäßige Öffnungszeiten, geschlossene Bäder und erhöhte Preise haben vor allem in den Hallenbädern für einen Besucherschwund gesorgt. In den ersten acht Monaten des Jahres kamen 150.000 Badegäste weniger als geplant in die Schwimmhallen. Statt der erhofften 1,08 Millionen entrichteten nur 934.000 Menschen den Eintritt. In den sechs sogenannten Sternebädern, zu denen das Wellenbad am Kreuzberger Spreewaldplatz und das alte Stadtbad Charlottenburg zählen, fehlten 100.000 Besucher.

Kommentar: Mehr Geld für weniger Angebot

Verluste und Personalmangel

Ausgeglichen werden diese Verluste zum Teil durch die Sommerbäder. Anders als vom BBB-Vorstand in einer Antwort auf eine Anfrage der Linken-Abgeordneten Gabriele Hiller dargestellt, kamen in der Sommersaison trotz des durchwachsenen Wetters sogar mehr Besucher in die Kombi- und die Sommerbäder. Dennoch bleibt bis August ein Minus zu den Planzahlen von fast 200.000 Besuchern, im Vergleich zum Jahr 2015 kam sogar eine halbe Million Badegäste weniger.

Das Ziel des Bäderkonzepts von Sportsenator Frank Henkel (CDU), mehr Menschen zur Bewegung im Wasser zu gewinnen und dafür auch die Zuschüsse zu erhöhen, ist damit bisher überhaupt nicht aufgegangen. Dabei hatte der Senat vier Millionen Euro mehr für Personal und Instandhaltung zugestanden.

Die Bäderbetriebe wollen sich auf Anfrage nicht zu den Zahlen äußern. Bäderchef Andreas Scholz-Fleischmann verwies zuletzt auf den Personalmangel und die Schwierigkeiten, qualifizierte Mitarbeiter zu bekommen.

Es kam zu Budgetkürzungen

Kritiker verweisen aber auch auf hausgemachte Ursachen der Misere. So habe sich die für Personal zuständige Vorstandsfrau Annette Siering zu spät und zu halbherzig um neues Personal gekümmert. So würden Verträge für Saisonarbeitskräfte erst im Frühjahr gemacht. Da seien qualifizierte Rettungsschwimmer schon für die Ostsee verpflichtet, berichten Kenner des Unternehmens. Ehemalige Mitarbeiter erinnern sich, dass das Budget für aushelfende Zeitarbeitskräfte zwischen 2014 und 2015 um 400.000 Euro gekürzt worden sei. Bis heute haben es die BBB nicht geschafft, die vom Abgeordnetenhaus bewilligten zusätzlichen festen Stellen auch zu besetzen.

Ein Quell für Ärger war auch das neuerdings dezentral organisierte System der Kurse wie Wassergymnastik oder Aquafit. Den wahren Grund für den Zusammenbruch haben die Bäderbetriebe nie kommuniziert. Dabei ist das Kurssystem vor allem deswegen ausgedünnt, weil der Zoll gegen das landeseigene Unternehmen wegen des Verdachts der Scheinselbstständigkeit von 70 offiziell freiberuflichen Kursleitern ermittelt hat und auf Unregelmäßigkeiten gestoßen ist.

Insgesamt erwarten die BBB ein Minus von 1,4 Millionen Euro

Die Bäderbetriebe haben 1,05 Millionen Euro zurückgestellt, um auf eine drohende Nachzahlung von Sozialversicherungsbeiträgen vorbereitet zu sein. Man sei mit der Deutschen Rentenversicherung auf einem „guten Weg“, eine Verständigung zu erreichen, sagte eine Sprecherin.

In der Folge sind die Erlöse aus den Kursen in den ersten acht Monaten des Jahres 2016 um knapp ein Viertel eingebrochen. Interessenten standen immer wieder vor verschlossenen Türen, weil ihr Kurs gar nicht stattfand. Auch die Einnahmen aus dem Sauna­betrieb sind deutlich gesunken.

Insgesamt erwarten die BBB bei den Erlösen ein Minus von 1,4 Millionen Euro. Allerdings spart der Rumpfbetrieb so stark Kosten ein, dass am Ende ein Plus stehen wird. Allein für Personal werden 1,5 Millionen Euro liegen bleiben, für Investitionen 1,2 Millionen. Auch die bauliche Unterhaltung wird es nicht schaffen, ihr Geld auszugeben. Es fehlen Techniker. Seite 2