Theater

Das Theater am Kurfürstendamm wird 95 Jahre alt

Die Zukunft der Bühne bleibt ungewiss. Das Landgericht entscheidet am 18. Oktober über eine Räumungsklage des neuen Eigentümers.

Prominenter Auftritt: Maria Furtwängler steht in „Gerüchte & Gerüchte“ auf der Bühne des Theaters am Kurfürstendamm (2013)

Prominenter Auftritt: Maria Furtwängler steht in „Gerüchte & Gerüchte“ auf der Bühne des Theaters am Kurfürstendamm (2013)

Foto: Britta Pedersen / dpa

Als Intendant Martin Woelffer den 85. Geburtstag des Theaters am Kurfürstendamm feierte, lag eine ungewisse Zukunft vor ihm. Zehn Jahre und einige Investoren später, hat sich die Lage nicht wesentlich geändert. Am 18. Oktober entscheidet das Landgericht Berlin über die Räumungsklage des aktuellen Eigentümers des Kudamm-Karrees – in diesem Gebäudekomplex zwischen Kurfürstendamm und Lietzenburger Straße sind die beiden Boulevardbühnen aus den 20er-Jahren untergebracht. Jenseits „The Story of Berlin“ sieht es gespenstisch aus, dort im hinteren Teil des Gebäudes sind die Geschäfte und Gaststätten bereits geschlossen.

„Bisher haben wir uns erfolgreich für den Erhalt der beiden Theater stark gemacht“, sagt Woelffer, der trotz des Gerichtsverfahrens optimistisch in die Zukunft schaut: „In fünf Jahren möchte ich hier den 100. Geburtstag des Theaters feiern.“ Dafür braucht er die Unterstützung der Politik. Der Theaterdirektor hofft bei den jetzt begonnenen Koalitionsverhandlungen auf eine „klare Positionierung“ der neuen Regierung für den Erhalt der historischen Bühnen. Nach den Plänen von Cells Bauwelt sollen die abgerissen und durch den Neubau eines Theaters im Keller ersetzt werden.

Lob für den Architekten

Eröffnet wurde das Theater am Kurfürstendamm am 8. Oktober 1921 mit der Dreiecks-Komödie „Ingeborg“ von Curt Goetz. Neben dem Autor spielte auch die damals sehr prominente Adele Sandrock mit. Die Kritiken fielen zwar nicht gerade euphorisch aus, gefeiert aber wurde der Raum, den der Architekt Oskar Kaufmann im ehemaligen Gebäude der Berliner Secession geschaffen hatte. Ein Novum seinerzeit in Berlin, denn ein rangloses Saaltheater mit Logenkranz gab es bis dahin nicht. Die „Berliner Allgemeine Zeitung“ schrieb zur Eröffnung: „Dieser neue, spielerisch reizende Theatersaal in seiner farbigen Festlichkeit, seinem allerliebsten, bizarren Plastikenkrisskrass, ein maurisches Rokoko, soll die leichte Muse zu Gaste bitten, um einer gehobenen, sozusagen zivilisierten Heiterkeit zu dienen.“

Und der Architekt und Buchautor Paul Zucker stellte fest, dass das Theater durch seine Farbenskala „Assoziationen an eine damenhafte Boudoiratmospähre“ erwecke, was gut zum Programm passen würde. Leichte, unterhaltsame Kost stand im Mittelpunkt, damit sollte das Privattheater eine sichere Rendite erwirtschaften.

Weil das offenbar funktionierte, ließ sich der Theaterprinzipal Max Reinhardt, der unter anderem das Deutsche Theater bespielte, auf dem Nachbargrundstück ebenfalls von Oskar Kaufmann ein zweites Boulevardtheater bauen. Die Komödie am Kurfürstendamm wurde 1924 mit viel Politprominenz eröffnet, unter anderem waren Reichskanzler Wilhelm Marx und Außenminister Gustav Stresemann da, vier Jahre später übernahm Reinhard dann auch das Theater am Kurfürstendamm.

Gefeiert wird nach der „Er ist wieder da“-Premiere

Die Zeiten haben sich geändert und mit ihnen die Marktverhältnisse. Ohne eine feste finanzielle Förderung durch den Senat wird Woelffer den Betrieb dauerhaft nicht aufrechterhalten können, allein schon, um die irgendwann fällige Miete zahlen zu können. Allein die Möglichkeit dazu würde seine Verhandlungsposition verbessern. Investoren wollen schließlich auch heutzutage eine Rendite erwirtschaften.

Gefeiert wird übrigens nicht am 8. Oktober, dem eigentlichen Geburtstag, sondern am 2. November im Anschluss an die Premiere des Stücks „Er ist wieder da“. Für diesen Abend verschenkt die Bühne 95x2 Karten. Als „Dankeschön für die große Unterstützung, die wir seit langem in der Stadt erfahren“, sagt Woelffer. Er wird sie weiterhin brauchen.