Kudamm-Bühnen

Neues Theater im Retro-Look: Logen, Lüster, rote Sitze

Cells Bauwelt hat am Dienstag die überarbeiteten Pläne für die neue Komödie am Kurfürstendamm vorgestellt. Theaterdirektor Martin Woelffer fehlte.

Marlene Dietrich sorgte schon 1931 als Gast im Zuschauerraum der Komödie am Kurfürstendamm für Furore. Curd Jürgens stand 1975 zu seinem 60. Geburtstag in einer Premiere auf der Bühne, bevor es zum Feiern ins Kempinski ging. Harald Juhnke war auf den beiden Boulevard-Bühnen Theater und Komödie am Kurfürstendamm ohnehin Dauergast. Günter Pfitzmann, Edith Hancke, Klaus Sonnenschein, Walter Plathe, Herbert Herrmann, Winfried Glatzeder, Herbert Köfer – die Liste ließe sich fortsetzen – sorgten für tosenden Applaus.

Diesen Erfolg wollen die neuen Eigentümer des Kudamm-Karrees, in dem die beiden Theater eingebaut sind, auch nach dem großen Umbau des Areals fortsetzen. Am Dienstag stellten sie ihre Pläne für das Theater vor, das sie bauen wollen. In zwei Workshops war der erste Entwurf für die unterirdische Bühne, die als Entree einen Pavillon im Innern des Kudamm-Karrees erhält, überarbeitet worden.

„Wir haben mit Herrn Woelffer zusammengesessen, und er hat uns gesagt, was für ihn wichtig ist. Die jetzige Form soll erkennbar bleiben“, erläuterte Architekt Jan Kleihues die neuen Pläne – und bedauerte, dass es am Dienstag nur um das Theater und nicht um den Gesamtkomplex zwischen Uhlandstraße, Kurfürstendamm, Lietzenburger und Knesebeckstraße ging: „Der ist nämlich eine Katastrophe, die man nur richtig angehen kann, mit einer Lösung, die sich auch wirtschaftlich trägt.“ Dazu sei der Abriss der beiden Theater nötig. Und eine Verlegung in den Keller sei eine viel bessere Lösung als das Theater im vierten oder fünften Stock eines Gebäudes anzusiedeln. Das hatten Pläne der Voreigentümer vorgesehen.

So wie in der alten Komödie soll es als wichtigste Änderung auch in der neuen Komödie eine rote Bestuhlung geben, außerdem Logen, die Theaterdirektor Martin Woelffer sehr wichtig gewesen seien. „Wir bauen nichts Historisches, interpretieren aber neu“, so Kleihues. Von manchen Logenplätzen, die vorher so nicht geplant waren, werde es wegen Stützen und Pfeilern „geringfügige Sichteinschränkungen“ auf die Bühne geben. Ansonsten erfülle das Theater „alle Ansprüche, die man heute hat“. 646 Plätze sind im neuen Logentheater geplant, davon 432 im Parkett.

Pavillon mit Bar oder Caféals Entree geplant

Auch die Form des Innenraums wurde verändert, nicht mehr in Hufeisenform, sondern oval. Die oberirdische Planung mit Pavillon und nach unten ins Theater führender Wendeltreppe wurde beibehalten. Hier können eine Theaterkasse, eine Bar oder ein Café das Publikum schon tagsüber bedienen. Ebenso die Anbindung per Aufzug in das geplante neue Restaurant mit großer Dachterrasse auf dem Neubau direkt am Kudamm ist Bestandteil der Planung geblieben.

Zur Entscheidung Martin Woelffers, an der Vorstellung der neuen Pläne fürs Theater nicht teilzunehmen, sagte Norman Schaaf, Geschäftsführer der mit den Planungen zum Umbau des Kudamm-Karrees beauftragten Cells Bauwelt: „Wir respektieren die Entscheidung, aber es ist schade, dass er sich damit etwas ins Abseits manövriert. Wir stehen zu unserem Wort, die Kultur zu erhalten.“ Für Martin Woelffer hat, wie er auf Anfrage der Berliner Morgenpost sagte, trotz der Neuplanung für ein Theater der Erhalt der beiden bestehenden Bühnen „oberste Priorität“. Er habe an dem Workshop nur teilgenommen, um zu sagen, was wichtig für den Spielbetrieb wäre, wenn „das irgendwann das Theater werden sollte“. Das neue sollte Anmutung und Ausstrahlung des alten haben. Als Berliner und als Theatermacher sowieso, könne man die zwei Theater aber nicht einfach aufgeben, sagte Woelffer.

„Ohne höheren Zuschussdes Senats geht es nicht“

Von einem Kompromiss kann laut
Woelffer keine Rede sein. „Mir geht es nicht nur um die Gebäude, sondern auch um den Betrieb“, sagt er. Und da habe er bislang keine Zusage des Senats über einen höheren Zuschuss, um überhaupt in Zukunft die geforderte Miete zahlen zu können. Ohne den könne er aber nicht verhandeln. „Das wird sehr, sehr teuer werden. Wir sollen zehn Euro pro Quadratmeter Miete im Neubau zahlen, das sind 40.000 Euro im Monat ohne Nebenkosten. Da liegen wir schnell bei 80.000 Euro ohne die Werkstätten, das sind also rund eine Million Euro pro Jahr“, überschlägt er die Verpflichtung. Wegen ausstehender Zahlungen – laut Cells Bauwelt hat der Theaterbetreiber fast drei Jahre gar nichts bezahlt – hat der Vermieter den Bühnen längst gekündigt. Ende des Monats verhandelt das Landgericht über die Räumungsklage. Nach Auskunft von Woelffer läuft der Mietvertrag für beide Theater „unbegrenzt, bis zum Baubeginn“. Außerdem gebe es Vereinbarungen mit dem Vorbesitzer über die Mietzahlungen.

Das Theater und die Komödie am Kurfürstendamm, gegründet in den 20er-Jahren, haben eine bewegte Vergangenheit. Namen wie der von Theaterarchitekt Oskar Kaufmann, Regisseur Max Reinhardt und später dann Hans, Jürgen und heute Martin Woelffer als Direktoren sind mit den Häusern eng verbunden. Die Zukunft der Bühnen steht seit Jahren infrage, weil das Kudamm-Karree saniert werden muss.

Mit dem neuen Eigentümer, der Mars Propco 1 in Luxemburg, sollen Kultur und Kommerz sich auch in Zukunft im Kudamm-Karree gegenseitig befruchten. Doch der Streit spitzt sich zu. Während der Bauherr die beiden Traditonsbühnen für die Neuentwicklung abreißen will, kämpft Theaterdirektor Martin Woelffer noch für deren Erhalt. Auch Kulturpolitiker Uwe Lehmann-Brauns (CDU) will weiterkämpfen für den Erhalt der beiden Theatergebäude. „Ich dachte, das hätten wir in Berlin überwunden, dass wir alte, historische Gebäude zugunsten lapidarer Einkaufszentren abreißen“, sagte er am Rande der Veranstaltung im Hochhaus des Kudamm-Karrees. Er sei nicht überzeugt von den Plänen, der Verlust der beiden Bühnen sei zu groß.

Ob sie denkmalschutzwürdig sind, hatte das Landesdenkmalamt jedoch schon vor Jahren geprüft. Und sich gegen den Eintrag in die Denkmalliste entschieden. Und nach Auskunft der Baubehörde des Bezirks dürfen die Theater sogar jederzeit abgerissen werden. Der Abriss muss nur vorher angezeigt werden. Das kann laut Stadtplanungsamt ohne die Baugenehmigung erfolgen, die es noch nicht gibt. Cells will die Sanierung an der Uhlandstraße beginnen, wo die Fassade ein ansehnlicheres Aussehen erhalten soll, indem Rampen zum Parkhaus entfernt werden. Zwölf bis 18 Monate sind dafür geplant. Dann will sich Kleihues dem „Wahnsinns-Durcheinander“ des restlichen Kudamm-Karrees widmen, beginnend an der Lietzenburger Straße, sich durchziehend bis zum Kudamm. Mitte 2017 sei Wunschbeginn. „Hier ist eine Menge Reparaturarbeit nötig“, sagte er. Geplante Bauzeit dort: 24 Monate plus drei bis sechs Monate. Bis zum Abriss könnten die Theater genutzt werden. Um eine Alternative während der Bauzeit muss sich laut Cells der Betreiber selbst kümmern.