Unterkunft in Wünsdorf

1000 Flüchtlinge aus Berlin sollen nach Brandenburg umziehen

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Ulrich Kraetzer
Brandenburg soll 1000 Flüchtlinge aus Berlin übernehmen (Symbolbild)

Brandenburg soll 1000 Flüchtlinge aus Berlin übernehmen (Symbolbild)

Die Flüchtlinge sollen vorübergehend in Wünsdorf untergebracht werden. In wesentlichen Punkten sind sich die Landesregierungen einig.

Bei der Unterbringung von Flüchtlingen kann Berlin künftig auf Unterstützung aus Brandenburg zählen: Die Regierungen der Länder wollen beschließen, dass bis zu 1000 Asylsuchende, die in Berlin registriert sind, eine vorübergehende Bleibe im brandenburgischen Wünsdorf finden. Die Verhandlungen stehen kurz vor dem Abschluss. „Wir sind auf der Zielgeraden“, sagte der stellvertretende Sprecher des Berliner Senats, Bernhard Schodrowski, am Dienstag. „Ich gehe davon aus, dass die Gespräche bis Anfang nächster Woche abgeschlossen sein werden“, bestätigte der Sprecher der brandenburgischen Innenverwaltung, Ingo Decker.

Die Verteilung von Flüchtlingen auf die Bundesländer erfolgt eigentlich nach dem sogenannten Königsteiner Schlüssel. Berlin muss demnach rund fünf Prozent aller Schutzsuchenden aufnehmen. Angesichts des angespannten Wohnungsmarktes und der im Vergleich zu Flächenländern hohen Bevölkerungsdichte zeigten sich die Berliner Behörden mit der Unterbringung aber überfordert. Zurzeit kommen mit rund 30 Flüchtlingen pro Tag zwar deutlich weniger als im vergangenen Jahr.

Die Kapazitäten reichen aber dennoch nicht aus, zumal die Fertigstellung der als „Tempohomes“ bezeichneten Containerdörfer sich verzögert. Zurzeit sind in Berlin daher immer noch rund 5300 Flüchtlinge in Turnhallen untergebracht, die deswegen nicht für den Vereinssport genutzt werden können.

Wünsdorfer Einrichtung speziell für Familien ausgelegt

Das bilaterale Abkommen mit Brandenburg, in dem viele Flüchtlingsheime nicht ausgelastet sind, soll für Entlastung sorgen. Erste Gespräche darüber gab es schon im vergangenen Jahr. Die Landesregierungen konnten sich aber in wesentlichen Punkten nicht einigen. Mittlerweile sollen die wichtigsten Fragen geklärt sein. Laut brandenburgischem Innenministerium wird Berlin der brandenburgischen Landeskasse für die Nutzung des Heimes monatlich eine feste Summe und zusätzlich für jeden tatsächlich genutzten Platz einen Tagessatz bezahlen. Über die Höhe wollten sich die Länder am Dienstag nicht äußern.

Abstimmungsbedarf gab es bis zuletzt bei der Frage, welche Flüchtlinge in Wünsdorf untergebracht werden sollen. Berlin wollte vor allem allein reisende Männer schicken, um Flüchtlingskindern den bei einem Umzug nötigen Schulwechsel zu ersparen. Brandenburg hatte dagegen stets eine bessere Mischung gefordert und darauf verwiesen, dass die Wünsdorfer Einrichtung beim Umbau im vergangenen Jahr speziell für Familien ausgelegt worden sei.

Berlin trägt Kosten für Beschulung der Kinder und stellt Lehrer

Wie die Mischung nun tatsächlich aussehen wird, wollten am Dienstag weder die Berliner Senatskanzlei noch das brandenburgische Innenministerium sagen. Beide Behörden zeigten sich aber zuversichtlich, dass man sich einigen werde. Nach Informationen der Berliner Morgenpost wird man sich in der Mitte treffen: Neben einigen Hundert allein reisenden Männern sollen auch Kinder untergebracht werden, die auf Kosten Berlins beschult werden sollen. Die Lehrer soll Berlin bereitstellen.

Das Wünsdorfer Heim liegt rund 50 Kilometer südlich von Berlin in einem früheren Behördenzentrum einer einstigen Kasernenstadt der Sowjetarmee. Das Gebäude im Landkreis Teltow-Fläming wurde im vergangenen Jahr zur Flüchtlingsunterkunft umgebaut, ist aber nicht ausgelastet. Die knapp 370 Flüchtlinge, die Brandenburg dort untergebracht hat, sollen in andere Einrichtungen verlegt werden, sodass Berlin die volle Kapazität der 995 Plätze allein nutzen könnte.