Wirtschaft

Mehr Chancen für Flüchtlinge auf dem Arbeitsmarkt

Jürgen Stüber über die Plattform JobKraftwerk

Geflüchtete Menschen in Arbeitsstellen zu vermitteln, ist bekanntlich schwieriger als erwartet: Denn in der Heimat der Flüchtlinge erworbene Qualifikationen passen selten in das Raster des deutschen Arbeitsmarktes und Defizite in der Sprachkompetenz sind häufig. Die neue Onlineplattform "JobKraftwerk" will Arbeit suchenden Menschen aus Krisenregionen helfen, in der hiesigen Wirtschaft Fuß zu fassen. Die drei Gründer haben jetzt mit ihrem Projekt den Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg gewonnen, Deutschlands größte regionale Existenzgründungsinitiative.

"Marktplätze für Jobs wie Monster oder Stepstone gibt es genug, aber die funktionieren nicht für geflüchtete Menschen", sagt Tom Lawson, einer der drei Gründer. "Wir erfassen die Kompetenzen der Bewerber in ihrer Muttersprache", nennt Lawson einen ersten Unterschied. "Daran schließen sich psychometrische Tests an." Mathematisches Verständnis, logische Fähigkeiten, Konzentrationsfähigkeit und räumliches Denken werden auf der Internetplattform erfasst. Die Bewerber erhalten einen Lebenslauf nach europäischem Standard inklusive Stärkenprofil in Deutsch zu ihrer freien Verfügung. "Nach diesen Schritten wissen die Menschen, wo sie stehen und welche Lücken sie haben", sagt Lawson.

Die Plattform des erst im Mai 2016 gegründeten Berliner Start-ups wird seit Juni gemeinsam mit dem Landkreis Reutlingen im Süden Deutschlands in einem Feldversuch getestet (einer der Gründer stammt von dort und hat Kontakte zu der Kommunalverwaltung) und weiter optimiert. "Wir sind ein regionales Angebot", sagt Lawson. Jetzt suchen sie weitere Landkreise als Pilotregionen und Investoren, um den flächendeckenden Markteintritt zu beschleunigen. "Wir hatten auch schon zwei Gespräche mit einer Berliner Senatsverwaltung", sagt der Gründer.

Erste kleine Erfolge kann das Unternehmen schon vorweisen. Fünf Flüchtlinge wurden bereits vermittelt. "An Handwerker, aber auch an Unternehmen wie Hugo Boss", sagt Lawson, der seine Gründung als soziales Start-up versteht. Doch die Gründer wollen nicht nur Gutes tun, sondern auch Geld verdienen. "Unternehmen werden bereit sein, etwas für die Vermittlung zu zahlen", ist sich Lawson sicher.

Die Gründer sehen ihre Onlineplattform als ein komplementäres Angebot zu Datenbanken von Städten und Gemeinden oder der Agentur für Arbeit. Deshalb streben sie auch eine enge Zusammenarbeit an. "In Reutlingen haben wir unsere Kompetenzprofile mit dem Kreis geteilt", sagt Lawson. Auf diese Weise könnten die Vermittlungschancen für die Geflüchteten verbessert werden.

Der mit Preisgeldern von insgesamt 50.000 Euro dotierte Businessplan-Wettbewerb wird organisiert von der Investitionsbank Berlin, der Investitionsbank des Landes Brandenburg sowie den Unternehmensverbänden Berlin-Brandenburg. Bei dem Wettbewerb werden Existenzgründer auf ihrem Weg von der Produktidee zum tragfähigen Geschäftskonzept begleitet. Rund 90 Prozent der aus dem Wettbewerb gegründeten Unternehmen sind bis heute aktiv: Nach Angaben der Veranstalter entstanden insgesamt 1900 Unternehmen mit mehr als 12.400 Arbeitsplätzen.

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