Brandenburg

Wegen Kopftuch - Scharfe Kritik an Rauswurf von Praktikantin

Die Palästinenserin machte im Luckenwalder Rathaus ein Praktikum. Sie musste am ersten Tag gehen. Die Bürgermeisterin verteidigt sich.

Eine Frau mit Kopftuch (Archivbild)

Eine Frau mit Kopftuch (Archivbild)

Foto: Peter Kneffel / dpa

Einer palästinensischen Praktikantin ist nach Angaben des CDU-Landtagsabgeordneten Sven Petke im Rathaus von Luckenwalde (Teltow-Fläming) gekündigt worden, weil sie ein Kopftuch trug. "Es gibt für diese Entscheidung der Bürgermeisterin keine rechtliche Grundlage", sagte Petke am Mittwoch.

Das Bundesverfassungsgericht habe geurteilt, dass persönliche Glaubensbekenntnisse etwa mit einer bestimmten Kleidung nicht zu beanstanden sind, sagte der CDU-Politiker, der in Luckenwalde wohnt. Zuerst hatte die "Märkische Allgemeine" (Mittwoch) über den Fall berichtet.

Laut Petke hatte die 48-jährige Palästinenserin im Rahmen des Projekts "Perspektiven für Flüchtlinge" ein sechswöchiges Praktikum begonnen. Bereits nach einem Tag habe ihr Bürgermeisterin Elisabeth Herzog-von der Heide (SPD) gekündigt, weil die Palästinenserin ihr Kopftuch nicht ablegen wollte.

Laut Bürgermeisterin habe es kein geeignetes Arbeitsfeld gegeben

"In unserer Verwaltung wird die gebotene Neutralität konkret dadurch gelebt, dass es in unseren Diensträumen keine Kruzifixe an den Wänden gibt", heißt es in der Stellungnahme. Weil die Praktikantin ihr Kopftuch in Anwesenheit von Männern nicht ablegen wollte, habe ihr kein geeignetes Arbeitsfeld angeboten werden können. Es wäre besser gewesen, dies schon im Vorfeld des Praktikums zu klären, räumte die Bürgermeisterin ein. Dies werde künftig auch so gehandhabt.

Petke vermutet hinter dem Rauswurf politische Motive der SPD-Bürgermeisterin. "Kommendes Jahr ist in Luckenwalde Bürgermeisterwahl und in den sozialen Netzwerken kommt viel Zuspruch für den Rauswurf", meinte der Landtagsabgeordnete.

Von der AfD kam Beifall für das Handeln der Bürgermeisterin. "Wenn das Kreuz in den Räumen des Rathauses nicht zulässig ist, dann darf es auch keine Extrawürste für Muslime geben", betonte der AfD-Landtagsabgeordnete Thomas Jung. "Die Bürgermeisterin verdient daher für ihre unbequeme Entscheidung Respekt und keine Schelte."

"So etwas erschwert die Integration"

Die Linken-Landtagsabgeordnete Andrea Johlige hat den Rauswurf als überzogen kritisiert. "Da wird über ein Symbol debattiert“, sagte die asylpolitische Sprecherin der Linken-Fraktion im Landtag am Donnerstag auf Anfrage. Wenn ein Kopftuch ein Ausschlussgrund sei, dann müsse man im Sinne der Gleichbehandlung konsequent sein, forderte Johlige. "Wenn man sagt, persönliche Glaubensbekenntnisse gibt es nicht - dann muss das auch für das Kreuz um den Hals gelten."

"So etwas erschwert die Integration“, sagte Johlige. „Wenn die erste Frage nicht ist "Was kannst Du?", sondern "Was ziehst Du an?".

Das Straußberger Bildungs- und Sozialwerk als Träger wollte zu dem Vorfall keine Stellung nehmen. "Wir sind zuversichtlich, dass wir die Frau kommende Woche schon woanders unterbringen können“, sagte Geschäftsführer Tim Hoffmann. Bislang habe es aber solche Probleme mit muslimischen Flüchtlingen nicht gegeben, sagte er.