Polizeieinsatz in Berlin

Razzia gegen Klan: Waffe, Schmuck und Porsche sichergestellt

220 Kräfte der Polizei haben in Berlin mehrere Einsätze gegen eine Großfamilie durchgeführt. Es geht auch um einen Mordauftrag.

SEK-Einsatz in Berlin: Insgesamt acht Haftbefehle wurden vollstreckt

SEK-Einsatz in Berlin: Insgesamt acht Haftbefehle wurden vollstreckt

Foto: dpa

Bei einem Großeinsatz gegen eine mutmaßlich kriminelle arabische Großfamilie in Berlin sind acht gesuchte Männer verhaftet worden. "Den Festgenommenen wird vorgeworfen, an einem Raubüberfall auf das Kadewe beteiligt gewesen zu sein", sagte Stefan Redlich, Sprecher der Berliner Polizei. Zudem sollen sie einen Mord vorbereitet haben. Auch der Besitz von Waffen wird den Männern im Alter von 20 bis 56 Jahren vorgeworfen.

An dem Einsatz in den frühen Morgenstunden waren 220 Beamte beteiligt, darunter 60 Kräfte des Spezialeinsatzkommandos. Es habe seit etwa 4.30 Uhr Durchsuchungen von Wohnungen und Geschäftsadressen mit Schwerpunkt rund um die Schinkestraße in Neukölln gegeben. Allein dort wurden vier Tatverdächtige verhaftet. Aber auch in Hermsdorf, Lankwitz und Gropiusstadt gab es Einsätze. „Inzwischen gab es zwei weitere Durchsuchungen in Gropiusstadt, bei denen zwei Männer festgenommen wurden. Insgesamt wurden somit acht Haftbefehle vollstreckt und 16 Objekte durchsucht. Die Ermittlungen dauern an“, so Redlich. Mindestens einer der verhafteten Männer soll sich gegen die Polizisten gewehrt haben.

Es wurde eine Schusswaffe mit scharfer Munition beschlagnahmt, außerdem Schmuck, Bargeld und ein Porsche sichergestellt. Die Konfiszierung des Luxusautos diene der „Vermögensabschöpfung“, sagte Redlich. Sollten die Tatverdächtigen verurteilt werden, könnte damit der finanzielle Schaden verrechnet werden.

Bisher kein Zusammenhang mit Autobomben-Mord

Zu den Vorwürfen gehört Redlich zufolge auch ein Mordauftrag. Es handele sich dabei aber nicht um den bislang ungeklärten Mord an einem 43-Jährigen durch eine in einem Auto explodierte Bombe an der Bismarckstraße in Charlottenburg.

Nach Informationen der Berliner Morgenpost handelte es sich um eine Beziehungstat. Dabei soll das spätere Opfer einem Bekannten die Freundin "ausgespannt" haben. Die bisher unbekannten Täter hätten dem Mann daraufhin in Gropiusstadt ins Bein geschossen. Die Tat ereignete sich im Herbst 2015.

Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) sagte einer Mitteilung der Innenverwaltung zufolge, im Lauf der vorausgegangenen Ermittlungen habe es auch Aussagen von Zeugen gegeben, das sei "ungewöhnlich für dieses Milieu" und "eine wichtige Botschaft: Fällt die Mauer des Schweigens, können die Sicherheitskräfte noch konsequenter handeln".

Henkel zeigte sich zufrieden mit dem Einsatz. „Dieser Schlag gegen die organisierte Kriminalität zeigt, dass der Staat entschlossen gegen die Unterwelt vorgeht“, sagte er. Berlin dulde keine rechtsfreien Räume. „Das gilt für kriminelle Mitglieder arabischstämmiger Großfamilien genau wie für jeden anderen in unserer Stadt.“

Im Dezember 2014 hatten mehrere maskierte Männer einen Raubüberfall auf das Luxuskaufhaus KaDeWe am Wittenbergplatz verübt. Sie waren mitten im Weihnachtsgeschäft - drei Tage vor Heiligabend - in das Kaufhaus gestürmt, hatten einem Sicherheitsmann Reizgas ins Gesicht gesprüht und zahlreiche Vitrinen mit teurem Schmuck und Uhren leergeräumt. Anschließend flüchteten sie mit einem bereit stehenden Auto. Zeugen hatten das Geschehen beobachtet. Umfangreiche Ermittlungen auch im Umfeld der Großfamilie hätten dann letztlich zu den am Dienstagmorgen vollstreckten Verhaftungen geführt.

Zwei 26- und 29-Jährige stehen in dem Fall derzeit vor dem Landgericht Berlin. Sie sollen mit drei Komplizen Beute im Wert von 817.000 Euro gemacht haben.