Pannenflughafen

Flughafenchef Mühlenfeld hält am Eröffnungstermin 2017 fest

Karsten Mühlenfeld will den BER wie geplant eröffnen. Doch für viele ist der mittlerweile fünfte Starttermin nicht mehr realistisch.

Der Vorsitzende der Geschäftsführung der Flughafen Berlin-Brandenburg Gesellschaft (FBB), Karsten Mühlenfeld setzt weiter auf einen Start 2017

Der Vorsitzende der Geschäftsführung der Flughafen Berlin-Brandenburg Gesellschaft (FBB), Karsten Mühlenfeld setzt weiter auf einen Start 2017

Foto: Klaus-Dietmar Gabbert / dpa

Der zuletzt geplante Eröffnungstermin des Hauptstadtflughafens BER im zweiten Halbjahr 2017 bleibt offiziell bestehen. Flughafenchef Karsten Mühlenfeld sieht immer noch die Chance, dass der Airport in Schönefeld vor 2018 eröffnet werden kann. In knapp zweieinhalb Wochen, am 22. April, will er dem BER-Aufsichtsrat unter dem Vorsitz des Regierenden Michael Müller (SPD) den überarbeiteten Zeitplan vorlegen. Dass es eng wird, hat auch Mühlenfeld längst eingeräumt.

Der Flughafenchef will sich aber ganz offensichtlich nicht dazu drängen lassen, den noch von Vorgänger Hartmut Mehdorn ausgerufenen Termin für 2017 bereits jetzt abzusagen. Es wäre die fünfte Verschiebung des Starts am BER in Schönefeld.

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Sein Sprecher Daniel Abbou hatte in seinem freimütigen Interview mit dem „PR-Magazin“ jetzt erklärt, der Technikchef halte weiter daran fest, dass es eine Chance gebe, 2017 einzuhalten. Er betonte außerdem: „Und wenn er das glaubt und mir das auch kommuniziert, dann ist es so.“ Abbou fügte allerdings auch vielsagend hinzu: „Kein Politiker, kein Flughafendirektor und kein Mensch, der nicht medikamentenabhängig ist, gibt Ihnen feste Garantien für diesen Flughafen.“

„Niemand gibt Garantien für diesen Flughafen“

Diese Garantie bekamen auch die Mitglieder des Projektausschusses des BER-Aufsichtsrates am Montag nicht. Das Gremium unter dem Vorsitz von Brandenburgs Flughafenkoordinator und Aufsichtsrat Rainer Bretschneider (SPD) traf sich im Flughafen-Konferenzzentrum in Schönfeld, um die Aufsichtsratssitzung vorzubereiten.

Die Stimmung ist angespannt: Der Flughafen ist beim Bau des Airports mehrere Monate im Rückstand. Die Bauordnungsbehörde in Dahme-Spreewald hatte massive Nachbesserungen bei den Plänen für die Entrauchungsanlage am BER verlangt. Die Arbeiten sollen eigentlich im Sommer dieses Jahres fertig sein.

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Nach Informationen der Berliner Morgenpost hat Flughafenchef Mühlenfeld vor dem Projektausschuss den Termin nicht abgesagt. Es sei damit auch bei der Aufsichtsratssitzung am 22. April nicht zu rechnen, hieß es aus Flughafenkreisen. Vor Mai sei eine Festlegung kaum möglich. Der weitere Fortgang hänge auch davon ab, ob die Bauordnungsbehörde die angeforderten Nachbesserungen im Bereich der Entrauchung für den Brandschutz akzeptiere.

Der Brandenburger Grünen-Fraktionschef im Landtag, Axel Vogel, rechnet nicht mehr mit der Eröffnung des Hauptstadtflughafens BER im Jahr 2017. „Bei Abbou schien das bereits durch“, sagte Vogel und forderte Klarheit. „Es bringt nichts, mit einer Absage bis auf den letzten Drücker zu warten, wenn das Scheitern feststeht.“

Der Verkehrsexperte der Brandenburger CDU, Rainer Genilke, hält eine Eröffnung 2017 ebenso für illusorisch. Er mutmaßt, dass Abbou interessiert daran sei, dass eine weitere Verschiebung des Starttermins möglichst bald, lange vor der Berliner Wahl im Herbst bekannt gegeben wird. Die könnte durchaus im Sinne von Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller sein, meint Genilke. Denn der hätte die meisten Probleme, wenn Flughafenchef Mühlenfeld eine Verschiebung zu nahe vor der Abgeordnetenhauswahl bekannt geben würde.

Mühlenfeld hatte bereits klargemacht, dass hinter seiner zur Schau gestellten Zuversicht noch etwas anderes steckt. „Wir werden den Termin nicht zu früh aufgeben. Denn wir wollen Druck auf dem Kessel halten“, sagte der Flughafenchef jüngst vor dem BER-Sonderausschuss im Brandenburger Landtag. Es gehe darum, keine Gelassenheit auf der Baustelle einziehen zu lassen.

Mühlenfeld will Druck auf der Baustelle halten

Außerdem könnte eine jetzt verkündete Terminverschiebung das laufende Notifizierungsverfahren in Brüssel gefährden. Die geplante BER-Eröffnung im zweiten Halbjahr 2017 gehört zum Genehmigungsantrag bei der Europäischen Union. Dort muss die Freigabe von weiterem öffentlichen Geld genehmigt werden. Es geht um 2,2 Milliarden Euro. Das Notifizierungsverfahren verzögere sich, wie Mühlenfeld jüngst bekannt gegeben hat.

Die Zeit für die Fertigstellung des Airports drängt. Denn die Flughafengesellschaft muss die Anlage spätestens Anfang nächsten Jahres sogenannten Heißrauchgas-Tests unterziehen. Je länger die Umbaumaßnahmen dauern, desto weniger Zeit bleibt für die praktische Erprobung.