Skandal-Interview

"Es reicht jetzt" - Reaktionen zum geschassten BER-Sprecher

Flughafen-Pressesprecher Daniel Abbou hat ein Interview zum BER gegeben - und ist nun freigestellt. Reaktionen darauf aus dem Netz.

Der BER ist und bleibt eine Großbaustelle - auch das Personaltableau wird immer wieder umgebaut

Der BER ist und bleibt eine Großbaustelle - auch das Personaltableau wird immer wieder umgebaut

Foto: Ralf Hirschberger / dpa

Der Pressesprecher der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg, Daniel Abbou, ist nach deutlichen kritischen Äußerungen in einem Interview von seinem Posten freigestellt worden. Das teilte das Unternehmen am Montag mit.

„Das Interview von Herrn Abbou mit dem PR Magazin ist nicht mit der Geschäftsführung abgestimmt. Herr Abbou ist freigestellt“, erklärte Flughafenchef Karsten Mühlenfeld.Abbou hatte das Amt des Pressechefs am Flughafen erst im Dezember 2015 übernommen.

Unter anderem sagte Abbou in dem Interview: „Mein Technikchef hält weiter daran fest, dass es eine Chance gibt, 2017 einzuhalten. Und wenn er das glaubt und mir das auch kommuniziert, dann ist es so.“ Aber „kein Politiker, kein Flughafendirektor und kein Mensch, der nicht medikamentenabhängig ist, gibt Ihnen feste Garantien für diesen Flughafen“, fügt er hinzu.

"Wir Berliner sind selber völlig fassungslos"

In den sozialen Netzwerken gab es zahlreiche Reaktionen auf das Interview und die darauffolgende Freistellung. Auch auf der Facebook-Seite der Berliner Morgenpost diskutieren die Nutzer.

Mehrere sind der Meinung, es sei Zeit, das Projekt BER zu beenden. So schreibt Marcus B.: "Also es reicht jetzt. BER sofort schließen. Keinen Cent mehr." Sein Vorschlag: "Ein Asylheim oder Adlershof-Forschung reinpacken." Tegel und Schönefeld reichten 100 Prozent aus.

Nicola A. schreibt: "Bitte Berlin reißt diesen BER endlich ab !!!!!! Ihr macht euch nur noch lächerlich." Doch Maneula D. ist wichtig richtig zu stellen, dass die Berliner da nicht gefragt seien: "Wieso denn wir?", fragt sie auf Facebook. "Wir Berliner sind selber völlig fassungslos über soviel Inkompetenz und Korruption. Bitte hier nichts zu verallgemeinert. Die Bürger wollten diesen Airport nie. Das hat die Politik verzapft also hübsch differenzieren!!!!"

Auch Thomas N. hofft, "dass der BER nie ans Netz geht und Tegel weiterhin offen bleibt.". Außerdem schreibt er: "Was ist diese Flughafengesellschaft für ein armseliger Haufen! Es wird jemand gefeuert, der mal ausspricht, was Sache ist und wo Milliarden in den Sand gesetzt wurden."

>>>Zur Diskussion auf Facebook

Viele Nutzer loben die Ehrlichkeit von Abbou und kritisieren, dass er dafür gehen muss:

Fideli A. schreibt: "Ich finde es gut dass einer, der dort arbeitet und die Vorgänge kennt, mal offen spricht. Die Öffentlichkeit hat ein Interesse und ein Recht! zu erfahren, was dort schief läuft oder gelaufen ist. Nicht nur wegen der Gelder, es geht ums Prinzip!" Thomas B. schreibt kurz: "Die Wahrheit kann halt nicht jeder vertragen."

Jan H. formuliert es süffisant: "Köpft den Überbringer der Nachricht. Sie gefällt dem Herrscher nicht." Und Murphy B. schreibt ebenfalls mit einer Prise Humor: "Unfassbar; wenn die Mitarbeiter des BER Pins beim Bowlen darstellen würden, könnte man denken, jeder Wurf ist ein Strike... Was ist denn das für ein Personaldurchlauf...?

Bernd R. betrachtet ebenfalls den Personaldurchlauf und kritisiert: "Wieder einer der jetzt Geld bekommt ohne das er arbeiten muss!"

>>>Interaktiv: Ist der BER schon fertig?

Auch aus der Berliner Politik gibt es erste Reaktionen bei Twitter:

Martin Delius, Vorsitzender der Piratenfraktion, ist beeindruckt von der Haltung Abbous:

Sven Kohlmeier, Sprecher der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus für Rechts- und Netzpolitik, findet deftige Worte:

Marius Amfalder, Referent der CDU-Fraktion Brandenburg, meint, Ehrlichkeit sei am BER wohl nicht erwünscht:

Sabine Bangert, arbeitsmarkt- und kulturpolitische Sprecherin Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus, fällt hingegen nichts mehr ein: