Flughafen BER

Breite Unterstützung für geschassten BER-Pressechef Abbou

Er gab ein kritisches Interview und wurde freigestellt. Michael Müller stellt sich aber hinter die Entscheidung des Flughafenchefs.

Ausgerechnet der Pressesprecher des Flughafens Berlin-Brandenburg hat zum BER-Debakel einmal Klartext gesprochen - und ist am Sonntag deshalb freigestellt worden. Nach seinem Interview mit dem "prmagazin" unter dem Titel "Alles kommt raus" ist der Wirbel groß. „Das Interview war mit mir nicht abgesprochen und nicht freigegeben“, sagte Flughafenchef Karsten Mühlenfeld am Montag.

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) betonte am Montagmorgen, keinen Einfluss auf die Freistellung Abbous genommen zu haben. Das sagte er im Roten Rathaus. Er kenne noch keine Hintergründe des Vorgangs. Wenn das Vertrauensverhältnis eines Geschäftsführer zu einem Pressesprecher gestört sei, sei das aber nachvollziehbar.

Deutlicher wurden da einige Berliner Abgeordnete. Der Grünen-Obmann im BER-Untersuchungsausschuss, Andreas Otto, sagte: "Daniel Abbou hat sehr deutliche Worte zum BER gefunden – das steht im krassen Widerspruch zum jahrelangen Schweigen und hat offenbar nicht jedem gefallen. Es ist unverständlich, das Offenheit und Transparenz abgestraft werden."

Der Neuköllner SPD-Abgeordnete Joschka Langenbrinck nannte Flughafenchef Karsten Mühlenfeld via Twitter wegen der Freistellung Abbous sogar eine "dünnhäutige Heulsuse".

>>> Interaktiv: Ist der BER schon fertig? <<<

Von den drei staatlichen Gesellschaftern des BER, Berlin, Brandenburg und Bund, war bislang aber keine weitere Stellungnahme zu erhalten. „Wir werden uns dazu nicht äußern“, sagte eine Sprecherin der Senatskanzlei in Berlin auf Morgenpost-Anfrage. Sie verwies an die Flughafengesellschaft.

Eröffnung 2017 mittlerweile illusorisch?

Die oppositionellen Grünen im Brandenburger Landtag fordern hingegen ähnlich wie ihre Kollegen in Berlin, dass Abbou wieder auf seinen Posten zurückkehren kann. Grünen-Fraktionschef Axel Vogel sagte der Berliner Morgenpost: „Abbou hat für den Flughafen angekündigt: Wir wollen alles transparent gestalten und mit der Wahrheit nicht mehr hinter dem Berg halten. Und dafür wird er nun freigestellt. Das spricht Bände.“ Vogel verlangte, dass die Suspendierung rückgängig gemacht werde.

Aus Flughafenkreisen verlautete am Montag, Abbou sei zunächst für eine Woche freigestellt.

Grünen-Fraktionschef Vogel rechnet nicht mehr mit der Eröffnung des Hauptstadtflughafens BER im Jahr 2017. „Bei Abbou schien das bereits durch“, so Vogel.

>>>"Also es reicht jetzt" - Netz-Reaktionen zum BER-Sprecher<<<

Der Verkehrsexperte der Brandenburger CDU, Rainer Genilke, hält eine Eröffnung 2017 ebenso für illusorisch. Er mutmaßt, Abbou sei interessiert daran, dass eine weitere Verschiebung des Starttermins möglichst bald, lange vor den Berliner Wahlen im Herbst bekannt gegeben wird. Dies könnte durchaus im Sinne von Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller (SPD) sein. Denn dieser hätte die meisten Probleme, wenn Flughafenchef Mühlenfeld eine Verschiebung zu nahe an den Wahlen bekannt geben würde.

Vertrauen und Glaubwürdigkeit wiedergewinnen

Unter dem Titel „Alles kommt raus“ hatte Abbou 100 Tage nach seinem Amtsantritt in schonungsloser Offenheit über Fehler, die „interne Angstkultur“ und „versenkte Milliarden“ gesprochen. „Die Berliner und Brandenburger haben ein Recht zu sehen, wo ihre Milliarden versenkt worden sind“, sagte Abbou, der seit Anfang 2016 Sprecher der gemeinsamen Flughafengesellschaft (FBB) Berlins, Brandenburgs und des Bundes ist.

Er kündigte an, er wolle mit der Praxis aufräumen, dass am BER immer alles schön geredet würde. Es gehe darum Vertrauen, Glaubwürdigkeit wiederzugewinnen. „Früher wurde meist gesagt: Nein es ist alles gut. Das ist Bullshit. Bekenne Dich dazu, wenn etwas scheiße gelaufen ist.“ Und er betonte: „Es kommt eh alles raus.“ Wörtlich sagte er: „Dazu hat die alte Flughafencrew zu viel verbockt, dafür sind zu viele Milliarden in den Sand gesetzt worden.“

Auch eine Eröffnung im zweiten Halbjahr 2017 zweifelte er an. „Kein Politiker, kein Flughafendirektor und kein Mensch, der nicht medikamentenabhängig ist, gibt Ihnen feste Garantien für diesen Flughafen."

Früher bei der Wall AG tätig

Der 45-jährige hatte erst Anfang des Jahres den bisherigen Flughafen-Kommunikationschef Ralf Kunkel abgelöst. Zuvor war er beim Außenwerber Wall als Leiter der politischen Kommunikation tätig. Früher arbeitete er als Journalist beim Südwestrundfunk, war dann in Berlin Sprecher in der Justiz- und später der Finanzverwaltung.Der SPD-Mann gilt als Aufpasser des Regierenden Bürgermeister und BER-Aufsichtsratschefs Michael Müller (SPD) in der Flughafengesellschaft.