Entlassung nach Interview

Ehrlicher BER-Sprecher Abbou hat dem Projekt geschadet

Daniel Abbou hat sich und dem BER mit seinem offenherzigen Interview keinen Gefallen getan. Ein Kommentar von Christine Richter.

Daniel Abbou, Leiter der Unternehmenskommunikation des Flughafens Berlin-Brandenburg

Daniel Abbou, Leiter der Unternehmenskommunikation des Flughafens Berlin-Brandenburg

Eigentlich kann es beim BER nicht mehr schlimmer kommen. Das dachte man zumindest nach den vielen Hiobsbotschaften in den vergangenen vier Jahren. Im Mai 2012 wurde die Eröffnung des künftigen Hauptstadtflughafens abgesagt, dann auf den Spätsommer, dann auf das nächste Jahr verschoben, dann wieder abgesagt und nochmal verschoben.

>>>Breite Unterstützung für Abbou<<<

Klaus Wowereit trat als BER-Aufsichtsratsvorsitzender zurück, dann übernahm Matthias Platzeck den Posten, der aber nach sechs Monaten auch wieder abtrat – und Wowereit kehrte auf den Posten zurück. Der Flughafenchef Rainer Schwarz musste gehen, es kam Hartmut Mehdorn, der auch alle paar Wochen mit neuen Vorschlägen (Tegel offenhalten, Nordpier eröffnen) Schlagzeilen machte, und schließlich aus Ärger über die Gesellschafter hinwarf. Auf ihn folgte Karsten Mühlenfeld, der auch so manche Hiobsbotschaft (600 Wände im BER-Terminal müssen eingerissen werden) produzierte. Man dachte also, schlimmer kann es gar nicht kommen. Und wurde jetzt wieder einmal eines Besseren belehrt.

>>>Flughafen feuert Pressechef nach Interview<<<

Daniel Abbou, der agile und kluge Pressesprecher der Flughafengesellschaft, der erst seit 100 Tagen im Amt ist, wurde mit sofortiger Wirkung freigestellt. Weil er ein wahrlich offenherziges Interview in einem PR-Magazin gegeben hat. Abbou sprach in dem Interview davon, dass „Milliarden beim BER versenkt“ wurden, er warf der „alten Flughafencrew“ vor, „zu viel verbockt“ und „zu viele Milliarden in den Sand gesetzt zu haben“. Er erklärte, dass kein Politiker, kein Flughafendirektor und „kein Mensch, der nicht medikamentenabhängig ist“, feste Garantien für den BER abgeben werde. Und als ob all dies nicht schon schlimm genug wäre, kommentierte Abbou schließlich Entscheidungen seines Chefs Mühlenfeld und erzählte, an einer Stelle sei der Punkt erreicht gewesen, „an dem ich meinen Kopf auf die Tischplatte geschlagen habe“. Aber, so Abbou, Mühlenfeld sei „absolut lern- und kritikfähig“. Schlimmer geht es nicht.

Vertrauensverhältnis zwischen Chef und Sprecher muss stabil sein

Sicherlich haben solche Äußerungen einen hohen Unterhaltungswert, weil kein Politiker das so öffentlich formulieren würde, und ja, beim Flughafen ist in den vergangenen Jahren viel, viel falsch gemacht worden. Man fragt sich nach wie vor, wie es zu diesen bis heute nicht gelösten Problemen bei der Brandschutzanlage kommen konnte, warum Politiker, Manager, Planer oder Konstrukteure nicht für ihre Fehler zur Verantwortung gezogen werden. Die Kosten von ursprünglich 2,5 Milliarden Euro sind wahrlich explodiert – voraussichtlich wird der künftige Hauptstadtflughafen den Steuerzahler rund sieben Milliarden Euro kosten.

Aber man wundert sich, wie einem solch erfahrenen Medienmann wie Daniel Abbou dieses Interview – das nicht abgesprochen war mit seinem Vorgesetzten Mühlenfeld – passieren konnte. Er war doch zum Flughafen geholt worden, um aufzupassen, dass in der Kommunikation keine Fehler mehr geschehen, dass erst nachgedacht und dann geredet wird. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller wollte Abbou am BER haben, denn Mühlenfeld gilt als Mann Brandenburgs. Doch das ist leider gründlich schiefgegangen.

>>>Reaktionen zum geschassten BER-Sprecher<<<

Abbou hat sich, aber auch dem Projekt BER keinen Gefallen getan. Und da geht es nicht darum, dass jetzt etwas verschleiert werden soll. Natürlich muss geklärt werden, ob es Schadenersatzforderungen an die Verantwortlichen der letzten Jahren geben kann. Natürlich muss offen gesagt werden, ob der BER im Herbst 2017 oder doch erst im Frühjahr 2018 eröffnet werden kann. Und diese Mitteilung muss bald erfolgen, nicht nach der Abgeordnetenhauswahl am 18. September, um den Regierenden Bürgermeister und BER-Aufsichtsratsvorsitzenden Michael Müller (SPD) im Wahlkampf zu schonen. Aber auch das hätte Abbou wissen müssen: Bei solch einem schwierigen Projekt wie dem BER muss das Vertrauensverhältnis zwischen Chef und Pressesprecher stabil sein – und auch vertraulich.