Theater in Berlin

„Die Kudamm-Bühnen werden beerdigt“

Der Investor hält an den Plänen für einen Neubau im Keller fest, gibt sich aber bei der Gestaltung des Innenraumes kompromissbereit.

Martin Woelffer, Direktor des Theaters und der Komödie am  Kurfürstendamm

Martin Woelffer, Direktor des Theaters und der Komödie am Kurfürstendamm

Foto: Reto Klar

Die Zukunft der von Martin Woelffer geleiteten Kudammbühnen ist ungewiss, aber jetzt wird sie geprüft: Was die Regierungskoalition als Erfolg betrachtet, bezeichnet die Opposition im Abgeordnetenhaus als „super ärgerlich“. Sabine Bangert, die kulturpolitische Sprecherin der Grünen, geht noch einen Schritt weiter. Aus ihrer Sicht haben SPD und CDU in der Sitzung des Kulturausschusses am Montag die „Kudammbühnen mehr oder weniger beerdigt“, sagte die Politikern am Dienstag gegenüber der Berliner Morgenpost.

Gemeinsam mit der Linkspartei wollten die Grünen den Senat auffordern, die Komödie und das Theater am Kurfürstendamm wegen der theatergeschichtlichen Bedeutung unter Denkmalschutz zu stellen. Das hätte die Pläne des neuen Investors Cells durchkreuzt, der das Kudamm-Karree umbauen, die alten Bühnen abreißen und ein neues Theater bauen will.

Senat prüft, wie der Theaterbetrieb erhalten werden kann

Dieser Antrag wurde durch einen neuen ersetzt, den SPD und CDU einbrachten. Die Regierungskoalition fordert damit den Senat auf, zu prüfen, wie der „Theaterbetrieb am Kudamm erhalten werden kann“ – eine Formulierung, die offen lässt, ob es künftig eine oder zwei Bühnen gibt –, welche Kosten dann entstehen und wie eine Übergangslösung, also ein Ausweichquartier für die Zeit der Bauarbeiten, aussehen könnte, wie die SPD-Abgeordnete Brigitte Lange am Dienstag sagte. Bis zum 10. Juni 2016 soll die Antwort vorliegen, drei Tage später tagt der Kulturausschuss das letzte Mal vor der Sommerpause – danach beginnt der Wahlkampf.

Da die Kudammbühnen künftig Miete zahlen müssen – nach einer Vereinbarung mit dem alten Eigentümer des Kudamm-Karrees sind sie davon bis zum Baubeginn befreit –, geht Brigitte Lange davon aus, dass der Zuschuss des Landes von derzeit 230.000 Euro pro Jahr deutlich erhöht werden muss. Beispielsweise über einen Nachtragshaushalt, denn der Etat für 2016/17 ist schon verabschiedet. Aus Sicht von Sabine Bangert funktioniert das nicht. Der Investor habe signalisiert, bereits im Sommer mit den Arbeiten beginnen zu wollen.

Thomas Elsholtz, Cells-Sprecher für dieses Projekt, setzt auf den „Dialog mit allen Beteiligten“. Cells möchte einen Mietvertrag für „15 bis 20 Jahre“ für das Theater abschließen und gibt sich offen für bauliche Modifikationen. Denkbar sei, einen Neubau im Stil der Komödie, also ein rangloses Theater mit Balkonen, zu errichten. An der Lage im Keller aber hält Cells demnach fest.