Berlins City West

Chipperfield-Entwurf für Kudamm-Karree vom Tisch

Die Münchner Cells Bauwelt GmbH hat die Immobilie am Kurfürstendamm übernommen. Über die Pläne des neuen Eigentümers wurde gerätselt, nun gibt es ein wenig Klarheit.

Foto: © David Chipperfield Architects

Cells Bauwelt, die neuen Eigentümer des Kudamm-Karrees, die das Gebäudeensemble Ende 2014 vom irischen Vorbesitzer Ballymore erworben haben, werden den Entwurf des Architekten David Chipperfield nicht umsetzen. Sie möchten weniger neu bauen, sondern mehr vom Bestand erhalten.

Marc Schulte (SPD), Stadtentwicklungsstadtrat von Charlottenburg-Wilmersdorf, sagte am Dienstagabend beim Treffen der IG "Kurfürstendamm e.V." im Hotel Kempinski, dass er bei einem Treffen mit Vertretern von Cells Bauwelt am Montag den Eindruck gewinnen konnte, dass es mit dem Projekt planerisch endlich weiter geht.

Cells Bauwelt wüsste zudem, dass für die Bezirksverordneten der Erhalt der Kudamm-Bühnen – Theater und Komödie – Priorität habe. Ob ein Theater erhalten bleibe oder der Kompromiss mit einem Ersatzbau favorisiert werde, konnte Schulte noch nicht sagen. "Ich bin nicht euphorisch. Dazu dauert alles viel zu lange, aber man kann konstruktiv zusammenarbeiten", so Schulte.

Komplex steht an einer der besten Adressen des Kudamms

Der neue Eigentümer will das marode Gebäudeensemble aus den 70er-Jahren für seine Investoren umbauen. Der riesige Komplex zwischen Uhlandstraße, Kurfürstendamm und Lietzenburger Straße mit dem 20 Stockwerke hohen Bürogebäude steht an einer der besten Adressen des Kurfürstendamms, dümpelt allerdings schon Jahre vor sich hin.

Ob Cells das Parkhaus abreißen will wie der Voreigentümer, scheint zweifelhaft. Schulte will am heutigen Mittwoch zunächst den Stadtentwicklungsausschuss über Details informieren, sagte aber bereits: "Ein Abriss würde natürlich unglaublich Kosten verursachen. Städtebaulich aber ist das Parkhaus eine Katastrophe. Ob da eine Fassadenreparaturen ausreicht, muss man prüfen."

Kurfürstendamm führende Position in Berlin ausgebaut

Trotz des noch anstehenden Umbaus des Kudamm Karrees hat der Kurfürstendamm weiterhin eine magische Anziehungskraft auf Luxuslabel. Agent Provocateur, Bottega Veneta, Dolce & Gabbana, Mulberry und Prada sind prominente Neuzugänge, die belegen: Der Kurfürstendamm hat seine führende Position als Adresse für Luxusmarken in Berlin ausgebaut. "Das Intermezzo in Richtung Friedrichstraße als Zweitstandort für Luxus ist nahezu beendet", urteilt Andreas Kogge vom Immobiliendienstleiser Jones Lang LaSalle (JLL).

Seit drei Jahren sei der Luxusbereich des Kudamms wieder erste Wahl für entsprechende Anbieter. Der einstige Abstand zu den führenden Luxusboulevards in Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg und München sei mittlerweile ausgeglichen. Dies lasse sich auch an den Spitzenmieten ablesen. Führend sei dabei noch immer die Düsseldorfer Königsallee mit einer Spitzenmiete von 3420 Euro pro Quadratmeter und Jahr. Auf Platz zwei liege nun der Kurfürstendamm mit 3360 Euro pro Jahr und Quadratmeter.

Auch wenn die Mieten in den wichtigsten Einkaufsstraßen der deutschen Städte nicht gerade wie ein Schnäppchen wirken – im westeuropäischen Vergleich sind sie es. Die teuerste Luxusmeile ist nach JLL-Angaben die New Bond Street in London. Ein Quadratmeter Ladenfläche ist dort mit einer Jahresmiete von bis zu 12.300 Euro zu bezahlen. Dass die Luxusanbieter innerhalb Berlins den Kurdamm bevorzugen, ist nach Auffassung Kogges vor allem drei Faktoren geschuldet: "Schöne, historische Häuser, eine hohe Kaufkraft am Ort und eine hohe Frequenz flanierender Touristen." All dies biete der Kudamm mit seinen prächtigen Gründerzeit-Häusern in nahezu perfekter Weise.

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