Digitalfunk

Polizeifunk-Chaos in City West und Einkaufszentren

Polizisten müssen während eines Einsatzes miteinander reden können. Doch Funklöcher an bestimmten Orten Berlins erschweren die Arbeit.

Eine Polizistin hält ein digitales Funkgerät in der Hand. Mit den Geräten sind Berliner Polizisten häufig im Funkloch

Eine Polizistin hält ein digitales Funkgerät in der Hand. Mit den Geräten sind Berliner Polizisten häufig im Funkloch

Foto: Oliver Berg / dpa

Um schwerwiegende Kommunikationsprobleme bei der Berliner Polizei in den Griff zu bekommen, muss offenbar bei den Basisstationen für den Digitalfunk massiv aufgerüstet werden. Die Umstellung von analogem auf digitalen Funk war mehrfach verschoben worden. Ursprünglich sollte er zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 einsatzbereit sein. Aufgrund von Schwierigkeiten mit der Netzabdeckung wurde dann das Jahr 2011 als Zieleinlauf für das rund 50 Millionen Euro teure Projekt der Umstellung genannt. 2013 ist in einer Vorlage des Senats von Restarbeiten, die im Jahr 2015 erfolgen sollten, die Rede.

Das Vorstandsmitglied der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Stephan Kelm, übt Kritik: „Es kann doch nicht sein, dass wir über eine kooperative Leitstelle sprechen und die technische Grundlage dafür einfach nicht funktioniert. Wir müssen hier deutlich nachrüsten, und es ist die Pflicht des Dienstherrn, dies zu tun.“ Das wiederum wird zu weiteren Verzögerungen führen, denn bis eine Funkstation betriebsbereit ist, vergehen erfahrunggsgemäß allein für die Planung mindesten zwei Jahre.

Im Tiergartentunnel funktionieren die Geräte meistens nicht

Während die Funkwagen auf den Straßen im digitalen Sprechfunkverkehr mit der Leitstelle kaum Probleme haben, gibt es bei den Handfunkgeräten massive Schwierigkeiten. „Müssen Polizeibeamte zu Einsätzen in Wohnungen, in Einkaufscenter, zu Verkehrsunfällen etwa im Tiergartentunnel, funktionieren die Geräte in den allermeisten Fällen nicht mehr“, sagt ein Funkexperte der Polizei. Es liege an der deutlich zu knapp bemessenen Zahl von Basisstationen. Als Beleg dafür führt er das Regierungsviertel an. Dort sei die Versorgung mit Stationen so gut, dass es auch mit den Handfunkgeräten keinerlei Probleme gebe. Doch in den Plattenbausiedlungen in Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg stehen die Anlagen oft im Schatten der Hochhäuser. Die Funkwellen dringen dann nicht durch.

Weitere Hochhäuser können die Situation verschärfen

Funkstille kann auch mitten auf dem Breitscheidplatz herrschen. Dort seien nach dem Bau des Waldorf Astoria massive Probleme aufgetreten. „Steht eine Polizeistreife in einer Menschenmenge, sind die Beamten oft abgeschnitten von ihren Kollegen und der Einsatzleitzentrale“, berichtet ein Beamter. Er befürchtet, dass sich die Situation mit dem Bau des Hochhauses Upper West weiter verschlechtern werde. Weitere Beispiele sind das Gesundbrunnencenter und das Gebiet rund um die Spandauer Arcaden, einem Kriminalitätsschwerpunkt.

Ein Schlaglicht auf das Funk-Chaos wirft die Amokübung im Juli 2015 am Marcel-Breuer-Oberstufenzentrum in Weißensee mit Beamten von Spezialeinheiten, Feuerwehr und Rettungsdiensten. Bevor die Einsatzkräfte die Schule stürmen konnten, ist nach Informationen der Berliner Morgenpost das digitale Funknetz in der Region zusammengebrochen. Ein Experte erklärt das damit, dass zu viele Endgeräte auf nur eine Basisstation zugegriffen hätten. Auch die Feuerwehr habe massive Funkprobleme bei Einsätzen etwa in Tiefgaragen oder bestimmten größeren Gebäudekomplexen, da die Systeme identisch sind, sagt ein Digitalfunkexperte der Polizei.