Umbau

Experten wollen Berliner St. Hedwigs-Kathedrale retten

70 namhafte Experten aus dem In- und Ausland unterzeichnen ein Schreiben für den Erhalt der Bischofskirche in Mitte.

Wird die Öffnung der St. Hedwigs-Kathedrale geschlossen? Gegen die radikalen Umbaupläne und die Teilzerstörung der denkmalgeschützten Raumfassung aus der Zeit der Nachkriegsmoderne gibt es immer mehr Protest

Wird die Öffnung der St. Hedwigs-Kathedrale geschlossen? Gegen die radikalen Umbaupläne und die Teilzerstörung der denkmalgeschützten Raumfassung aus der Zeit der Nachkriegsmoderne gibt es immer mehr Protest

Foto: picture alliance / ZB / Soeren Stache

Mit einem Last-Minute-Appell an Berlins Erzbischof Heiner Koch wenden sich jetzt mehr als 70 namhafte Fachleute der Bereiche Denkmalpflege, Architektur, Kulturelles Erbe und Erinnerungspolitik gegen den geplanten und äußerst umstrittenen Umbau der St. Hedwigs-Kathedrale in Mitte. Die prominenten Unterzeichner des Schreibens, das der Berliner Kunsthistoriker Adrian von Buttlar verfasst hat, bitten den Bischof, den Brief "als ernsthaften Versuch aufzufassen, durch gewichtige Argumente für den Erhalt von St. Hedwig Schaden nicht nur vom Baudenkmal, sondern auch von der Institution der Katholischen Kirche abzuwenden".

Statt der geplanten radikalen Umbauten, der die Nachkriegsgeschichte des bedeutenden Baudenkmals bewusst zerstöre, plädieren die Unterstützer für "minimalinvasive denkmalgerechte Sanierung und Modernisierung des Baudenkmals", die den als Meisterwerk der Moderne geltenden Raum erhalte, was zudem auch weitaus günstiger wäre.

Intakte Gestaltung aus Nachkriegsjahren soll beseitigt werden

Der von der katholischen Kirche favorisierte Umbau nach einem noch von Bischof Rainer Maria Woelki ausgelobten Architekturwettbewerb ermittelten Entwurf sieht aber die vollständige Beseitigung der weitgehend intakten und denkmalgeschützten Gestaltung aus den Nachkriegsjahren vor.

Die besondere Raumfassung des Architekten Hans Schwippert stellt nach Auffassung von Experten ein herausragendes Denkmal der deutsch-deutschen Nachkriegsgeschichte dar. Schwippert bereicherte den einstmals friderizianischen Zentralraum durch eine den Seligen Patres Lichtenberg und Werhun gewidmete Öffnung in der Unterkirche und verband Unterkirchen- und Hauptkirchenaltar.

Angaben über Kosten des Umbaus unterscheiden sich

Just diese Öffnung soll aber nun geschlossen werden, zudem ist der Bau einer neuen und Tiefsakristei geplant. Diese Pläne stoßen zwar bei Gemeindemitgliedern sowie bei Bauexperten im In- und Ausland auf Kritik und werden zudem in jüngsten Gutachten als liturgisch nicht für notwendig erachtet. Dieser Umbau erhielt aber Ende Februar die Zustimmung vom Diözesanrat des Erzbistums.

Wie berichtet, werden die Kosten einer Sanierung seitens des Erzbistums auf 16 Millionen Euro geschätzt, andere Schätzungen gehen von etwa 4,2 Millionen Euro aus. Die geplanten Umbauten sind bislang mit 43 Millionen Euro veranschlagt, was von Kritikern angesichts der erforderlichen Gründungsarbeiten im Erdreich aber als zu gering betrachtet wird. Für die Finanzierung sollen zudem öffentliche Mittel eingestellt werden. Erzbischof Koch wird voraussichtlich im April über den Umbau entscheiden.

Der Appell steht auf der Homepage der Freunde der Hedwigskathedrale www.freunde-hedwigskathedrale.de

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