Motorsport

Mit 230 Sachen über die Karl-Marx-Allee

Mitten in der Stadt: Der Internationale Motorsport-Verband Fia präsentiert am 21. Mai die Weltmeisterschaft in der Formel E.

Optimistisch: Alejandro Agag (l.), Formel-E-Promoter bei der Formel E, und Fahrer Daniel Abt posieren im Innenhof des Roten Rathauses auf einem Formel-E--Wagen

Optimistisch: Alejandro Agag (l.), Formel-E-Promoter bei der Formel E, und Fahrer Daniel Abt posieren im Innenhof des Roten Rathauses auf einem Formel-E--Wagen

Foto: DAVIDS/Sven Darmer

Berlin.  Zumindest der Fernsehturm ist schon elektrisiert. Aus dem Wahrzeichen am Alexanderplatz schlagen fröhliche Blitze, glaubt man zumindest dem ersten Plakatentwurf, mit dem der Internationale Motorsport-Verband (Fia) seinen Berlin ePrix am 21. Mai auf der Karl-Marx-Allee bewirbt.

Zum zweiten Mal also macht die Formel E, die Rennserie für Elektrorennwagen, Station in Berlin – und doch ist in diesem Jahr einiges anders. Weil das Tempelhofer Feld, 2015 Schauplatz des ersten Rennens, diesmal wegen der Erweiterungsbauten für die Flüchtlinge keinen Platz mehr bietet, musste ein Ersatzstandort her.

Berlin sollte es unbedingt wieder sein, ist es doch die einzige deutsche Station der internationalen Rennserie, die von Peking über Mexiko und Paris bis London die Metropolen der Welt vom Renn-Reiz der Elektromobilität überzeugen soll.

Große Namen berühmter Söhne

Namen wie Piquet, Prost und Senna, die Söhne der Formel-Eins-Größen, steuern die bis zu 230 Kilometer schnellen Boliden, die äußerlich an Formel-Eins-Wagen erinnern, aber wegen ihres Elektromotors nicht nur leiser sind, sondern auch aus dem Stand heraus ein größeres Drehmoment haben als die röhrenden Formel-Eins-Maschinen.

Attraktiv genug, um 2015 20.000 Zuschauer auf das Tempelhofer Feld zu locken, abgesehen von der Aufmerksamkeit, die das Rennen und damit die Stadt durch die TV-Bilder weltweit und Einträge in den sozialen Medien erreicht.

„Wir hatten in der ersten Saison 200 Millionen Zuschauer“, sagt Alejandro Agag, Fia-Chef-Promoter der Formel E, jetzt bei der Präsentation der neuen Rennstrecke im Roten Rathaus. Und: „Wir waren sehr glücklich, dass die zuständige Senatsabteilung uns die Strecke auf der Karl-Marx-Allee als Alternative angeboten hat. Für uns hat Berlin eine besondere Bedeutung. Es ist ein historisches Rennen.“

20 Fahrer in zehn Teams sind in Berlin im Einsatz

Das stimmt, denn ein reines Autorennen innerhalb der Stadt hat es zuletzt auf der altehrwürdigen Avus gegeben, die ab 1921 Schauplatz für diverse Rennserien von der Formel Eins bis zur Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft gewesen ist, bevor sie 1999 vom Lausitzring, 115 Kilometer südlich der Hauptstadt, abgelöst wurde.

Damals drehten brüllende Boliden vor dem Funkturm ihre Runden und bauten den ein oder anderen spektakulären Unfall. Diesmal sind 20 Fahrer in zehn Teams im Einsatz um Punkte für die Weltmeisterschaft in der Formel E – und, geht es zumindest nach den Veranstaltern und Gastgebern, im Kampf, für eine bessere Welt.

Und das klingt dann so: „Das ist ein großes Event, das Innovation mit mehr Nachhaltigkeit in der Mobilität verbindet,“ sagt etwa Cornelia Yzer, Senatorin für Wirtschaft, Technologie und Forschung, über das „Format, das perfekt in den Event-Kalender der Hauptstadt passt.“

Für eine bessere Welt

Sie freue sich über „weltweite Fernsehbilder als globales Testfeld“, man wolle „Innovationstreiber“ sein für ein Ereignis, das im Gegensatz zu den früheren Avus-Rennen „nachhaltiger und umweltverträglicher“ sei.

Alejandro Agag geht noch einen Schritt weiter: „Wir haben den Anspruch, die E-Mobilität weiter voranzutreiben. Erst wenn alle Autos elektrisiert sind, dann ist die Welt eine bessere Welt.“ Die Formel E sieht er dabei als Vorbild.

„Was wir heute in den Rennen haben, finden wir später auf der Straße.“ Traten in der ersten Saison alle Teams noch mit den gleichen Fahrzeugen und dem gleichen Antrieb an, muss in der zweiten Saison (Berlin ist die achte von elf Stationen) die Antriebstechnologie nicht mehr einheitlich sein und darf weiterentwickelt werden.

Gespräch mit elf Herstellern

Sieben Hersteller haben neue Lösungen für Motor, Inverter und Getriebe entwickelt. Und: „Wir sind im Gespräch mit elf anderen Herstellern“, sagt Agag. Es tut sich also etwas in der Formel E, der kleinen Elektro-Tochter der Formel Eins, und Berlin will da am Ball bleiben.

Deswegen wurde mit Hochdruck an einer Alternativlösung für das Tempelhofer Feld gearbeitet. Nach langem Entscheidungsprozess habe ihre Abteilung zusammen mit dem Senat für Stadtentwicklung sich einstimmig für die Karl-Marx-Allee als Standort entschieden, sagt Senatorin Yzer.

Die Allee wird rund um das Rennen für 36 Stunden gesperrt

Das bleibt nicht ohne Folgen für die Berliner: Gut eine Woche sollen die Aufbauarbeiten dauern, die Karl-Marx-Allee muss dann rund um das Event 36 Stunden gesperrt werden. Das Rennen führt über 2,030 Kilometer und elf Kurven von der Karl-Marx-Allee über Lichtenberger Straße und Strausberger Platz zurück auf die Karl-Marx-Allee, wo sich auch die Boxengasse befindet.

„Ein Teil der Strecke wird von uns neu asphaltiert, sodass wir dann weniger Schlaglöcher haben“, verspricht Frédéric Bertrand, Fia-Director of Circuit Championship. Die Tribünen stehen entlang der Karl-Marx-Allee und sollen 4000 Zuschauer fassen, insgesamt sollen samt Stehplätzen an der Strecke 20.000 Zuschauer die Rennstrecke säumen.

Tickets zwischen 19 und 80 Euro

„Eine Strecke mit Charakter und dicht bei den Fans“, freut sich Daniel Abt, neben Nick Heidfeld einer von zwei deutschen Fahrern im Feld. „Auf den Geraden kann man gut überholen.“ Das Rennen startet um 16.04 Uhr, um 17.05 Uhr ist die Siegerehrung. Tickets (www.ticketmaster.com) kosten zwischen 19 und 80 Euro.

Wegen Bauarbeiten fährt allerdings die U5 nicht, die BVG plant aber einen Schienenersatzverkehr. Die Avus war zwar eine Alternative zur Karl-Marx-Allee. Doch am 21. Mai ist sie eine wichtige Zufahrtsstraße. Dann findet neben dem Berlin ePrix auch noch das DFB-Pokalfinale statt. Dann leuchtet das Olympiastadion mit dem Fernsehturm um die Wette.