Formel-E-Rennen in Berlin

Auto-Rennen: Karl-Marx-Allee könnte zur Rennstrecke werden

Mit Tempo 230 durch die Innenstadt preschen? FIA und Senat suchen einen neuen Standort für die Austragung des Formel-E-Rennens.

Ein YouTube-Video auf dem Kanal "FIA Formula E Championship" zeigt die geplante Strecke in der Innenstadt

Ein YouTube-Video auf dem Kanal "FIA Formula E Championship" zeigt die geplante Strecke in der Innenstadt

Foto: FIA Formula E Championship

Die Formula e – die Weltmeisterschaft für Elektro-Rennwagen – will auch in diesem Jahr wieder Station in Berlin machen. Der Termin für das Rennen steht bereits auf der Internetseite des Motorsportverbandes FIA.

Demnach sollen die neun Teams der Rennserie am 21. Mai in der deutschen Hauptstadt um Punkte fahren. Ein konkreter Veranstaltungsort fehlt allerdings noch. Bei der Premiere im Vorjahr waren die bis zu 272 PS starken Elektro-Renner noch über das Tempelhofer Feld gerast. Doch da in den Hangars inzwischen Tausende Flüchtlinge Quartier bezogen haben, fällt das ehemalige Flughafengelände als Veranstaltungsort aus.

Es werde „mit Hochdruck“ an einer Lösung gearbeitet, sagte die Pressesprecherin des Stadtentwicklungssenators Andreas Geisel (SPD), Petra Rohland, am Montag. Als Favorit für einen alternativen Austragungsort für das Rennen gilt demnach die Karl-Marx-Allee in der östlichen Innenstadt.

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Straßenverkehrsordnung verbietet Autorennen auf öffentlichen Straßen

Die Straßenverkehrsordnung verbietet Autorennen auf öffentlichen Straßen. Möglich ist dies nur mit einer kompletten Absperrung und einer Sondergenehmigung durch die Verkehrslenkung Berlin (VLB). Eine Genehmigung der VLB steht aber noch aus.

„Dazu muss vom Veranstalter erste einmal ein Antrag gestellt werden, den wir prüfen können“, sagte Rohland. Es habe dafür aber bereits intensive Vorgespräche gegeben, an denen auch die betroffenen Bezirke Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg beteiligt gewesen seien.

Erstmals sind am 23. Mai 2015 die ausschließlich angetriebenen Rennautos in Berlin um Weltmeisterschaftspunkte gefahren. Rund 20.000 Besucher waren damals auf das Tempelhofer Feld gekommen, um bei der umweltfreundlichen Alternative zum Formel-1-Zirkus dabei zu sein.

Doch weil die Flughafen-Hangars auch auf längere Sicht hinaus zur Unterbringung von Flüchtlingen gebracht wird, hatte der Senat bereits Ende des vorigen Jahres alle in diesem Jahr in Tempelhof geplanten Veranstaltungen abgesagt.

Seither sucht die FIA nach alternativen Austragungsorten für den deutschen ePrix, auch außerhalb von Berlin. Laut Serienboss Alejandro Agag sind auch München und der Norisring in Nürnberg in der engeren Wahl.

Berlin der einzige Standort in Deutschland

Der Senat will die prestigeträchtige Formel E jedoch gern in Berlin halten. Wird doch überhaupt nur eines von insgesamt elf Rennen der Serie überhaupt in Deutschland gefahren.

Andere Veranstaltungsorte sind unter anderem die Weltmetropolen Peking, Buenos Aires, Mexiko-Stadt, Moskau,Paris oder London, wo am 2. und 3. Juli das Finale der Rennserie stattfinden wird. Für alle anderen Städte steht die konkrete Veranstaltungsorte übrigens längst fest.

Nach den Vorstellungen der FIA soll das Rennen in Berlin über einen etwa zwei Kilometer langen Rundkurs führen, der beide Seiten der Karl-Marx-Allee, Teile der Lichtenberger Straße und den Strausberger Platz umfasst. Start und Ziel soll dann in Höhe des Kinos International (nahe U-Bahnhof Schillingstraße) sein. Dort könnten Zuschauer Tribünen für bis zu 14.000 Sportbegeisterte stehen. Zum Schutz der Besucher sind auch Fangzäune und Leitplanken geplant.

Für die Anrainer der Karl-Marx-Allee wäre ein Autorennen eine Premiere. Zu DDR-Zeiten wurde der einst als Stalinallee angelegte Vorzeige-Boulevard aber bereits für Militärparaden und Radrennen genutzt.

Durchaus kritisch sieht die Pläne der Bezirk Mitte, auf dessen Gebiet die Karl-Marx-Allee größtenteils liegt. „Ich begrüße alles, was zur Förderung der Elektromobilität beiträgt“, sagte der für Verkehr zuständige Carsten Spallek (CDU). Von Autorennen in der Innenstadt halte er aber grundsätzlich nichts. „Gerade nachdem es bei einem illegalen Autorennen auf der Tauentzienstraße einen Toten gegeben hat, ist zu fragen, ob es ein glückliches Signal ist, Autos mit 230 km/h über die Karl-Marx-Allee rasen zu lassen.“

Dies müssten aber am Ende der Veranstalter und der Senat entscheiden, der für die Genehmigung zuständig ist.