Filzvorwürfe

McKinsey geht auf Distanz zum Berliner Senat

Konsequenz aus den Filzvorwürfen: Das Beratungsunternehmen McKinsey beendet den Pro-Bono-Vertrag für das Berliner Lageso.

Das Lageso in Berlin-Moabit: Das Beratungsunternehmen McKinsey hat die Zusammenarbeit mit dem Land Berlin beendet

Das Lageso in Berlin-Moabit: Das Beratungsunternehmen McKinsey hat die Zusammenarbeit mit dem Land Berlin beendet

Foto: Gregor Fischer / dpa

Das Beratungsunternehmen McKinsey beendet die Zusammenarbeit mit dem Land Berlin. Senatssprecherin Daniela Augenstein bestätigte der Berliner Morgenpost, dass McKinsey den Pro-Bono-Vertrag für das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) vor dem Hintergrund der aktuellen Ereignisse mit sofortiger Wirkung beendet hat. Nicht betroffen davon ist die Tätigkeit des amtierenden Lageso-Chefs Sebastian Muschter, bis Januar leitender Mitarbeiter bei McKinsey.

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) war in die Kritik geraten, weil McKinsey den ehemaligen Justizstaatssekretär Lutz Diwell (SPD) seit Januar als Berater beschäftigt, dies aber im Abgeordnetenhaus oder in der Öffentlichkeit nicht thematisiert wurde. Der Senat hatte McKinsey beauftragt, beim Masterplan zur Integration der Flüchtlinge mitzuhelfen und dem Unternehmen dafür 238.000 Euro gezahlt. Diwell arbeitete an diesem Konzept mit.

Opposition wirft Senat Vetterwirtschaft vor

Die Opposition wirft dem Senat Vetternwirtschaft vor. Müller bestreitet, Einfluss auf McKinsey ausgeübt zu haben, den SPD-Mann Diwell zu beschäftigen. „Von mir oder über mich hat es keinerlei Einfluss gegeben, dass Herr Diwell Aufträge von McKinsey bekommt“, hatte Müller am Donnerstag im Abgeordnetenhaus gesagt.

Auch der Chef der Senatskanzlei, Björn Böhning (SPD), verteidigte das Engagement McKinseys in der Flüchtlingsfrage. Er stehe dazu, dass sich die Verwaltung in schwierigen Fragen von externen Fachleuten beraten lassen sollte. In einem Brief an das Parlament bot Böhning am Freitag an, in einer Sondersitzung des Hauptausschusses Auskunft über den umstrittenen Beratervertrag zwischen der Senatskanzlei und McKinsey zu geben. Auf Wunsch der Regierungsfraktionen SPD und CDU war das Thema in dieser Woche von der Tagesordnung des Hauptausschusses genommen worden. Die Grünen haben einen Katalog mit offenen Fragen an den Regierenden Bürgermeister gerichtet. Unter anderem soll Müller darüber Auskunft geben, warum Diwell nicht als Staatssekretär reaktiviert wurde, sondern als hoch dotierter Berater tätig war. Nach Informationen der Morgenpost hat Diwell für seine Tätigkeit 30.000 Euro erhalten.

CDU fordert zügige Aufklärung

Koalitionspartner CDU fordert eine zügige Aufklärung. Fraktionsvize Stefan Evers betonte, er habe keinen Anlass, die Integrität von Michael Müller infrage zu stellen. Allerdings bleibe die Rolle der Senatskanzlei fragwürdig. Die Vorgänge müssten auch untersucht werden, um Zweifel auszuräumen, dass im Roten Rathaus eine „Füreinander-Kultur“ herrsche, sagte Evers.

Die jetzt beendete Tätigkeit hat aber nichts mit dem Masterplan und dem Beratervertrag zu tun. McKinsey half, die chaotischen Zustände am Lageso in den Griff zu bekommen. Die Nachricht über das sofortige Ende der Kooperation traf die Sozialverwaltung vollkommen unerwartet. „Der Einsatz der Beratungsleistung von McKinsey hat dazu beigetragen, dass die Abläufe und Prozesse am Lageso, in der Erstaufnahme der Geflüchteten und der Leistungsgewährung verbessert werden konnten“, sagte Sprecherin Regina Kneiding. „Daher bedauert die Senatsverwaltung den Schritt des Beratungsunternehmens.“

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