Wirbel um Diwell

Das sagt der Chef der Senatskanzlei zu den Filzvorwürfen

Berlins Opposition spricht von Filz und Mauschelei. Im Interview stellt sich Björn Böhning, Chef der Senatskanzlei, der Kritik.

Senatschef Michael Müller (r., SPD) und Björn Böhning, Chef der Berliner Senatskanzlei, am Donnerstag

Senatschef Michael Müller (r., SPD) und Björn Böhning, Chef der Berliner Senatskanzlei, am Donnerstag

Foto: Bernd Von Jutrczenka / dpa

Der Vertrag zwischen dem Senat und den Unternehmensberatern von McKinsey hat einen Sturm der Entrüstung bei der Opposition hervorgerufen.

Im Interview mit der Berliner Morgenpost stellt sich der Chef der Senatskanzlei, Björn Böhning, der Kritik.

Berliner Morgenpost: Herr Böhning, es gibt öffentlichen Aufklärungsbedarf über einen Beratervertrag des Senats mit McKinsey. Können sie die Aufregung nachvollziehen?

Björn Böhning: Nein, ich verstehe die Aufregung nicht. McKinsey ist seit Sommer beim Lageso engagiert, hilft beim Flüchtlingsmanagement und hat da pro bono hervorragende Arbeit geleistet. Wir haben auf eine Beratungsleistung bei der Integration gesetzt, weil McKinsey tiefgründige Erfahrungen über die prognostizierten Zahlen und Ankünfte hat. Das ist für die Erstellung eines Masterplans dringend erforderlich.

>> Kommentar: Es gibt weiter Klärungsbedarf

Es geht nicht nur um McKinsey, sondern auch um den ehemaligen Staatssekretär Lutz Diwell. Seit wann arbeitete Diwell für die Senatskanzlei?

Herr Diwell hat die Senatskanzlei im vergangenen Jahr beraten, bei der Frage nach der Beschleunigung der Asylverfahrensgesetze im Land Berlin. Danach hat keine Zusammenarbeit mehr mit der Senatskanzlei stattgefunden.

Das wurde honoriert?

Es gab ein Rechtsgutachten für mich zum Thema Verfahrensbeschleunigungen für einen vierstelligen Betrag. Ansonsten hat er mit Ratschlägen ehrenamtlich zur Verbesserung der Flüchtlingssituation insgesamt beigetragen.

Wie sind Sie überhaupt auf Diwell gekommen?

Herr Diwell ist ein anerkannter Fachmann in der Innenpolitik und des Asylgesetzes. Ich verrate Ihnen jetzt einmal ein Geheimnis: Er ist nicht der einzige, der immer mal wieder auch seine Expertise der Senatskanzlei zukommen lässt, unentgeltlich.

Wann wurde McKinsey beauftragt?

McKinsey wurde am 5. Januar beauftragt. Ab diesem Datum haben sie auch angefangen, als die Fragen der Vergütung und die Eckdaten des Auftrages klar waren.

Das haben alles Sie in Auftrag gegeben?

Ja. Und im Januar hat uns McKinsey davon in Kenntnis gesetzt, dass sie Herrn Diwell als einen der Berater in ihr Team nehmen.

Gab es Hinweise vom Senat an die Beratungsfirma McKinsey, bestimmte Personen bei der Auftragsvergabe zu beschäftigen?

Nein, es gab keine Vorgaben.

Wann hat Michael Müller von dem Beratervertrag für McKinsey erfahren?

Über die Vergabe-Entscheidung ist der Regierende Bürgermeister im Januar nach der Senatsklausur informiert worden.

Hätten da nicht Alarmglocken klingen müssen, als Sie erfuhren, dass der alte SPD-Staatssekretär Lutz Diwell da mit im Boot ist, wo Sie doch McKinsey beauftragt haben?

Diwells Expertise erschien mir offensichtlich – erst recht mit seiner Erfahrung.

War Ihnen nicht klar, dass das Wellen schlagen würde?

Im Nachhinein ist man immer schlauer.

Warum wurde das nicht öffentlich gemacht?

Mit Verlaub! Die Senatskanzlei hat den Vertrag öffentlich gemacht. Nämlich durch Berichte an den Hauptausschuss und die Möglichkeit der Einsichtnahme für den Hauptausschuss. Niemand anderes als die Senatskanzlei hat die Öffentlichkeit Anfang Februar informiert.

Arbeitet Herr Diwell derzeit noch für den Senat?

Der Vertrag mit McKinsey ist zu Ende.

Haben Sie Kenntnis von einer weiteren Zusammenarbeit Diwells aus der Vergangenheit mit dem Senat?

Ich nicht.

Würden Sie wieder eine externe Beratung beauftragen?

Ja, das würde ich. Wissen Sie, vor wenigen Monaten hatten wir eine absolute Krisensituation. Nicht wenige Medien haben geschrieben, wir sollten doch nach externer Unterstützung Ausschau halten – gern auch ohne monatelange Vergabeverfahren. Ich stehe dazu, dass die Verwaltung sich auch Beratung und Unterstützung von außen holen sollte. Es kommt nur darauf an, ob jemand außerhalb der Verwaltung helfen kann. Dann sollte man darauf zu gehen.