Fahrradmarkt

Berlin ist noch nicht bereit für den Boom der E-Bikes

In Deutschland sind im vergangenen Jahr 4,3 Millionen Räder verkauft worden. In Berlin ist das E-Bikes noch nicht wirklich angekommen.

Mit E-Bikes ist man im Berliner Stadtverkehr oft schneller am Ziel als mit dem Auto

Mit E-Bikes ist man im Berliner Stadtverkehr oft schneller am Ziel als mit dem Auto

Foto: Rainer Jensen / dpa

Während in Berlin ein Volksbegehren zum Ausbau des Radverkehrs in der Stadt vorbereitet wird, stellten der Handelsverband Zweirad (VDZ) und der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) am Dienstag in Mitte die Deutschen Verkaufszahlen für 2015 vor. Dabei waren E-Bikes als besonders erfolgreich. Der Anteil im Rädermarkt lag bei 12,5 Prozent. Mit 535.000 Stück wurden gegenüber 2014 11,4 Prozent mehr abgesetzt.

ZIV-Geschäftsführer Siegfried Neuberger schränkte ein, dass der E-Bike-Trend in Berlin nicht zu beobachten sei. „Dieser Typ ist in Metropolen unterrepräsentiert“, sagte Neuberger. „Das liegt auch daran, dass man sie dort nirgendwo sicher abstellen kann. Ein E-Bike für 2500 Euro lässt man nicht einfach ohne besondere Sicherung auf der Straße stehen.“ In Berlins Südwesten sind immerhin vier Fahrrad-Parkhäuser geplant. Die Finanzierung erfolgt unter anderem durch das Förderprogramm Elektromobilität des Bundesumweltministeriums.

Auswertung nach Bundesländern legte der ZIV nicht vor. Nach Auskunft des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) Berlin gab es einer repräsentativen Umfrage der Technischen Universität Dresden zufolge 2013 pro Haushalt 1,4 Fahrräder in der Hauptstadt. Auf jeden 100. Haushalt kam ein E-Bike.

4,3 Millionen Räder in Deutschland verkauft

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 4,3 Millionen Räder in Deutschland verkauft (plus 6,6 Prozent). Der Umsatz lag bei 2,5 Milliarden Euro. Beachtlich daran: Im Fachhandel sank zwar die Kundenzahl um fünf Prozent. Durch einen höheren Umsatz pro Kunde und gestiegene Preise machte man gegenüber 2014 je nach Fahrradtyp dennoch ein Plus von vier bis neun Prozent, sagte der Geschäftsführer des VDZ, Thomas Kunz.

Die Preise stiegen von durchschnittlich 528 Euro auf 557 Euro. Am populärsten waren Sporträder, gefolgt von Alltagsrädern und E-Bikes. Über die Bereitschaft, mehr für ein Rad zu zahlen, sagte ZIV-Geschäftsführer Neuberger: „Fahrräder werden in Städten als Imageprodukt gesehen.“

Einen leichten Wandel gab es bei den Absatzorten. Seit 2013 stieg der Anteil der Internetkäufe von zehn auf 13 Prozent. Im Fachhandel ging es um einen Prozentpunkt auf 69 Prozent. Der Anteil von Discountern, Baumärkten und Lebensmitteleinzelhandel sank von 20 auf 18 Prozent.

Angesichts der Verkaufsentwicklung forderte ZIV-Chef Neuberger, dass deutschlandweit die Infrastruktur dem Trend angepasst werden müsse. Dazu gehörten etwa geeignete Fahrradwege für E-Bikes.