Radverkehr

Senat will in Berlin zwei Fahrradparkhäuser errichten

Viele Berliner sind mit dem Rad unterwegs. Und die wissen oft nicht, wo sie das Gefährt abstellen können. Der Senat hat da eine Idee.

Fahrradfahrer am Moritzplatz in Kreuzberg

Fahrradfahrer am Moritzplatz in Kreuzberg

Foto: Britta Pedersen / dpa

In Berlin sind immer mehr Fahrradfahrer unterwegs. Werden die Räder abgestellt, dann – zum Ärger vieler Fußgänger – gern an Bäumen, Lichtmasten oder Verkehrsgittern am Straßenrand. Der Senat will mit einer „Strategie Fahrradparken Berlin“ auf das Chaos vor allem im Umfeld von Bahnhöfen reagieren. Erste Ergebnisse sollen im April vorliegen, schreibt Senatsbaudirektorin Regula Lüscher in einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Linke.

Schon jetzt kündigt Lüscher den Bau von zwei Fahrradparkhäusern als Pilotprojekt an. Das eine mit mindestens 90 „zugangskontrollierten“ Stellplätzen soll im Rahmen des Projekts „E-Bike-Pendeln“ am S-Bahnhof Zehlendorf entstehen. Die Station im Berliner Südwesten wird vor allem von Berufspendlern aus dem Umland zum Umsteigen in die S-Bahn genutzt. Mit der geplanten Anlage eines Fahrrad-Schnellweges von Kleinmachnow bis zum Potsdamer Platz sollen Autofahrer zum Umsteigen aufs Fahrrad oder das schnellere E-Bike bewegt werden. Für die oft hochwertigen Räder sind aber überdachte und möglichst sichere Abstellanlagen nötig, so die Erkenntnis der Verkehrsplaner im Senat.

In Zehlendorf soll ein automatisiertes Parkhaus stehen

Ein zweite Anlage mit 40 Stellplätzen ist laut Lüscher am Bahnhof Gesundbrunnen geplant. Vorzugsvarianten dort ist „ein technisch gesicherter Zugang, bei dem die Kunden ihr Fahrrad selber einstellen“. In Zehlendorf hingegen ist am sogenannten Hampsteadplatz (in Verlängerung der Hampsteadstraße) ein „automatisiertes Parkhaus“ vorgesehen. Die Räder werden dann mit technischer Hilfe an den jeweiligen Abstellplatz transportiert.

Erst einmal plant der Senat eine Markterkundung und ein Interessenbekundungsverfahren. Dann sollen Bau und Betrieb ausgeschrieben werden. Der Baubeginn ist laut Senatsverkehrsverwaltung „nicht vor 2018“ zu erwarten. Die Anlage in Gesundbrunnen soll nördlich des Bahnhofs zwischen Gesundbrunnen-Center und Empfangsgebäude entstehen. „Angestrebt“ wird ein Baubeginn im Jahr 2017. Geld dafür hat der Senat im Haushalt übrigens nicht eingeplant. Zur Finanzierung würden derzeit Fördermöglichkeiten und Finanzierungsquellen geprüft, sagte Petra Rohland, Sprecherin von Verkehrssenator Andreas Geisel (SPD).

Senat will prüfen, ob Kunden bereit sind, für das Einstellen zu zahlen

Beide Parkhäuser sollen für Fahrcard-Nutzer, also für registrierte Stammkunden von BVG und S-Bahn, zugänglich sein. Mit dem Pilotprojekt will der Senat auch erkunden, ob die Nutzer bereit sind, für das sichere Abstellen ihrer Räder zu zahlen. Als weitere Standorte für Abstellanlagen hat die Senatsverkehrsverwaltung die Bahnhöfe Adlershof (viele Diebstähle) und Ostkreuz (460 Stellplätzen) ausgemacht. Realisierungszeitraum: „langfristig“.

Jutta Matuschek, Verkehrsexpertin der Linke, dauert das alles viel zu lange: „Es gibt anderenorts längst Erfahrungen mit Fahrradparkhäusern. Der Senat muss die nicht neu erfinden.“ Matuschek verweist auf bereits gebaute Parkhäuser etwa in Münster, Erfurt, Potsdam oder in Bernau am nördlichen Stadtrand von Berlin. Wenn Standorte identifiziert seien, sollte der Senat rasch auch mit der Realisierung beginnen. Dringenden Bedarf für Fahrrad-Abstellanlagen sieht Matuschek zudem an den Bahnhöfen Schöneweide und Warschauer Straße. „Die werden gerade umgebaut. Warum werden da Fahrradparkhäuser nicht gleich mitgeplant?“