Zwölf Stunden

Steine im Weltall

Im Legoland in Tiergarten eröffnet eine neue Themenwelt. Designer und Techniker sorgen dafür, dass die Reise zu zu den Sternen reibungslos verläuft

Foto: Joerg Krauthoefer

08:50 Am Alien-Planeten passt Torsteinn L. Helgason den Schleimförderfelsen am Schleimsee ein. Der Chefdesigner und sein Team haben seit September an der „Black Box“, wie er die neue Themenwelt im Legoland nennt, gearbeitet. Nun ist der gebürtige Isländer aus dem Lego-Hauptquartier im dänischen Billund angereist und überwacht den Aufbau. „Es gibt insgesamt vier große Einheiten“, sagt Helgason, „zwei Planeten, eine Mission Control und die Moon Base.“ Auf der Mondstation werden mit Nebelmaschine und allem Drum und Dran amtliche Raketenstarts simuliert. Helgasons Job bringt viele Reisen mit sich. „In ein paar Wochen werde ich schon im Legoland Tokio den Aufbau einer Eisenbahnwelt leiten“, sagt er.

09:30 Das richtige Ambiente rund um die Legosteine schafft eine eigens angefertigte und frisch verklebte Weltraumtapete. Gerhard Kühn muss mit dem Druckroller nur noch die Luftblasen herausquetschen und die Dekoration sitzt perfekt. „Die Entwürfe für die Tapete wurden in London angefertigt“, sagt Kühn, „allerdings war uns beim ersten Mal noch zu wenig Weltall darauf, deswegen ging das Ganze noch einmal mit Änderungswünschen zurück.“ Gedruckt wurden die einzelnen Bahnen des Wanddekors in Berlin.

10:45 Projektkoordinator Casper Bennedsen verschraubt die letzten Panels der Mission Control, an der Kinder später riesige interaktive Buttons bedienen können – selbstverständlich aus Legosteinen geformt. „Die Freizeitastronauten werden sogar ihre Eltern in der anderen Ecke des Centers beobachten können, denn es gibt hier oben auch zwei Kameras mit einem Live-Feed direkt auf die großen Bildschirme“, sagt Bennedsen. Er erklärt auch, wie die Legowelt stabil gemacht wurde: „Zunächst wurden in Dänemark das Design erstellt und per Software die Baupläne entwickelt. Seit Anfang Dezember haben dann sieben Legobauer an der Fertigstellung gearbeitet. Für die feststehenden Grundmodule verwenden wir einen speziellen Legokleber, der die Steine sehr fest zusammenleimt.“ Rund 320.000 Steine wurden für das Weltraumareal verbaut.

12:35 Planeteninspektion. Nina Zerbe steht vor einer großen Holzkiste und prüft eine Lieferung auf Vollständigkeit. Etliche vorgefertigte Sterne, Asteroiden oder Planeten sollen Weltraumflair verbreiten, noch aber ist jeder Himmelskörper einzeln in mehrere Lagen Luftpolsterfolie eingepackt. Mit der Liste in der Hand geht Zerbe die Einzelteile durch – „wie zu erwarten: alles da“.

14:00 Um seinen Job werden ihn wohl so einige Kinder beneiden: Chefmodellbauer Olaf Reichert darf in seiner Arbeitszeit Raumschiffe oder Mondfahrzeuge bauen und nach Herzenslust seinem Spieltrieb freien Lauf lassen. An einem Bautisch befüllt er aus einem riesigen Plastiksack die „Schütte“ mit einem Haufen Legoteile. „An so einem Bautisch können immer zwei bis drei Kinder gleichzeitig arbeiten“, sagt Reichert. Die Themenwelten sind einerseits fest verleimte Universen, andererseits aber gibt es überall Tausende Legosteine, mit denen die Kinder kreativ daran herumbasteln können. „In unserem Weltraum hier gibt es 40.000 frei verfügbare Steine. Zum Teil baue ich etwas daraus und gebe so erst einmal etwas vor, aber jeder darf sich einbringen und damit machen, was ihm so einfällt.“ Außer mit Lego zu spielen, kümmert sich Reichert um Reparaturen und allgemein um den reibungslosen Weltraumbetrieb.

15:20 Die Sonne geht auf bzw. wird an die Decke gehängt. Im Lego-Weltall ist jeder Stern ein eigener Star und hat wie in einer guten Agentur auch eine Setcard mit Foto und allen nötigen Angaben zur „Person“. Darauf lässt sich beispielsweise nachlesen, dass die Legosonne mit dem Modellnamen LDC_BESPA_023 5,63 Kilogramm auf die Wage bringt, dass sie sich beleuchten lässt und einen Durchmesser von 32 Zentimetern hat. Allein für sie sind fast 20 Stunden Bauzeit angefallen.

16:10 Der technische Leiter Roberto Urru lässt sich von den dänischen Designern in das „Control Panel“ einweisen – ein Metallkasten mit einer Ansammlung von Kabeln und elektrischen Bauteilen. Darin laufen alle elektrischen Schaltungen der Themenwelt zusammen. „Wenn alles in Ordnung ist, braucht man eigentlich nur den großen An/Aus-Schalter zu betätigen“, sagt Urru, „aber für den Fall der Fälle muss ich natürlich instruiert sein.“ Drei Sound-Schaltungen, zwei interaktive Buttons und rund einhundert Lampen und Leuchtdioden werden von hier gesteuert. „Und natürlich der Shuttle-Start mit der Nebelmaschine.“

17:15 Das Universum nimmt Formen an. Marjana Znideric schickt sich an, noch einmal alles durchzufegen und die überflüssigen Reste eines geschäftigen Tages zu beseitigen. Der Boden, den sie fegt, wurde eigens für die neue Ausstellung verlegt. Man riecht noch den frischen Belag – „für diese Themenwelt bot sich einfach einmal ein schlichtes mondgrau an“.

18:50 Eltern sollten sich von Anfang an darauf einstellen: der Weg nach draußen führt durch den großen Legoshop. Wenn eine Themenwelt neue Anreize setzt, bleiben die entsprechenden Wünsche nicht aus. Jana Mölle weiß das. Deswegen räumt die Shopmitarbeiterin schon einmal ein paar Regalmeter mit Weltraummodulen und Space Shuttles zum Selberbauen ein. Billig ist das Vergnügen nicht, eine Raketenstation bekommt man nicht unter 75 Euro.

19:35 Auch ein Weltall muss einmal durch die Endabnahme. Für diese kommt Standortleiterin Anja Nitsch persönlich auf die Baustelle und schaut sich alles ganz genau an. Ob die angereisten dänischen Modellbauer wie geplant nach Hause dürfen, hängt allein von ihr ab. „Das sind Profis, aber bevor ich nicht das Okay gegeben habe, dürfen sie nicht los“, sagt Nitsch. Der Endschliff jeder Ausstellung wird lokal gemacht und natürlich soll alles perfekt den Räumlichkeiten und den Vorstellungen des Managements gerecht werden. Das Modellbauteam scheint aber ganze Arbeit geleistet zu haben, denn Nitsch findet kaum etwas auszusetzen.

21:00 Die Aliens kommen aus ihren Löchern, die Kometen glühen und das Weltraum-Shuttle ist startbereit für den Countdown: Am Ende eines langen Tages ist das Lego-All endlich fertig, komplett verkabelt und bereit für den Besucheransturm. Allerdings: Selbst wenn in fast jedem das Kind erwacht, sobald ein Berg Legosteine in Sichtweite gerät: Erwachsene müssen im Lego Discovery Center im Hintergrund bleiben und den Kindern das Feld überlassen. Denn wer nicht in Begleitung eines Kindes ist, darf ins Legoland gar nicht erst hinein.

Legoland Discovery Centre Potsdamer Straße 4, 10785 Berlin, Info-Hotline 01806-66 69 01 10, Mo.-So. 10-19 Uhr (letzter Einlass 17 Uhr)