Asyl in Berlin

Berliner Grüne fordern Flüchtlingswohnungen auf Flachdächern

Kleiner, dezentraler - und aus Holz: Berlins Grünen-Fraktion setzt sich für ein Umdenken bei der Unterbringung von Flüchtlingen ein.

Eine durch Holzbauweise erstellte zukünftige Flüchtlingsunterkunft in Baden-Württemberg. Vergleichbare Gebäude sollen auch in Berlin entstehen, fordern die Grünen

Eine durch Holzbauweise erstellte zukünftige Flüchtlingsunterkunft in Baden-Württemberg. Vergleichbare Gebäude sollen auch in Berlin entstehen, fordern die Grünen

Foto: Christoph Schmidt / dpa

"Willkomensarchitektur statt Massenunterkünfte" ist das Programm überschrieben mit dem die Fraktion der Grünen in Berlin qualitativen, kostengünstigen und dauerhaften Wohnraum für Flüchtlinge schaffe n wollen.

Ausgehend von der Grundidee, anstelle der vom Senat vorgesehenen Großunterkünfte künftig mehr kleinere und dezentrale Standorte mit Kapazitäten unter 200 Plätzen zu planen, gehen die Grünen dabei auch mit ungewöhnlichen Ideen hoch hinaus.

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So setzt die Partei in ihrem neuen Konzept unter anderem auch auf das Errichten von Holzbauten auf Berliner Flachdächern – beispielsweise auf innerstädtischen Plattenbauten. Wie die Fraktionschefin und stadtentwicklungspolitische Sprecherin der Grünen im Abgeordnetenhaus, Antje Kapek, am Montag sagte, "gibt es allein für diese Bauweise Kapazitäten für 100.000 Plätze in Berlin".

Die wesentlichen Vorteile dieser Aufstockung von Bestandsbauten mit Fertigbauteilen aus Holz seien neben einer weitaus kürzeren Bauzeit, auch deutlich geringere Baukosten bei gleichzeitig nachhaltiger Qualität. Gegenüber den vom Senat geplanten Betonmodulbauten mit veranschlagten 35.000 Euro pro Platz, könnten die Holzkuben auf Berliner Fachdächern bereits für 15.000 Euro pro Platz realisiert werden und würden dabei zudem keine neuen Flächen konsumieren, sagte Antje Kapek. Der Aufbau der Holzkuben auf den Dächern sowie der Häuser aus Fertigbauteilen benötigt zudem bur die Hälfte der Zeit im Vergleich zu Betonmodulbauten.

Architekten und Stadtplaner sollten beteiligt werden

Wie die Grünen-Politikerin räumte ein, dass eine kurzfristige Unterbringung in Containern immer noch besser sei als die Notunterbringung in Turnhallen. Antje Kapek wies aber auch darauf hin, dass die Container nicht nur einfach aufeinandergestapelt werden, sondern an der Aufstellung der bereits bestellten Container unbedingt Architekten und Stadtplanern beteiligt werden sollten.

Mithilfe von Laubengängen und Innenhöfen, bestehe so die Möglichkeit etwas wohnlichere Anlagen zu realisieren. Grundsätzlich aber, so Kapek, "sind Container keine gute Lösung". Nicht zuletzt auch, weil sie über schlechten Schallschutz verfügen und erhebliche Schadfstoffbelastung aufweisen. Neben den Holzkuben auf Flachdächern plädieren die Grünen auch für Anbauten in Holzbauweise an geplante Neubauten.

Beschlagnahmung von Privatimmoboilien bei spekulativem Leerstand

In Bezirken mit wenigen alndeseigenen Immobilien und Grundstücken wollen die Grünen zudem rechtliuch prüfen, inweiweit prtivate Liegenschaften stärker miteinbezogen werden können. Dabei soll im Falle nachweislich spekulativen Leerstands als letztes Mittel durchaus auch Beschlagnahmung möglich sein. "Wir haben entsprechende Anträge eingebracht, die noch in den Ausschüssen beraten werden", so Kapek.

Gundsätzlich fordern die Grünen eine in der Senatsverwaltung angesiedelte ressortübergreifende Arbeitsgruppe für die Planung der neuen Unterkünfte sowie klare und transparente Kriterien die Standortauswahl. So kritiserte Kapek , dass sich zwei der vom Senat ausgewählten Standorte (Albert-Kunz-Straße /Zossener Straße) in unmittelbarer Nähe zu NPD-Hochburgen befinden.

Antje Kapek. "Wir wollen keine Ghettos"

Wichtig seien viele kleine Standorte für 50 bis 200 Menschen in eher gemischten Quartieren, "denn wir wollen keine Ghettos", so Antje Kapek. Die Grünen fordern vom Senat eine vorausschauende Planung, in die neben Architekten und Stadtplanern auch die Flüchtlinge selbst und die jeweilige Nachbarschaft miteinbezogen werden sollten.

Kapel wertet die "Riesenherausforderung" bei Organsiation zum Schaffen lebenswerter Unterkünfte für Flüchtlinge auch als eine mögliche Chance althergekommene Planungen zu hinterfragen und zu verändern.

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