Radfahrer

Neukölln bekommt seine erste Fahrradstraße

Der Radverkehr in ganz Berlin nimmt zu. In einigen Straßen im Norden Neuköllns sollen Fahrradfahrer deshalb künftig Vorrang haben.

Foto: Britta Pedersen / dpa

Neukölln will ein Zeichen für Fahrradfahrer setzen und im Norden des Bezirks seine erste Fahrradstraße einrichten. Der Ausschuss für Verkehr und Tiefbau hat in dieser Woche einstimmig beschlossen, dafür das Weigandufer und die Pflügerstraße bis hin zur Pannierstraße mit den blau-weißen Schildern ausschildern zu lassen.

Mit dem Beschluss empfiehlt der Ausschuss der Bezirksverordnetenversammlung (BVV), einem entsprechenden Antrag der Piraten aus dem Jahr 2013 zuzustimmen.

An der Realisierung der Fahrradstaße hat Marko Preuß (SPD), der den Ausschuss am Mittwoch leitete, keine Zweifel. Ein einstimmiger Beschluss werde in der Regel von den Bezirksverordneten nicht mehr gekippt, sagte er der Berliner Morgenpost. Auch aus dem Ordnungsamt, das die Aufstellung der entsprechenden Schilder dann noch genehmigen muss, erwartet er keine Widerstände.

Radverkehr nach Kreuzberg wird erleichtert

Die Strecke sei asphaltiert und bereits als Tempo-30-Zone ausgewiesen. „Das Bezirksamt hat keine größeren Ausgaben, es muss eigentlich nur die Schilder anbringen“, so Preuß weiter. „Wir sind uns in Neukölln einig, bei der Entwicklung der Fahrradwege schnell und konstruktiv zusammenzuarbeiten.“ In den vergangenen Jahren seien etwa 40 Kilometer Fahrradwege im Bezirk instandgesetzt oder neu angelegt worden.

Die neue Fahrradstraße erschließt den östlichen Teil Nord-Neuköllns, der stark von Radfahrern genutzt wird, und erleichtert auch den Radverkehr nach Kreuzberg. In dem Neuköllner Altbaugebiet mit viel Kopfsteinpflaster fehlt es bisher an vernünftigen Verbindungen für Radfahrer.

Neuköllns Baustadtrat Thomas Blesing (SPD) bremst den Elan der Fahrradfreunde allerdings ein wenig. „Noch sind nicht alle Messen gesungen“, sagte er auf Anfrage. Der Antrag gehe jetzt zur endgültigen Beratung in den Ausschuss für Wirtschaft, bevor er der BVV vorgelegt werde. Eine Anordnung erfolge dann durch die Untere Straßenverkehrsbehörde, die beim Ordnungsamt angesiedelt ist, auch die Polizei müsse zustimmen.

Ein früherer Versuch, die Bürknerstraße zur Fahrradstraße zu machen, sei am Veto der Polizei gescheitert, die die Straße als Havariestraße einstufte, so Blesing. Dass die nun geplante Fahrradstraße zwischen Teupitzer Brücke und Pannierstraße kommt, bezweifle er allerdings nicht. „Vom Bezirksamt ist jedenfalls kein Veto zu erwarten“, sagte er.

Anders als bei der Sonnenallee, seien baulich auf dieser Strecke keine Änderungen nötig. Die neue Fahrradstraße biete eine gute Alternative, die ohne große Umwege auch Richtung Kottbusser Brücke und Hermannplatz führen könne.

Antrag war bereits einmal abgelehnt worden

Der Antrag der Piraten war bereits einmal abgelehnt worden. Anwohner hatten um ihre Parkplätze und um ihre Erreichbarkeit gefürchtet, eine Vertreterin des Fahrradclubs ADFC hätte Bedenken wegen der Querung der verkehrsreichen Brücken über den Neuköllner Schifffahrtskanal – alles Gründe für den Ausschuss, zunächst nicht zuzustimmen, sagt SPD-Politiker Preuß.

Die Lage hätte sich geändert, Bedenken konnten zerstreut, Missverständnisse ausgeräumt werden. Die Fahrradstraße werde an den Brücken unterbrochen, Parkplätze fielen nicht weg, und auch der Verkehr rolle weiter. Mit einem Unterschied allerdings: Die Radfahrer haben Vorrang, wenn sie nebeneinanderfahren, müssen Autofahrer im Zweifel warten.

Die Fahrradstraße am Weigandufer soll nicht die einzige bleiben. Im November haben die Bezirkverordneten den Bezirk beauftragt zu prüfen, ob auch die Weserstraße auf dem kurzen Stück zwischen Pannierstraße und Kottbusser Damm als Fahrradstraße ausgewiesen werden könnte, sagt Jochen Biedermann von der Grünenfraktion.

Dass es nun am Weigandufer losgehen könnte, freut den Bezirksverordneten. „Ein solches Zeichen können wir in Neukölln dringend gebrauchen.“