Berlin

Schnee: Stau auf der Stadtautobahn - S-Bahn lahmgelegt

S-Bahn-Linien unterbrochen, die Stadtautobahn völlig dicht - Berlin kämpfte am Mittwoch mit dem Schnee. Die aktuelle Lage im Überblick.

Schnee, Glätte, Kälte - der Wintereinbruch sorgt auf den Straßen und auf den Schienen für erhebliche Verkehrsprobleme.

+++ Die aktuelle Lage bei der Berliner S-Bahn +++

Bei der S-Bahn kommt es seit dem frühen Nachmittag wegen Schranken- und Weichenstörungen zu Verspätungen und Zugausfällen. Zusätzlich gab es einen Unfall.

Betroffen sind die Linien S41, S42, S45, S46, S47, S8 und die S9. Die Züge der S46 werden ab Halensee nach Charlottenburg umgeleitet, wie die S-Bahn auf ihrer Internetseite mitteilte. Die Strecke zwischen Halensee und Westend wird derzeit nicht bedient. Wegen einer Schrankenstörung in Eichwalde und einer Weichenstörung in Grünau fahre die S8 nur ab oder bis Schöneweide, teilte die S-Bahn mit.

Zusätzlich rammte laut S-Bahn ein Kraftfahrzeug die S-Bahn-Brücke über die Sonnenallee, daher war der Zugverkehr zwischen Neukölln und Treptower Park am Nachmittag unterbrochen. Inzwischen sind sowohl die Sperrung der Straße wie auch der Bahnlinie wieder aufgehoben.

Am Abend gab es zusätzlich auf der S5 in Spandau und auf der S8 in Schönfließ Verspätungen und einzelne Zugausfälle. Grund war in beiden Fällen eine Weichenstörung.

+++ Die Lage auf den Berliner Straßen +++

Die Stadtautobahnen und alle Hauptstraßen, die in die Stadt hineinführen, sind seit dem Morgen zugestaut. Wegen des Schneefalls fahren die Autos sehr langsam - zum Teil nur Schrittgeschwindigkeit“. Es ist kein Spaß, jetzt im Auto zu sitzen“, sagte ein Sprecher der Verkehrsinformationszentrale Berlin der Berliner Morgenpost. Gegen 11 Uhr lösten sich die größten Staus langsam auf. Am Nachmittag verschärfte sich die Verkehrssituation vor allem auf der Stadtautobahn aber wieder.

Am Tunnel Flughafen Tegel und am Tunnel Britz mussten sich Autofahrer immer wieder auf vorübergehende Sperrungen einstellen, da sie zeitweise überfüllt waren. Gegen 10 Uhr musste der Tiergartentunnel gesperrt werden. Grund war hier nicht das Wetter, sondern ein Unfall im Tunnel.

+++ Viel los in den Rettungsstellen +++

Glatte Straßen und Fußwege bescherten den Berliner Orthopäden am Mittwoch Mehrarbeit. "Wir behandeln in unseren neun Rettungsstellen deutlich mehr Patienten", sagte eine Vivantes-Sprecherin der Berliner Morgenpost. Genaue Zahlen nannte sie nicht.

+++ Mehr als 420 Unfälle im Stadtgebiet +++

Im Stadtgebiet ist es zu zahlreichen Unfällen gekommen, sagte ein Polizeisprecher. Insgesamt rund 420 Unfallmeldungen gingen bis zum späten Nachmittag ein. Dabei entstanden nach bisherigen Informationen überwiegend Blechschäden. Eine Fußgängerin wurde bei einem Unfall in Charlottenburg schwer verletzt. Als sie einen Zebrastreifen an der Sophie-Charlotte-Straße überquerte, erfasste sie ein VW-Fahrer mit seinem Auto. Die 48 Jahre alte Frau kam ins Krankenhaus.

An der Boxhagener Straße kam es zu einem Unfall zwischen einem BVG-Bus und einem Kleintransporter.

Zwei Autos und ein Bus stießen dort kurz vor 11 Uhr zusammen. Ein Fiat-Transporter prallte in der Boxhagener Straße auf Höhe der Neuen Bahnhofstraße gegen einen entgegenkommenden BVG-Bus. Ein Fünfer-BMW krachte zudem gegen einen Poller und wurde erheblich beschädigt. Sämtliche Airbags in dem Fahrzeug lösten aus. Die Polizei sperrte die Boxhagener Straße zwischen Neuer Bahnhofstraße und Lenbachstraße komplett. Auch die Tram musste stoppen und konnte ihre Fahrt wegen der Bergungsarbeiten nicht fortsetzen. Die Buslinien wurden ebenfalls unterbrochen.

+++ Zahlreiche Unfälle in Brandenburg +++

In Brandenburg gab es am Morgen im Berufsverkehr mehrere Unfälle. Auf Brandenburgs Straßen krachte es allein bis zum Mittag 152-mal, davon in mindestens 66 Fällen wegen Schnee und Eis, wie die Polizei am Mittwoch in Potsdam mitteilte. Bei 37 Karambolagen wurden Menschen verletzt, meist blieb es aber bei leichteren Blessuren. Unfallschwerpunkte waren die Autobahnen.

Häufig kam es zu Auffahrunfällen oder Autos rutschten von eisglatten Fahrbahnen. So kippte morgens auf der A2 Berlin-Magdeburg bei Wollin (Potsdam-Mittelmark) ein Tieflader mit einem Bagger auf der Ladefläche in den Straßengraben, wie die Polizei weiter berichtete. Der 59-jährige Fahrer wurde mit Platzwunden am Kopf ins Krankenhaus gebracht.

Auf der A12 Frankfurt (Oder)-Berlin bei Bad Saarow (Oder-Spree) stießen nach Polizeiangaben in der Frühe zwei Autos frontal zusammen, weil ein Wagen auf die Gegenfahrbahn geraten war. Zwei Menschen wurden verletzt.

+++ Verzögerungen im Bus - und Bahnverkehr seit Mittwochmorgen +++

Aufgrund der Witterung muss auf allen Buslinien mit Verspätungen gerechnet werden, teilte die BVG am Morgen mit. "Die Busse waren mit bis zu 30 Minuten Verspätung unterwegs", sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz. Dies hätten die Fahrgäste aber kaum bemerkt. Der Verkehr auf den Straßen Berlins war wegen der Schneedecke insgesamt langsamer - das schließt auch die Busse ein.

Bei den U-Bahnen lief weitgehend alles ohne Probleme. Lediglich bei der U5 in Friedrichsfelde sei ein Umlauf wegen einer eingefrorenen Weiche ausgefallen.

Zwischen 10.30 Uhr und 11.30 Uhr fiel am Alexanderplatz eine Tram aus. Das Fahrzeug war auf dem Eis aus der Schiene herausgefahren. Das Eis wurde inzwischen abgetaut und die Bahn wieder auf die Schiene gesetzt.

Auch an der Invalidenstraße gab es Probleme:

Inzwischen verkehren die Linien dort wieder normal.

Gut lachen haben die Kollegen der U-Bahn. Sie melden Schnee auf den Servern.

Bei der S-Bahn kam es bereits am Mittwochmorgen zunächst zu vereinzelten Ausfällen und Verspätungen. Eine nicht funktionierende Weiche führte seit Betriebsbeginn zu einer Unterbrechung des Zugverkehrs auf der Linie S25 zwischen den Bahnhöfen Priesterweg und Lichterfelde Ost, wie die S-Bahn Berlin mitteilte. Auf der S2, S8, S85 und S9 sorgte ein defekter Triebwagen am Bahnhof Schönfließ (Landkreis Oberhavel) für Verspätungen und Ausfälle.

Gegen 11 Uhr meldete die S-Bahn Störungen im Norden:

"Aber im Großen und Ganzen läuft's", sagte Bahnsprecher Burkhard Ahlert am Morgen. "Probleme bereiten uns vor allem die Altbaufahrzeuge der Baureihe 485", so Ahlert. Bei ihnen fallen im Winter häufiger Antriebe aus. Zudem vereisen Türen.

Für die Reinigung der Bahnsteige hat die S-Bahn eine Schneeräumzentrale in Berlin eingerichtet. Dort habe man sich gut eingespielt, so Ahlert. Seines Wissens laufe dort alles gut an diesem Morgen.

Am Nachmittag verschärfte sich dann die Lage auf mehreren Linien (s.o.)

+++ BSR mit 540 Fahrzeugen im Einsatz +++

Die Berliner Stadtreinigung war bereits die ganze Nacht über in wechselnden Schichten mit 2100 Mitarbeitern und 540 Fahrzeugen im Einsatz. Dennoch waren am Morgen noch längst nicht alle Straßen geräumt. Erste Priorität bei den Räumarbeiten haben die Stadtautobahnen, Hauptstraßen und Straßen, auf denen Busse verkehren. Erst im Anschluss werden die Nebenstraßen geräumt.

Eine Prognose, bis wann alle Straßen frei sind, gibt es nicht. „Einen konkreten Zeitpunkt zu nennen, ist nicht möglich“, sagte BSR-Sprecher Sebastian Harnisch gegenüber der Morgenpost. „Das hängt alles stark von der weiteren Wetterentwicklung ab. Zum Beispiel ist bei sehr niedrigen Temperaturen die Tauwirkung des Streusalzes geringer. Wir bleiben jedenfalls komplett im Einsatz.“ Man arbeite rund um die Uhr.

Davon wollen viele Berliner nichts bemerkt haben. Auf Twitter beschweren sie sich über ungeräumte Straßen.

+++ Flugverkehr bislang ohne Probleme +++

Der Flugverkehr in Berlin-Tegel lief weitgehend normal. Die Anzahl der Landungen wurde auf zwölf pro Stunde heruntergeregelt. Da sei aber ein normales Vorgehen bei diesem Wetter, sagt Flughafensprecher Lars Wagner.

+++ Berlin toppt Garmisch in Schneehöhe +++

In Berlin liegt mehr Schnee als im bayrischen Garmisch-Patenkirchen. Das ist ein sehr seltenes Bild, sagt Metorologe Jörg Kachelmann. In den Wintersportorten Bayern liegen derzeit nur drei bis vier Zentimeter Schnee. In Berlin zeigt die Karte bis zu zehn Zentimeter Neuschnee.

Für viele wurde der Weg zur Arbeit zu einer Geduldsprobe. Für Politiker Martin Delius eher ein Grund zu Freude - und zum Zuspätkommen.

Ganz andere Probleme hatte eine Grundschule in der Ruppiner Straße in Mitte. Dort hatte der Schnee sich zu einem gefährlichen Brett auf dem Dach aufgetürmt. Höhenretter der Feuerwehr mussten ausrücken, um das Schneebrett zu beseitigen, das in den Hof zu stürzen drohte.

+++ Probleme auch auf der Oder +++

Mitten in der vereisten Oder sitzt nördlich von Frankfurt eine Schiffsbesatzung fest. Eisbrecher können den Leuten nicht zur Hilfe kommen, weil der Fluss an der betreffenden Stelle bei Reitwein (Märkisch-Oderland) nicht tief genug ist, wie ein Sprecher des Wasser- und Schifffahrtsamtes in Eberswalde am Mittwoch erläuterte.

Die Crew des Schleppers, der einen Schiffsrohbau nach Stettin bringen sollte, hatte sich offensichtlich entgegen Warnungen aus Polen immer weiter stromabwärts bewegt. Nun versperrt das Eis den Polen auf dem Schubboot den Weg. "Das Eis schließt sie ein und schiebt sie immer weiter", sagte der Sprecher. Die Besatzung muss sich in Geduld üben, bis das Eis taut. Einziger Lichtblick: "Zurzeit behindern sie keinen."

+++ Grüne Parteispitze steckt fest +++

Große Probleme hatte auch die Grünen-Parteispitze auf der Fahrt von Berlin zum Parteitag in Weimar. Erst blieb ihr ICE mit Stromausfall liegen, dann "bockte" auch noch die Schlepp-Lok, wie Jürgen Trittin twitterte. Auch die Grünen-Chefin SImone Peter kommentierte die dreistündige Verspätung humorig.

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