Fehlendes Personal

Nach der Ruhe herrscht am Lageso wieder Gedrängel

Über Weihnachten war Ruhe, jetzt wird vor der Behörde wieder gedrängelt. Das Problem: Nur ein Bruchteil der Mitarbeiter ist im Dienst.

Lange Schlange vor dem Zelt vor Haus A

Lange Schlange vor dem Zelt vor Haus A

Foto: imago stock&people / imago/i Images

Über Weihnachten durften die Mitarbeiter beim Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) mal verschnaufen, die Arbeit ruhte. Nur rund 800 Flüchtlinge kamen über die Feiertage nach Berlin, sehr wenige, verglichen mit den Wochen davor. Sie wurden von einer Lageso-Notbesetzung auf Unterkünfte verteilt. Ruhig sei es gewesen, berichten alle, die von Heiligabend bis Sonntag vor Ort waren. Lageso und Helfer hätten gute Kommunikationsarbeit geleistet, wer trotzdem vorbeischaute, wurde per Bus zurück in seine Unterkunft gefahren.

Am Montag, nach den Feiertagen, spielten sich auf dem Gelände dann wieder altbekannte Szenen ab. Vor dem Zelt vor Haus A standen etliche junge Männer an, es wurde gedrängelt und geschubst. Die Sicherheitsmänner hatten Mühe, die Massen zu beruhigen. Viele Flüchtlinge trugen ein blaues Bändchen um das Handgelenk, sie warten also schon besonders lange auf einen Termin. Die Bändchen, übrigens eine Idee der Unternehmensberatung McKinsey, sollen garantieren, dass die Menschen zu einem festen Termin an die Reihe kommen.

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Was vorher schon nur mäßig funktionierte, funktionierte am Montag noch weniger. Einigen Flüchtlingen wurde mitgeteilt, dass sie später wiederkommen sollen – am 7. Januar. Wer etwa Geld ausgezahlt bekommen möchte, muss also noch mehr als eine Woche warten. „Es haben sich in der Tat einige Fälle angestaut“, räumte eine Sprecherin der Senatssozialverwaltung auf Nachfrage ein. Bei manchen Menschen wurde der Termin schon bis zu sieben Mal verschoben.

Der Grund für den Stau: Das Lageso arbeitet nicht mit voller Besetzung. Erst ab dem 4. Januar soll die Mannschaft wieder komplett sein. Wie viele Mitarbeiter in dieser Woche im Dienst sind, konnte die Sozialverwaltung nicht mitteilen. Doch nach Morgenpost-Informationen war etwa in der Sozialdienstabteilung am Montag nur eine Mitarbeiterin da, statt der üblichen zweistelligen Zahl.

Helfer wegen der erwarteten Minustemperaturen besorgt

„Dieses Missmanagement führt dazu, dass jetzt wieder mehr Flüchtlinge obdachlos sind“, kritisiert Diana Henniges von der Initiative „Moabit hilft“. Sorgen bereiten den Helfern die kommenden Tage auch, weil das Wetter gegen Jahresende in Berlin immer frostiger werden soll. Viel mehr als drei Wärmezelte stehen am Lageso als Schutz nicht zur Verfügung.

Und „viele Flüchtlinge haben nicht die entsprechende Kleidung, sie kommen mit T-Shirts oder Badelatschen hier an“, so Henniges. Die Caritas gibt jedoch Entwarnung. „Wenn wir nicht auf einen Schlag 2000 Menschen ausstatten müssen, sollten wir mit dem Wetterumschwung zurecht kommen“, sagt Mitarbeiterin Christina Busch. Man habe große Mengen an warmer Kleidung zur Verfügung.

Lob gibt es von den freiwilligen Helfern für die Lage vorn an der Turmstraße, „das hat sich in den letzten Monaten positiv entwickelt“, so Henniges. Seit zwei Wochen sind die Zelte dort auch nachts für die wartenden Flüchtlinge geöffnet. Tagsüber findet hier die Vorregistrierung statt, bevor es dann weiter in die Lageso-Behörde an der Wilmersdorfer Bundesallee geht. Rund 70 Menschen sitzen am Montag auf Bänken und warten.

Darunter auch Radi, ein 27-jähriger Ägypter und Vater von vier Kindern, wie er sagt. Er kam an Heiligabend in Berlin an, registriert ist er noch immer nicht. Radi kam, weil er gehört habe, dass Berlin eine tolle Stadt sei. Inzwischen überlegt er, sich ein neues Ziel zu suchen. Als Flüchtling habe man es in Berlin schwer. Auch das habe er inzwischen gehört.