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Fünf neue Ambulanzen für besseren Kinderschutz in Berlin

In Berlin eröffnen fünf neue Kinderschutzambulanzen. Missbrauch oder Vernachlässigungen sollen so schneller aufgedeckt werden.

Foto: dpa

Berlin.  Berlin verstärkt sein „Netzwerk Kinderschutz“. Im kommenden Jahr werden fünf regionale Kinderschutzambulanzen eingerichtet. In diesen Kompetenzzen­tren sollen Experten feststellen, ob Kinder oder Jugendliche körperlich oder psychisch misshandelt oder vernachlässigt werden. Sie sollen die Gefährdung des Kindeswohls beurteilen und im Notfall auch gerichtsfeste Beweisunterlagen erstellen.

Diese fünf Standorte wurden ausgewählt: der Charité-Campus Rudolf Virchow in Wedding (Mitte), das Vivantes-Klinikum Neukölln, das Helios-Klinikum Buch (Pankow), das DRK-Klinikum Westend (Charlottenburg) und das St.-Joseph-Krankenhaus in Tempelhof. Das erfuhr die Berliner Morgenpost vom Senat. Ursprünglich waren nur vier Ambulanzen vorgesehen.

1,2 Millionen Euro für das Projekt

Das Projekt wurde gemeinsam von den Senatsverwaltungen für Bildung und Jugend, Gesundheit und Soziales sowie Justiz initiiert. In den kommenden zwei Jahren bringt das Land Berlin dafür rund 1,2 Millionen Euro auf. Die Kinderschutzambulanzen richten sich an Fachkräfte, die beruflich mit Kindern und Jugendlichen in Kontakt stehen. Das sind zum Beispiel niedergelassene Kinderärzte, Familienhelfer, Mitarbeiter der Jugendämter, der Kinder- und Jugendpsychiatrien, der Jugendgesundheitsdienste sowie von Kinderschutzprojekten. Als kompetente Ansprechpartner stehen ihnen die Ärzte der Kinderschutzambulanz zur Verfügung. Diese klären Verdachtsfälle von akuten oder chronischen Formen körperlicher oder seelischer Misshandlung, Vernachlässigung oder sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche.

Die ausgewählten Kliniken verfügten bereits heute über interdisziplinäre Kinderschutzgruppen, betonte die Jugendverwaltung. Um die Teams der Ambulanzen zu koordinieren, werde jeweils zusätzlich eine im Kinderschutz erfahrene Kinderkrankenpflegekraft eingestellt.

„Das ist ein nächster wichtiger Schritt für ein noch schlagkräftigeres Netzwerk Kinderschutz“, sagte Jugendsenatorin Sandra Scheeres (SPD) der Berliner Morgenpost. Die an den fünf Kliniken entstehenden Kompetenzzentren würden dazu beitragen, dass Misshandlungen und Vernachlässigungen von Mädchen und Jungen künftig noch früher erkannt werden können. „Und je frühzeitiger wir Misshandlungen und Vernachlässigungen erkennen, desto besser können wir Kinder und Jugendliche schützen“, so Scheeres. Mit den Ambulanzen entspreche man zudem einer Forderung von Fachleuten, das Gesundheitssystem effektiver in den Kinderschutz einzubinden.

Ärzte werden in das Netzwerk eingebunden

Die Einrichtung der regionalen Anlaufstellen schließt eine Lücke. Sie soll sicherstellen, dass nun auch Ärzte in das Netzwerk eingebunden werden und damit ein unverzichtbares Bindeglied zwischen der Kinder- und Jugendhilfe sowie der medizinischen Dia­gnostik bei Kinderschutzfällen gewährleistet ist. Verdachtsfälle von Misshandlung oder Missbrauch können künftig durch Kinderärzte und Rechtsmediziner untersucht werden, ohne dass das Kind stationär in einem Krankenhaus aufgenommen werden muss. Die Ambulanzen sollen bereits im Januar eröffnet werden.

In Berlin wurden im vergangenen Jahr knapp 12.000 Kinder und Jugendliche untersucht und begutachtet, um einzuschätzen, ob sie gefährdet sind. Eine sogenannte akute Kindeswohlgefährdung wurde in jedem fünften Fall festgestellt. Dabei ist eine erhebliche Schädigung des körperlichen, geistigen oder seelischen Wohls des Kindes oder Jugendlichen bereits eingetreten oder mit Sicherheit zu erwarten. In weiteren rund 30 Prozent der Fälle lag eine mögliche Kindeswohlgefährdung vor.

In Hamburg ist unterdessen ein schwerer Fall von Kindesmisshandlung bekannt geworden. Ein 13 Monate altes Kleinkind war vor einer Woche mit Misshandlungen in die Uni-Klinik eingeliefert worden. Die Schäden seien offenbar so schwerwiegend, dass lebenserhaltende Maßnahmen eingestellt wurden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Mutter und ihren Lebensgefährten. Seiten 2, 10 und 13

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