Kommentar

Nothilfe für Kinder - mehr Unterstützung für Familien

Der Kinderschutz funktioniert in Berlin ganz ordentlich. Aber Familien brauchen mehr Unterstützung, sagt Joachim Fahrun.

In den meisten Fällen geschehen Missbrauch, Gewalt oder Vernachlässigung gegen Kinder im Verborgenen. Tatort ist meist die heimische Wohnung und die ist aus guten Gründen im Regelfall für die Behörden tabu. In dieses Dunkelfeld hineinzuleuchten, Kinder vor Schaden zu bewahren und überforderten Eltern zu helfen, ist deswegen eine ziemlich schwierige Aufgabe.

In Berlin scheint es zunehmend besser zu gelingen. Die Zahl der Verfahren wegen vermuteter oder tatsächlicher Gefährdung des Kindeswohls steigen rapide an. Was auf den ersten Blick schockierend wirkt – „Mehr Gewalt gegen Kinder“ – könnte bei genauerem Hinsehen auch ein positives Zeichen sein. Denn inzwischen wird mehr Gewalt gegen Kinder verhindert als früher. Die grausigen Fälle von unter den Augen von Jugendämtern vernachlässigten, Totgeschüttelten, geprügelten oder sonst wie durch ihre Erziehungsberechtigten zu Schaden gekommenen Kinder und Jugendlichen haben tatsächlich ein Umdenken und Umsteuern bewirkt. Auch wenn niemand eine Garantie darüber abgeben kann, dass sich solche Dramen nicht wiederholen, allen Bemühungen zum Trotz.

Inzwischen sind in allen Berliner Stadtteilen Netzwerke des Kinderschutzes fest geknüpft. Es ist klar, wer in welchem Fall was zu tun hat. Mehr Verdachtsfälle werden gemeldet, in der Folge mehr Kinder gerettet, mehr Jugendliche vor psychischen Schäden bewahrt. Die Jugendämter sagen, dass sie für das akute Eingreifen genügend Personal haben. Mangel hingegen beklagen sie bei den weitergehenden Leistungen, die über den Ersteinsatz hinaus reichen. Denn die Lösung kann ja nicht sein, möglichst viele Kinder vor ihren Eltern in Sicherheit zu bringen. Sondern die Familien müssen so weit unterstützt werden, dass sie ordentlich und liebevoll mit ihrem Nachwuchs umgehen, dass Eltern und Jugendliche einen gemeinsamen Weg finden.

Für diese komplizierte Aufgabe wird es mehr Mitarbeiter brauchen, wenn sich der Kinderschutz nicht in einer akuten Nothilfe erschöpfen soll.