Zehlendorf

Hundeverbot am Schlachtensee - Ruhe vor dem Richterspruch

Das Verwaltungsgericht entscheidet erneut über das Hundeverbot am Schlachtensee. Unabhängig davon werden Kompromisse diskutiert.

Hundeverbot am Schlachtensee: Hündin "Bella" an der Zonenmarkierung, ab der keine Hunde erlaubt sind

Hundeverbot am Schlachtensee: Hündin "Bella" an der Zonenmarkierung, ab der keine Hunde erlaubt sind

Foto: Amin Akhtar

Maximilian ist in der Nähe vom Schlachtensee in Zehlendorf aufgewachsen. Seit er denken kann, war der Abiturient ein rücksichtsvolles Zusammenleben zwischen Mensch und Hund gewohnt. Hier draußen im Grünen. „Da ist doch Platz genug für alle“, sagt er. Aber seit einigen Monaten ist aus Leinenzwang für Hunde am See, der bei Einführung vor ein paar Jahren schon eine „krasse Einschränkung“ war, wie er sagt, ein komplettes Verbot für die Tiere geworden. Wohin also jetzt mit dem Familienhund? „Ich finde das nicht angemessen. Wieso wurde das überhaupt plötzlich Thema?“, fragt der 19-Jährige.

So wie er wundern sich viele über die Verbannung der Hunde an Schlachtensee und Krummer Lanke. Seit sieben Monaten gilt dieses Verbot nun für alle Uferwege. Verantwortlich dafür ist Umweltstadträtin Christa Markl-Vieto von den Grünen. Konflikte zwischen Hundehaltern und Badegästen sollten mit der Neuregelung gelöst werden. Stattdessen wurde damit ein immer größerer Keil zwischen die beiden Interessengruppen getrieben. Im Frühling sprach Markl-Vieto von einer Mehrheit, der sie bei dieser Entscheidung gefolgt sei. Doch Mehrheit ist relativ.

Zwei Bürgerinitiativen klagen

Am Dienstag soll nun vor dem Verwaltungsgericht erneut über das Hundeverbot entschieden werden. Denn diverse Bürgerinitiativen, die sich gegen die Verordnung richten, haben sich in der vergangenen Zeit gegründet. Zwei von ihnen klagen dagegen. Unter anderem Frank Kuehn, Anwohner und Gründer von „Hunde am Schlachtensee“. Er will diese Ausgrenzung nicht auf sich sitzen lassen, die damals ganz ohne Bürgerbeteiligung beschlossen wurde. „Der Uferweg ist ein allgemeiner Verkehrsweg“, sagt er. Das Bezirksamt hingegen habe den gesamten Uferweg kurzerhand zur Badestelle erklärt – laut Hundegesetz dürfen sich die Tiere dort nicht aufhalten. Dabei gebe es eigentlich nur zwei richtige Badewiesen.

Zum Thema See im Allgemeinen startete die Abteilung Seenplatte der SPD eine, neben einer vom Bezirk online geschalteten, Bürgerbefragung. Der Vorsitzende des Vereins, Joachim Elsholz, sagte: „Wir wollen das Naherholungsgebiet für alle Menschen erhalten und schützen – ohne jemanden auszugrenzen.“ Am Mittwoch wurden nun unter anderem von Stadtentwicklungsstaatssekretär Christian Gaebler (SPD) die Ergebnisse vorgestellt. „In dem Meinungsbild geht es um die Sauberkeit und darum, wie die Natur geschützt werden kann“, sagte er. Thema waren neben dem Hundeverbot daher auch Toiletten und Radfahrer. Doch die Anzahl der Antworten belegt deutlich, dass der Aspekt des Hundeverbots am meisten interessiert.

Kompromisslösungen gesucht

Der Beschluss bleibt ein umstrittener: Knapp 56 Prozent der 318 Befragten sprachen sich gegen das bereits laufende Hundeverbot aus. Laut Bezirk wiederum habe er mehrheitlich zustimmende Schreiben zu der Neuregelung erhalten. Vielleicht könnte ein Kompromiss die Gemüter abkühlen. Denn zusätzliche Bemerkungen zur Umfrage dokumentieren, dass über eine saisonale Lösung nachgedacht werde.

Die Idee dahinter könnte sein, dass zwischen Oktober bis April eine völlige Aufhebung des Verbots stattfindet – immerhin gibt es in diesen Monaten kaum Badegäste. Und trotzdem bliebe auch dann noch zu klären: Wohin während des restlichen Jahres? Jungfernheide? Grunewaldsee? Zu weit entfernt. Zu überfüllt. „Der sogenannte Hundesee ist selbst für Hundeliebhaber wie mich fast unerträglich“, sagt Hundebesitzer Hoffmann, der jahrelang extra aus Kleinmachnow zum Schlachtensee gefahren ist. Am Grunewaldsee traue er sich während der Vielzahl der Hundefreunde manchmal gar nicht, seinen Hund von der Leine zu lassen.

Wie und ob die Neuregelung gelockert wird und Kompromisslösungen überhaupt im Bereich des Möglichen sind, ist offen. Gaebler jedenfalls wolle zunächst das Urteil am Dienstag hören. „Ansonsten haben wir uns immer für eine möglichst breit akzeptierte Lösung ausgesprochen.“ Die zukunftsweisende wird allerdings noch eine Weile auf sich warten lassen – zumindest solange das Pilotprojekt angesetzt ist. Denn kurzfristige Prognosen zur Entwicklung von Flora und Fauna ohne Hundeauslauf an Seen seien in einem sehr kurzen Zeitraum gar nicht möglich, so der Staatssekretär.

Pöbeleien gibt es auch mit Leine auf erlaubten Wegen

Würde sich an dem Verbot auch nach dem Gerichtstermin am Dienstag also nichts ändern, wird der See wohl größtenteils so leer bleiben wie an diesem trüben Freitag. Überblickt Gaebler die Rückmeldung verschiedener Seegänger, stellt er fest: „Insgesamt zeigt sich ein größeres Bewusstsein für einen rücksichtsvollen und abgestimmten Umgang mit den unterschiedlichen Bedürfnissen von Mensch und Natur.“ Stimmt das denn? Hoffmann jedenfalls werde auch mit angeleintem Hund auf erlaubten Wegen häufiger als früher angepöbelt.

Maximilian interessiert das alles gar nicht. Er lässt sich und seinem Hund nicht die ganze Freiheit nehmen und hat nun eine ganz eigene rücksichtsvolle Lösung gefunden: „Wir gehen nicht mehr nachmittags an den See, sondern am späteren Abend.“ Dann, wenn keiner petzen kann.